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Kindertransport mit dem Fahrrad? Aber sicher!
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Dienstag, 2. April 2024

Den Nachwuchs mit dem Fahrrad mitnehmen – für viele Eltern ist das eine einfache und praktische Alltagslösung. Doch es gibt immer wieder Vorurteile, dass der Kindertransport per Rad unsicher sei. Der pressedienst-fahrrad gibt einen Überblick über die aktuelle Situation und zeigt, wie Qualitätshersteller die Sicherheit gewährleisten.

Lastenrad, Anhänger oder Kindersitz – es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Kinder mit dem Rad zu transportieren. Gesetzlich gibt es dafür wenige Vorgaben. So besagt die Straßenverkehrsordnung (StVO) dazu lediglich, dass Kinder im Alter bis zu sieben Jahren von Personen ab 16 Jahren transportiert werden dürfen. Das Rad oder der Anhänger muss dabei für die Beförderung von Kindern gebaut und eingerichtet sein. Wichtig: Die Füße der Kinder dürfen nicht in die Speichen geraten. Der Gesetzestext ist äußerst vage formuliert und lässt bezüglich sicherer Ausstattung einiges an Interpretationsspielraum offen. Deshalb fordert die Unfallforschung der Versicherer, dass es Nachbesserungen und Klarstellungen von Seiten des Gesetzgebers für einen sicheren Kindertransport geben sollte – auch, weil es keine speziellen Anforderungen für die Mitnahme in Cargobikes gibt.

Sicherheit von Lastenrädern macht Fortschritte

Durch ihre steigende Popularität in den vergangenen Jahren sind Lastenräder aus dem Verkehrsmix heute nicht mehr wegzudenken. Doch wichtige Prozesse gerade in Bezug auf Normung und Produktsicherheit werden auf EU-Ebene geführt und konnten in den Anfangsjahren des Booms nicht mit dem rasanten Wachstum mithalten. Manch ältere Produkte, die noch im Straßenverkehr zu sehen sind, entsprechen nicht dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik. „Das ist ähnlich einem Oldtimer im Autobereich, der keine standardmäßigen Airbags und kein ABS hat und somit nicht die Sicherheits-Features eines Neuwagens aufzeigt, aber dennoch gefahren werden darf“, erklärt Lothar Schiffner, Pressesprecher bei RTI Sports, dem Hersteller der Cargobike-Marke Ca Go. Der aktuelle Maßnahmenkatalog der EU für Elektrofahrräder ist bereits umfassend. Zu den Prüfungen des Rahmens, der Einzelteile und des kompletten Fahrrads kommen diverse technische Dokumentationen. Dazu zählen Risikobeurteilungen oder auch Prüfprotokolle der Elektromagnetischen Verträglichkeit, kurz EMV, oder des Komplettrades. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass die Fahrrad- und Fahrradzubehörindustrie sowohl normative Mindestanforderungen als auch individuelle Produktlösungen laufend verbessern, um die Sicherheit von Kindern auf Fahrrädern weiter zu erhöhen. In diesem Jahr werden laut ZIV die ersten Teile der neu entwickelten Europäischen Lastenradnorm (DIN EN 17840) veröffentlicht. Darin wird auch ein Teil zum Kindertransport enthalten sein, in dem die Anforderungen der DIN 79010 zu Lastenrädern weiterentwickelt wurden.

Sicherheit keine Frage des Preises

„Eine solide Aufstellung in all diesen Bereichen macht das Fahrrad oder auch ein Lastenfahrrad zweifelsohne deutlich besser und sicherer – kostet aber einige zigtausend Euro pro Modell bzw. Modellgruppe. Ein günstiges Lastenfahrrad muss nicht zwingend unsicher sein. Doch der Preis ist schon ein gewisser Indikator dafür, was der Hersteller vorab investiert hat, um sein Produkt wirklich sicher zu gestalten“, schreibt zur Einschätzung der E‑Bike-Sachverständige Dirk Zedler in einem Newsletter. Seriöse Hersteller prüfen ihre Produkte über die aktuellen Normen hinaus – und das kostet Geld, was sich wiederum auf die Preise auswirkt. „Beim Thema Sicherheit zu sparen, kann aber nach hinten losgehen“, sagt Zedler.

Hersteller arbeiten an Lösungen

Wie es sicher gehen kann, zeigen bereits einige Hersteller. Das Koblenzer Unternehmen Ca Go hat bei den Modellen der „FS-Life“-Serie eine Box speziell für den Kindertransport entwickelt und von einem unabhängigen Sachverständigenbüro testen lassen. Die Box zeichnet sich durch eine stoßabsorbierende Wirkung dank EEP-Kunststoff und Knautschzonen sowie integrierbaren Kindersitzen mit stabilem Fünf-Punkt-Gurtsystem inklusive Sicherheitsverschluss und Rückhaltesystem aus. Die Kopfstütze lässt sich in der Höhe verstellen. „Zusätzlich ist die seitliche Wand im Kopfbereich etwas nach oben gezogen, sodass ein seitlicher Aufprallschutz besteht. Die komplette Box ist Crashtest-geprüft und als sicher eingestuft worden“, erklärt Schiffner. Auch bei Riese & Müller achtet man bei den Cargo-Modellen auf ein hohes Maß an Sicherheit. Die Kindersitze sind ebenso mit Fünf-Punkt-Gurten versehen, durch den hohen Aufbau ist der Seitenaufprallschutz verbessert. Auch praktisch: Eine mittlere Reling in der Box eines Modells können die Kinder als Haltegriff nutzen. „Wir bieten optional auch noch ein Regenverdeck an, damit die Kinder nicht nass werden. Der Rundum-Schutz ist für uns ein wichtiger Punkt bei der Entwicklung von Cargobikes“, sagt Unternehmenssprecher Jörg Matheis.

Hersteller informiert über Transportoptionen

Für den Transport von Kindern im Kindersitz hat Riese & Müller sogenannte Longtail-Bikes, also Räder mit längerem Gepäckträger, im Angebot. Da der Gepäckträger auf eine höhere Zuladung ausgelegt ist, dürfen darauf bis zu zwei Kinder bis neun Jahren mitgenommen werden. Kinder zwischen ein und sechs Jahren brauchen allerdings einen Kindersitz. Um ein seitliches Herunterfallen zu verhindern, empfiehlt sich der Anbau eines sogenannten Safety-Bar-Kits, das optional erhältlich ist. Die Reling erweitert den Schutz für die Mitfahrenden. „Außerdem haben wir eine Verkleidung für das Hinterrad entwickelt, damit die Füße nicht in die Speichen geraten, und die Räder verfügen über ein Fußbrett zum sicheren Abstellen der Füße“, erklärt Matheis. Zusätzlich zur Betriebsanleitung hat Riese & Müller eine Informationsbroschüre zum Personentransport auf Longtail-Cargobikes entwickelt. „Darin klären wir häufige Fragen zu dem Thema und geben in Grafiken einen Überblick, damit die Nutzer:innen bestens informiert sind“, so Matheis.

Mann fährt mit E-Bike und KinderanhängerFeatures beim Anhänger erhöhen die Sichtbarkeit

Dank eines Überrollschutzes gilt der Kinderanhänger im Falle eines Unfalls mit Überschlag als sehr sicher. „Durch die Rahmenkonstruktion mit Überroll- und Seitenaufprallschutz bieten unsere Croozer-Modelle einen Schutzraum für die Kinder. Ein großflächiger Stoßfänger schützt bei einem Zusammenprall zusätzlich“, erklärt Anne Schmidt von Croozer. Hinzu kommt: Der Sitz im Anhänger ist so positioniert, dass sich die Insassen bei einem Unfall innerhalb des Rahmens befinden. „Zusätzliche Sicherheits-Features wie unsere patentierte Airpad-Federung sowie Reflexstreifen und ein gut sichtbarer Wimpel sind bei uns Standard. Bei unseren Top-Modellen kommt noch ein in den Schiebebügel integriertes Sensorlicht hinzu“, so Schmidt weiter. Die Federung in Kombination mit dem tiefen Schwerpunkt und dem breiten Radstand minimiert die Gefahr eines Umkippens des Anhängers. Durch eine drehbare Kupplungsachse bleibt der Anhänger auch dann stabil stehen, wenn das Fahrrad einmal umfallen sollte. „Sicherheit steht bei uns in der Entwicklung immer an erster Stelle. Deshalb sind wir immer bemüht, mit der Zeit zu gehen und arbeiten bereits an neuen Lösungen und Sicherheits-Features“, erklärt Schmidt. Wer einen Fahrradanhänger nutzt, darf das nicht an jedem Fahrrad tun. An Sporträdern mit Carbonrahmen und Falträdern ist die Nutzung untersagt. Ob das Fahrrad zum Ziehen eines Anhängers freigegeben ist, steht meist in der Betriebsanleitung.

Eltern in Verantwortung nehmen

Um Kinder sicher mit dem Fahrrad mitzunehmen, müssen aber auch die Eltern in die Verantwortung genommen werden. Ein Helm sollte möglichst immer auf dem Kopf des Kindes sitzen. Das erhöht die Sicherheit und gewöhnt das Kind ans Helmtragen. Auch sollten die Kinder immer mit allen Gurten angeschnallt sein. Wichtig ist zudem, die Angaben der Hersteller zum Gesamtgewicht und der Größe der zu transportierenden Kinder zu beachten. Außerdem sollte man mit Kindern an Bord möglichst vorausschauend fahren. Und da sich das Fahrverhalten beim Transport von Kindern stark verändern kann, ist es keine Schande, sondern sehr ratsam, die eine oder andere Übungsrunde zu absolvieren, bevor es in den Verkehr geht.

Thomas Geisler | pressedienst-fahrrad

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