20-Zoll-Kompaktbike: Mehr als ein Kinderrad
Klein wie ein Faltrad, fahrstabil wie ein Citybike: So kann man mit wenigen Worten die Vorzüge von Kompaktbikes zusammenfassen. Die Räder, die aufgrund ihrer kleinen 20-Zoll-Reifen auf den ersten Blick einem Kinderrad ähneln, werden immer mehr nachgefragt. „Der Trend zum 20-Zoll-Bike hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Obwohl die Räder auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich aussehen, haben sie viele Vorteile, für die sich immer mehr Menschen begeistern“, sagt Till Kaletsch, Marketingmanager beim Hersteller I:sy. Das Kölner Unternehmen ist auf E‑Kompaktbikes spezialisiert und bietet ein breites Angebot an unterschiedlichen Modellen vom Carbon-Flitzer bis zum Lastenrad. Von den Vorteilen ist auch Thomas Bernds, Entwickler beim gleichnamigen Fahrradhersteller, überzeugt. Als er Anfang der 1990er-Jahre seine ersten Räder baute, war ihm schnell klar, dass ausschließlich 20-Zoll-Räder zum Einsatz kommen. „Es gibt keine Vorgabe, dass ein Fahrrad 28-Zoll-Räder braucht. 20-Zöller bieten unschlagbare Vorteile und sind den größeren Laufrädern in vielen Bereichen überlegen“, so Bernds.
Wendig, schnell und leicht
Im Stadtverkehr punkten die Räder durch ihre Wendigkeit und gute Beschleunigung. Außerdem sind das Auf- und Absteigen sowie das Anfahren einfacher, weil der Schwerpunkt tiefer liegt und man nicht so sehr die Bewegungen des Rades ausbalancieren muss. Aber: Bei schlechten Straßen, z. B. Kopfsteinpflaster, haben größere Reifen ein komfortableres Überrollverhalten. „Wir kompensieren das, indem wir möglichst breite Reifen verbauen, die mit weniger Luftdruck gefahren werden. So werden Stöße besser absorbiert und der Fahrkomfort sichergestellt“, sagt Kaletsch. Zudem stellt er fest, dass die Kompaktbikes in den meisten Fällen mit einem Riemenantrieb ausgestattet sind. „Der Riemenantrieb ist wartungsarm und sauber. Wenn man das Bike über ein paar Stufen tragen muss, ist man im Anschluss nicht dreckverschmiert. Das unterstreicht die Alltagstauglichkeit der Räder“, weiß Kaletsch.
Faltbar oder nicht?
Kompaktbikes eignen sich zudem für einen einfachen Transport im Öffentlichen Nahverkehr oder mit dem Pkw. Dabei bleibt allerdings die Grundsatzfrage, ob die Räder faltbar sein sollen oder nicht. Bernds bietet alle seine Räder mit Faltgelenken an Rahmen und Lenker an, sodass sich die Räder noch kompakter zusammenklappen lassen. Auch beispielsweise bei Victoria setzt man bei den Modellen der „Fylgran“-Serie auf die Möglichkeit, das Rad zu falten. I:sy oder Riese & Müller beim Modell „Tinker“ verzichten auf die Option. Das soll einen stabileren Aufbau und noch mehr Laufruhe ermöglichen. Allerdings lässt sich der Lenker dank eines speziellen Vorbaus einfach verdrehen. „In Kombination mit den kleinen Reifen ermöglicht das ein einfaches und platzsparendes Abstellen im Hausflur oder der Wohnung“, erläutert Till Kaletsch.
Für wen kommen die Räder infrage?
Die Zielgruppe für Kompaktbikes ist äußerst heterogen. Senior:innen oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen können von den Rädern profitieren. Der Rahmen ermöglicht eine aufrechte Sitzposition für einen guten Überblick. Und der Punkt des einfachen Aufsteigens kommt solchen Personen entgegen. „Eine weitere Zielgruppe sind Familien, die einen Kinder- oder Lastenanhänger am Rad befestigen, aber wenig Platz zum Abstellen haben“, sagt Anne Schmidt vom Anhängerhersteller Croozer. Wie die Räder lassen sich auch die Anhänger kompakt zusammenfalten und benötigten dadurch wenig Raum. „Unser neues Modell Lykke kann man vertikal auf kompakte 40 Zentimeter Breite zusammenfalten und das sogar ohne Abnehmen der Laufräder. So passt das komplette Gespann aus Kompaktbike und Anhänger in den Hausflur“, erläutert Schmidt. Aber auch für den Urlaub sind Kompaktbikes interessant: Die Räder passen in die Heckgarage eines Wohnmobils und sind so ideale Begleiter, um vor Ort mobil zu sein. Eine weitere Zielgruppe sind Haushalte, z. B. WGs, die sich ein gemeinsames Rad teilen. Die Rahmen von Kompaktbikes sind unisex und lassen sich auf Personen mit Körpermaßen von ca. 1,60 bis 1,90 Meter leicht einstellen. So kann ein Rad einfach von mehreren Personen genutzt werden.
Vorurteile einfach beseitigen
Mit einem Vorurteil hat Fahrradtüftler Bernds aber seit Jahren zu kämpfen: „Immer wieder kommt die Frage, ob man mit den kleinen Laufrädern mehr strampeln müsse. Das kann man aber schnell entkräften.“ Der kleinere Umfang der Räder wird laut Bernds durch ein entsprechend größeres Kettenblatt ausgeglichen. „Entscheidend für ein wirkungsvolles Vorankommen ist nicht die Laufradgröße, sondern die sogenannte Entfaltung. Das ist die Wegstrecke in Metern, die ein Radfahrender mit einer Umdrehung der Pedalkurbel zurücklegt. Mit einem entsprechend übersetzten 20-Zoll-Rad tritt man bei gleicher Geschwindigkeit identisch wie mit einem 28-Zoll-Rad“, erklärt Bernds.










































