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Welches Schloss wofür?
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Etwa 250.000 Fahrräddiebstähle werden jährlich polizeilich erfasst – vor zehn Jahren waren es fast 100.000 mehr. Denn mit der Anzahl der Räder wuchs auch die Verbreitung guter Schlösser. Welche Schlösser es gibt und wofür sie sich eignen, darüber gibt der pressedienst-fahrrad in dieser Typenkunde einen Überblick.

1. Leichtes Drahtseilschlösschen

Dieses kleinste aller Schlösser verhindert vor allem die schnelle Mitnahme eines Rads – denn Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Da es einen Schnippmechanismus hat, lässt sich damit das Rad auch z. B. im Zug gegen Umfallen sichern. Wenn das Fahrrad selbst durch ein stärkeres Schloss geschützt wird, nützt das Minischloss prima zum Anschließen von Taschen und Helmen oder als „Hüttenschloss“ bei Mountainbike-Touren.
Beispiel: BBB „Minicase BBL-53“, 15,95 Euro

2. Rahmenschloss

Man kennt es vom traditionellen Hollandrad: Für den kurzen Sprung zum Bäcker dreht man den Bügel durchs das Rad und zieht den Schlüssel ab. Vorteil: Das Schloss ist fest am Rad montiert, man kann es also nicht vergessen. Nachteil: Es ist nur eine Wegfahrsperre und hilft nicht gegen Wegtragen – richtig sicher ist das Rad nur, wenn es nicht nur abgeschlossen, sondern auch angeschlossen wird. Dafür gibt es sie auch mit optionaler Anschlusskette oder ‑kabel. (siehe Punkt 7). Das Rahmenschloss erlebt eine Renaissance am Lastenrad, das sich ja meist nicht mal eben wegtragen lässt.

3. Kabel- oder Spiralkabelschloss

Diese Art Schlösser ist die wohl am weitesten verbreitete – und darum auch bei Dieben recht beliebt. Im Inneren haben sie geflochtene Stahldrähte und außen eine Gummihülle. Dem Angriff mit roher Gewalt, etwa einem Bolzenschneider, halten sie nicht lange stand. Darum sind sie eher für günstige Räder, kurze Parkdauer und/oder überwachte Parkplätze zu empfehlen.

Detailaufnahme einer Person, die mit einem Faltschloss das Vorderrad und den Rahmen eines Fahrrads an einem Fahrradständer anschließt.4. Faltschloss

Sehr platzsparend lassen sich diese im Zollstockprinzip aufgebauten Schlösser am Rad unterbringen – z. B. an den für Flaschenhalter gedachten Gewinde-Ösen. Es gibt sie in verschiedenen Qualitäten und Gewichtsklassen, beliebt macht sie vor allem, dass die stabilen Streben sich durch die Gelenke flexibel benutzen lassen. Bei den besseren Faltschlössern finden sich schon die sehr sicheren Scheibenschließzylinder, die nicht gepickt oder mit Schlagschlüsseln geöffnet werden können. Auch hier gilt: Wenn es sicher sein soll, dann wird es schwer.

Eine Frau schließt ein Fahrrad mit einem Schloss an einem Fahrradparker an5. Bügelschloss

Dieses Schloss ist der ungebrochene Klassiker, quasi der Inbegriff des sicheren Schlosses. Am besten hat es statt eines Rundstahlbügels einen aus Vierkantmaterial, so muss man beide Flanken des Bügels zersägen, weil der Bügel sich nicht aus dem Schloss herausdrehen lässt. Tipp: Wählen Sie das Schloss groß genug, damit der Rahmen an ein Straßenschild o. ä. angeschlossen werden kann. Neueste Versionen des Bügelschlosses verwenden eine Wolframcarbid-Legierung, die selbst Trennschleifern Einhalt gebietet.

Ein an einer Wand hängendes Fahrrad ist mit einem Fahrradschloss an einer darunter angebrachten, festen Verankerung gesichert.6. Panzerkabelschloss und Panzerkette

Diese dicksten aller Fahrradschlösser halten auch schwerstem Gerät stand. Panzerkabel bestehen aus vielen kleinen geflochtenen Stahlseilen, die wiederum zu einem dicken Strang geflochten und robust mit Stahlsegmenten gekapselt sind. Panzerketten sind aus extra gehärtetem Stahl, der bis zu 14 Millimeter dick sein kann. Selbst große Bolzenschneider kommen hier kaum durch und auch ein Trennschleifer braucht so lange, dass Diebe eher einen Bogen machen. Einziger Nachteil ist freilich ihr Gewicht.

7. Schlaue Schlaufe

Als cleveres Zubehör zu jeder o. g. Schlossart gibt es diese ummantelten Stahlseilschlaufen in unterschiedlichen Längen. Mit ihnen lassen sich z. B. das Vorderrad, der Sattel oder Taschen schnell mit nur einem Schloss sichern. Aber auch der Kinderanhänger oder ein gesamter Familienausflug vor dem Lokal oder auf dem Autodach sind so gegen Langfinger gesichert.

8. Smarte Schlösser

Immer mehr Schlösser bieten smarte Funktionen. Manche verfügen über ein Alarmsystem, das durch Bewegungssensoren auslöst und das zwischen einem kleinen Rempler am Radständer und einem Diebstahlversuch unterscheiden kann. Andere Schlösser lassen sich per Smartphone-App öffnen und schließen

Blick über die Schulter einer Person, die ein Smartphone mit einer Karten-App vor sich hält.9. GPS-Tracker

Hat das Rad trotz aller Sicherungsvorkehrungen einen unfreiwilligen Besitzerwechsel erlebt, können die immer verbreiteteren Ortungsgeräte helfen. Meist funktionieren sie über GPS-Module und müssen fest am Rad verbaut sein (Stromquelle E‑Bike-Akku), andere funken über proprietäre Netze wie etwa Apples Airtags und müssen aufgeladen werden. In jedem Falle sollte nach Bemerken des Diebstahls eine Anzeige bei der Polizei erstattet und nicht selbst „ermittelt“ werden. Manche Radhersteller oder Versicherungen bieten die Wiederbeschaffung gestohlener Bikes als Service an.

Eine Frau kniet neben einem E-Bike und setzt den Akku in den Rahmen ein.10. Akku-Schlösser und Gruppenschließung

Wenn der Akku eines E‑Bikes entnehmbar ist, dann ist er in aller Regel mit einem Schlüssel gesichert. Mitunter lässt sich das E‑Bike so konfigurieren, dass die Schlösser von Akku, Rahmenschloss und evtl. abschließbaren Fächern an Lastenrädern mit demselben Schlüssel zu bedienen sind. Bei Schlossherstellern lassen sich für manche Zylinder weitere Schlösser und Schlüssel nachordern – so können durchaus ganze Familien- oder Firmenfuhrparke mit denselben Schlüsseln ab- und aufgesperrt werden.

Eine Frau schließt ihr Fahrrad an einem roten Metallzaun an.Weitere Tipps

Natürlich muss man Schlösser passend zum Parkplatz wählen: An belebter Stelle und im Licht steht das Velo besser als dunkel hinterm Haus – dort muss man dem Schloss schon sehr vertrauen. Wartet das Rad den ganzen Tag am Bahnhof, verdient es möglicherweise zwei unterschiedliche Schlösser. Denn erstens haben alle Diebe ein Lieblingsschloss und zweitens nehmen sie sich im Schnitt nur drei Minuten Zeit. Beim Anschließen sollte das Schloss möglichst weit vom Boden entfernt sein, damit dieser nicht als Widerlager für Hebel dienen kann. Gute Anlehn-Parkbügel haben deshalb im oberen Bereich eine Stahl-Öse oder eine Querstange. Wird der Schließzylinder möglichst unzugänglich positioniert, sind Zugang und Sicht erschwert, was das „intelligente Knacken“ der Schließung mit kleinen Werkzeugen verzögert.

H. David Koßmann | pressedienst-fahrrad

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