Gebrauchtradkauf hat noch viel Potenzial Ein Markt für Gebrauchtfahrzeuge ist bei Autos etabliert, beim Fahrrad bzw. E-Bike erst im Entstehen. Der Entwicklung wird jedoch eine erfolgreiche Zukunft prognostiziert – sofern jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Wie das gehen könnte, fasst der pressedienst-fahrrad zusammen. ----- Sören Hirsch beobachtet als Bereichsleiter Bike beim Leasing- und Versicherungsanbieter Linexo den Fahrradmarkt seit Jahren. Während die Verkaufspreise lange Zeit nur die Richtung nach oben kannten, ist die Situation in den letzten Saisons anders. „Wir sind an einem Punkt angekommen, bei dem wir im niedrigen Preissegment eine steigende Nachfrage feststellen, aber im Markt ein Minderangebot in diesem Bereich herrscht“, erklärt Hirsch. Um auch Zielgruppen anzusprechen, die weniger Geld für ein Fahrrad bzw. E-Bike bezahlen möchten, wird aktuell am Aufbau eines Refurbish-Marktes gearbeitet. Dabei werden gebrauchte Räder, z. B. als Leasing-Rückläufer oder aus Testradflotten, die meist nur wenige Jahre alt sind, aufbereitet und als Gebrauchtrad verkauft. Der Vorteil: Hochwertige Gebrauchträder kommen so in den Markt zu günstigeren Preisen. Je nach Zustand und Kilometerleistung sind beim Gebrauchtkauf Ersparnisse von bis zu 60 Prozent gegenüber dem Direktkauf möglich. Ein Vorgehen, von dem sich auch Fahrradverbände wie Zukunft Fahrrad oder der Zweirad-Industrie-Verband gute Zukunftsperspektiven versprechen. ----- Refurbish weckt Interesse Laut einer Studie des Refurbish-Anbieters Rebike würde die Kaufbereitschaft für ein aufbereitetes Fahrrad bzw. E-Bike bei 61,8 Prozent der Befragten liegen. Ein Niveau, das bislang nur aus etablierten Refurbish-Kategorien wie Smartphones bekannt ist. Im Gegensatz zum Fahrrad bringen E-Bikes dabei einen wesentlichen Vorteil mit: Am Display oder per App lässt sich die Gesamtfahrleistung des E-Antriebs einfach bestimmen. So erkennt man, ob das Rad viel gefahren wurde und ggf. Verschleißschäden zu erwarten sind. Der Vorteil bei Leasing-Rückläufern: Aufgrund von Service-Verträgen sollten diese während der Leasing-Dauer regelmäßig professionell gecheckt worden sein und dementsprechend ist das Risiko für Verschleißschäden minimiert. Wenn dennoch Schäden auftreten, ist es der Job der Refurbish-Anbieter, diese im Vorfeld des Kaufs zu beseitigen und defekte Komponenten auszutauschen. Refurbish-Anbieter unterhalten deshalb für die Inspektion der Räder große Werkstätten. Insbesondere eine gute, nachvollziehbare Qualitätskontrolle sowie transparente Prozesse sind laut der Rebike-Umfrage nämlich entscheidend, damit aus dem Nischenphänomen ein langfristiger Trend werden kann.  ----- Transparenz schaffen Wie man für Transparenz sorgen kann, zeigt Antriebs-Marktführer Bosch mit einem digitalen Zertifikat für den Gebrauchtradkauf, das ab Juli 2026 verfügbar sein wird. Das Zertifikat bewertet digital den Zustand des Antriebssystems. Das soll ermöglichen, gegebenenfalls nicht sichtbare Mängel am Antrieb oder dem Akku vor dem Kauf auszuschließen. Dafür wird ein QR-Code erstellt, der auf die Bosch-Homepage führt, wo die Daten zum abgefragten System hinterlegt sind. Neben Informationen zu Ladezyklen, Kilometern und E-Bike-Marke erhalten Kaufinteressierte auch eine Bestätigung, dass das Rad nicht als gestohlen gemeldet ist bzw. keine Tuning-Maßnahmen vorgenommen wurden.  ----- Möglichkeiten für den Fachhandel Mit derartigen Möglichkeiten bekommt auch der Fachhandel ein Instrument an die Hand, um einfacher Gebrauchträder zu verkaufen. Das ist aus Sicht von Sören Hirsch nämlich wichtig, um der Entwicklung weiteren Schwung zu geben: „Der Gebrauchtradverkauf findet fast nur über große Online-Plattformen statt, aber Fahrrad ist ein Fachhandelsprodukt.“ Der aktuelle Verkaufsprozess über große Online-Portale, welche die Räder von den Leasing-Gesellschaft nach Ablauf der 36-monatigen Leasing-Zeit abkaufen, gehe größtenteils am Fachhandel vorbei. „Die Frage ist: Wie kommt der Fachhandel an Räder, um sie lukrativ zu verkaufen?“, so Hirsch, der ein großes Interesse der Händlerschaft an dem Thema feststellen kann. Linexo arbeitet deshalb an einer Lösung, dass der Fachhandel mit ins Boot geholt wird. Als positives Beispiel nennt Hirsch die Niederlande, wo er lange Jahre tätig war. Dort gebe es in vielen Fachgeschäften die Option, zwischen Neu- und Gebrauchtradkauf zu entscheiden. Ähnliche Lösungen sollen jetzt für den deutschen Markt folgen. ----- „Ich bin gespannt, wie sich das Thema weiter entwickelt. Beim Auto oder Smartphone ist es mittlerweile ja schon normal, dass man sich mit dem Kauf eines Gebrauchten auseinandersetzt. Warum sollte es in Zukunft beim E-Bike oder Fahrrad nicht ähnlich sein? Die Qualität der Räder ist mittlerweile auf so einem hohen Niveu, sodass ein Kauf im Zweitmarkt ebenfalls ein hochwertiger Kauf ist und nicht automatisch den Kauf einen Schrottrades bedeutet.“ Thomas Geisler Redakteur -----