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[pd-f] Dass die Fahrradindustrie mit ihren Produkten ausgesprochen systemrelevant ist, wird oft vergessen. Doch das scheint sich zu ändern, zieht man die Zahl der Auszeichnungen in Betracht, mit denen die kreativen Köpfe der Branche bedacht werden.
Während die ganze Nation um das Wohl ruinöser Autobauer bangt, werkelt die Fahrradbranche weitgehend im Windschatten des öffentlichen Interesses vor sich hin. Eigentlich schwer zu verstehen – jedes Jahr werden über vier Millionen Fahrräder verkauft, Radfahren ist letztlich der Königsweg der emissionsfreien Mobilität und nun hat die Branche mit dem E-Bike sogar eine echte Alternative zum motorisierten Kurzstreckenverkehr auf den Weg gebracht. Keine Frage: Es ist höchste Zeit, dass das mal von offizieller Seite anerkannt wird. Nun ist es endlich so weit.
Design und Qualität
Immerhin: Auszeichnungen für gelungene Gestaltung konnten die kreativen Branchenprimusse schon immer einheimsen. Jüngstes Beispiel ist Abus (www.abus.de), deren Helm „Urban I“ mit dem begehrten „red dot design award“ des Design-Zentrums Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde (www.dznrw.com). „Innovation, Funktionalität, formale Qualität, Ergonomie, symbolischer und emotionaler Gehalt und den Selbsterklärungsaspekt eines Produktes“, bewertet die fachkundige Jury – hohe Ansprüche also an ein Produkt, und es verwundert nicht, dass bei Abus Hochstimmung herrscht. „Der ‚red dot design award‘ ist für uns ein Meilenstein. Wir freuen uns mit unserem Produktmanagement, das kreativ, innovativ und fortschrittlich agiert und entwickelt“, freut sich Christian Rothe, Geschäftsbereichsleiter Mobile Sicherheit beim Unternehmen aus Wetter an der Ruhr.
Lust auf „Made in Germany“
Die seit Jahrzehnten in Deutschland angesiedelte Produktion hat der Hersteller von Schlössern und Fahrradzubehör mit einem anderen bekannten Fahrradproduzenten gemein, dessen Produkte ausschließlich dem Nachwuchs vorbehalten sind. Seit 1949 gibt es die Firma Puky (www.puky.de), und genauso lange entstehen im Raum Düsseldorf die bunten Roller, Spielfahrzeuge und Kinderräder – in so hoher Qualität, dass es längst einen großen Markt für gebrauchte Pukys gibt, wenn sie nicht einfach in der Familie bleiben. Nun hat Puky die Auszeichnung „Firma des Jahres 2008“ erhalten, die aktuell zum dritten Mal von der Initiative „Ja zu Deutschland“ vergeben wird. Bewusstsein für die Bedeutung des Industriestandortes Deutschland zu schaffen und eine Datenbank mit im Lande produzierenden Firmen zu organisieren, gehört zu den Zielen der Initiative (www.ja-zu-deutschland.de). Dass nach ADO Gardinenwerke (2006) und Textilproduzent Trigema (2007) ein Unternehmen aus der Fahrradbranche die jährliche Auszeichnung bekommt, lässt aufhorchen. Zum einen ist es ein Signal an andere Radfirmen, dass die Fertigung im Lande beim Konsumenten durchaus ein Kaufargument sein kann, zum anderen beweist es, dass die Branche stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. „Es zeigt, dass unsere Firmenpolitik, alles in Deutschland zu fertigen, durchaus gewürdigt wird“, erklärt Puky-Geschäftsführer Ralf Puslat. „‚Made in Germany‘ ist angewandte Sozialpolitik.“
Ein Ort im Land der Ideen
Bekannter als „Ja zu Deutschland“ ist die Initiative „Land der Ideen“ unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler (www.land-der-ideen.de). Alljährlich werden 365 Orte ausgewählt, die das Land voran bringen, diese „Orte“ sind zahlreiche gesellschaftliche Projekte, Hilfsorganisationen sowie ökologisch und sozial orientierte Unternehmen. Unter mehr als 2.000 Bewerbungen wurden unlängst die „365 Orte im Land der Ideen“ für 2009 ausgewählt; darunter ist auch das Darmstädter Unternehmen riese und müller (www.r-m.de), seit über fünfzehn Jahren erfolgreich mit vollgefederten Fahrrädern und aktuell auch mit innovativen E-Bikes auf dem Markt. „Auch wir von riese und müller möchten mit unseren Pedelecs einen neuen, zukunftsweisenden Weg einschlagen und somit einen wichtigen Beitrag im Bereich Verkehr und Umweltschutz leisten“, erklärt Geschäftsführer Heiko Müller. Er sieht mit seinen Produkten die Chance, durch die Verbindung von Elektro-Unterstützungsantrieb und Vollfederung die junge Gattung des E-Bikes noch attraktiver zu machen. „Hybridbikes bieten die perfekte Synthese zwischen höherer Geschwindigkeit und besserem Komfort, ein stärkerer Antrieb braucht auch ein funktionierendes Fahrwerk“, so Müller. Die Jurymitglieder vom „Land der Ideen“ sehen das offenbar ähnlich.
Tourismusförderung mit Fahrradtest
Noch einen Blick über die Grenze nach Süden: In der Schweiz vergibt das Bundesamt für Energie BFE alljährlich die Auszeichnung „Watt d’Or“, mit der die besten Energieprojekte eines Jahres prämiert werden. Bei der Preisverleihung geht es sehr demokratisch zu: Es gibt keine ersten und zweiten Preise noch Dotierungen und alle Auszeichnungen sind gleich viel wert – es geht ausschließlich um die Ehre. Die hat aktuell auch der E-Bike-Hersteller Biketec AG, dessen Modellreihe „Flyer“ zu den begehrtesten des Marktsegments gehört (www.flyer.ch). Die Auszeichnung geht jedoch nicht an Biketec allgemein, sondern an ein ganz bestimmtes Projekt: In Tourismusregionen hat der Hersteller ein Vermietsystem ins Leben gerufen, mit dem auch nicht ganz so fitte Besucher die Schweiz erradeln können und das darüber hinaus vielen Menschen erste Eindrücke in Sachen E-Bike verschafft. „Das könnte der gesamten Branche helfen, denn mit den Verleihstationen machen wir Werbung fürs E-Bike-Fahren an sich – und zwar über die Marke Flyer hinaus“, erklärt Biketec-Chef Kurt Schär.
Gutes Design, soziale Verantwortung, zukunftsweisende Mobilität – die Fahrradbranche hat eine Menge zu bieten, wie man sieht. Schön, dass die Öffentlichkeit immer mehr davon mitbekommt.
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- Puky wird Firma des Jahres
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