Der Kinderanhänger: ein Alltagsbegleiter für Familien über viele Jahre
Seit Anfang der 1990er-Jahre sind Fahrradkinderanhänger auf deutschen Straßen zu sehen – und seitdem ist das Ziehen des Anhängers eine einfache Fitnessübung für junge Eltern. Mit einem Anhänger an herkömmliche Fahrräder angekuppelt, kommt man nicht nur auf hügeligen Strecken schnell ins Schwitzen. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich vor knapp sieben Jahren die ersten Fahrten mit zwei Kindern im Anhänger, aber ohne Motor am Fahrrad unternommen hatte. Die Fahrt in den Kindergarten wurde zum schweißtreibenden Morgensport, der allerdings den Kreislauf in Schwung brachte. Mittlerweile nutzen die meisten Eltern die bequeme Motorunterstützung eines E‑Bikes, wenn sie mit einem Kinderanhänger unterwegs sind. Diese nimmt die Angst vor dem Zusatzgewicht und man kommt auch weniger verschwitzt bei der Arbeit an. Der Fortschritt sei den Eltern gegönnt. Spätestens als die Insassinnen an Gewicht zulegten, dachte auch ich über die Anschaffung eines motorisierten Rades nach – das dann allerdings meine Frau bekam.
Trailer-Sharing für Eltern
Wir konnten nämlich nach dem Ende ihrer Elternzeit einen großen Vorteil eines Kinderanhängers nutzen: Ich brachte früh die Kinder auf dem Arbeitsweg in die Kita, sie holte sie nachmittags nach ihrer Arbeit wieder ab. Der Kinderanhänger blieb in der Zwischenzeit gut gesichert an der Kita stehen. Den Luxus des „Trailer-Sharings“ können sich im Alltag sicherlich nicht alle Eltern leisten, aber in unserem Fall hat das Marketing-Versprechen sehr gut funktioniert und sich positiv auf unseren Alltag ausgewirkt, da jedes Elternteil tägliche Radzeit mit den Kindern verbringen konnte. Und wir sprechen hier wirklich von täglich. Egal bei welchem Wetter, wir waren hartgesotten mit dem Anhänger unterwegs. Die Kinder lernten dadurch bereits früh den Unterschied zwischen wasserfest und wasserdicht kennen, wenn trotz verschlossenen Verdecks während eines Starkregengusses der ein oder andere Tropfen seinen Weg in den Innenraum fand.
Kälte, Schneematsch, Glatteis – egal
Oder als wir bei minus 20 Grad Celsius und verschneiten Straßen zu einer Karnevals-Feier mit Freund:innen fuhren. Die Kinder waren in Schneeausrüstung eingepackt und konnten sich zusätzlich in warme Decken einmummeln. Ich hingegen war völlig durchgeschwitzt, da sich immer wieder Schneematsch zwischen Reifen und Schutzblech verfing und das Treten erschwerte. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Der schneereiche Winter 2021 war in dieser Hinsicht – und wegen den Corona-Einschränkungen – allerdings Ausnahme. (Anmerkung: Unser Auto war damals so tief eingeschneit, dass der Anhänger die einzige Mobilitätsoption darstellte.) Weit öfter hatten wir im Winter hingegen mit morgendlichem Glatteis zu kämpfen – was einmal auch zu einem Sturz führte. Doch während das Zugfahrzeug defekt am Boden lag, der Fahrer, also ich, glücklicherweise unverletzt abspringen konnte, stand der Anhänger mit der wertvollen Fracht, als wäre nichts geschehen. Diese Kippstabilität dank eines tiefen Schwerpunktes ist einer der Hauptpunkte, die ich an einem Anhänger in den letzten Jahren zu schätzen gelernt habe.
Zusammenklappen und ab in den Urlaub
Auch habe ich festgestellt, wie einfach ein (Rad-)Urlaub ist, wenn die Kinder noch im Anhängeralter sind. Der Anhänger passte bei uns optimal in den Kofferraum und bot dort wiederum einen Stauraum für weiteres Gepäck, wie Windeln, Kinderspiele und Ähnliches. Unsere Räder haben wir hinten auf einen Radträger gepackt. So ging es einfach und unkompliziert ins Elsass, an die Nordsee, nach Dänemark oder zu Wochenendausflügen. Vor Ort kann man den Anhänger dann wiederum praktisch als Kinderwagen nutzen und Sightseeing in Städten betreiben, während das Fahrrad sicher parkt.
Das angehängte, kleine Reich
Gerade auf Reisen haben unsere Kinder schnell gelernt, den Anhänger als „ihr Reich“ zu nutzen. Snacks, Bücher, Getränke und sogar eine Tonie-Box fanden dort Platz und vertrieben aufkommende Langeweile, wenn die Tour doch nicht so spannend war. Auch ein Schläfchen hin und wieder war keine Seltenheit und problemlos möglich. Dank eines speziellen Hängematteneinsatzes konnte die Kleine bereits mit wenigen Monaten mitfahren, was den kindlichen Mittagsschlaf an den Wochenenden oder während der Corona-Lockdowns oft auch während einer Fahrradtour möglich machte. Spannend ist im Rückblick zu sehen, wie der Anhänger sich dank seiner Multifunktionalität dem Familienalltag immer wieder neu anpasste. Ein optionales Jogger-Set beispielsweise war für einen längeren Zeitraum gefragt. Bei meinem Lauftraining im Wald saß die Kleine im Anhänger, die Große begleitete mich auf dem Laufrad. Wenn sie nicht mehr konnte, einfach einsteigen lassen, das Laufrad in den großen Kofferraum packen und nach Hause joggen.
Abstellen – gar nicht so einfach
Doch trotz aller Euphorie rund um unseren Anhänger stießen wir doch auf ein leider auch alltägliches Problem: Aufgrund eines engen Treppenhauses in unserer früheren Mietwohnung durften wir den Anhänger nicht im Haus abstellen. Trotz dem praktischen Zubehör aus dem Hause Croozer, wie einer Faltgarage, hatte das Parken außerhalb doch einige kleinere Defekte zur Folge: von Rostflecken an den Metallteilen bis hin zu Mäuseverbiss an den Gurten. Doch die technische Entwicklung geht stetig weiter: So gibt es mittlerweile vom Anhängerspezialisten Croozer mit dem „Lykke“ eine einfach mit wenigen Handgriffen zusammenfaltbare Anhängerlösung. Das Konzept wurde bereits mehrfach prämiert und bietet gerade für Familien mit wenig Abstellfläche eine großartige Verstaumöglichkeit. Eine Lösung, die sicherlich viele Familien zu schätzen wissen.
Anhänger in Rente? Niemals!
Und bei uns? Im letzten Jahr ist meine kleine Tochter dem Anhänger entwachsen. Deshalb das wertgeschätzte Transportmittel weggeben? Wir sind doch nicht verrückt! Wir wohnen mittlerweile auf dem Land mit Haus und Garage, in letzterer steht der Anhänger zusammengefaltet in der Ecke. Er wird zwar nicht mehr täglich genutzt, aber hin und wieder kommt er auf seine alten Tage doch noch zum Einsatz. Sei es zum Einkaufen, um Sachen ins Schwimmbad zu transportieren, große Sporttaschen mitzunehmen oder als Teamfahrzeug bei diversen Radausflügen mit großen Kindergruppen: Unserem Anhänger wird nicht langweilig.
Autor: Thomas Geisler







