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Rennrad-Event mit inklusivem Anspruch

Die Mecklenburger Seen-Runde ist ein „Jedermann“-Radrennen, bei dem wirklich alle willkommen sind. Mit Jan Wiedemann hat das Rennen sogar einen Inklusionsbotschafter, der Menschen mit Behinderung zum Radfahren animieren will. Der pressedienst-fahrrad hat ihn zum Gespräch getroffen.
Die Bildunterschrift wird in Bälde eingefügt. Sie können uns aber gern auch per E-Mail oder Telefon kontaktieren, wir helfen gerne weiter.https://www.pd-f.deImpressum/Imprint: DRAIS GmbH, pressedienst-fahrrad, Ortelsburger Str. 7, 37083 Göttingen, Germany, T: +49(0)551/9003377-0, info@pd-f.de, www.pd-f.deQuelle/Source: „www.mecklenburger-seen-runde.de | pd-f“
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Stand: April 2026

Zur Person

Jan Wiedemann erlitt bei einem schweren Motorradunfall 1999 eine sogenannte Plexusparese. Seitdem kann er seinen linken Arm nicht mehr bewegen. Obwohl er alles mit nur einer Hand macht, hat er das Radfahren für sich entdeckt. Trotz der Beeinträchtigung ist er mittlerweile ein erfahrener Paracycling-Athlet. Sein Rennrad ist eine Spezialanfertigung. Die Funkschaltung funktioniert mit einem zusätzlichen Taster am rechten Schalthebel und die hydraulischen Scheibenbremsen lassen sich über einen Verteiler mit einem Hebel ansteuern. So kann er sein Rad mit nur der rechten Hand bedienen. Die Mecklenburger Seen-Runde gehört zu seinen Lieblingsstrecken. Vor ein paar Jahren hatte er die Idee, sich stärker für das Rad-Event zu engagieren und schuf mit MSR-Initiator Detlef Koepke den Job des Inklusionsbotschafters. Wiedemann will ein Vorbild sein und zeigen: Alles ist möglich.

„Be Bold!“, auf Deutsch „Sei mutig!“, lautet das Motto des Paracycling-Athleten Jan Wiedemann. Mit seinem Slogan möchte er andere Menschen animieren, sich Herausforderungen zu stellen. „Wenn jemand eine Beeinträchtigung hat und Rad fahren will, dann soll er das auch tun“, sagt Wiedemann. Er sieht sich dabei in einer Vorbildrolle. Seit einem Motorradunfall 1999 kann er aufgrund einer Plexusparese seinen linken Arm nicht mehr bewegen. Rund zehn Jahre nach seinem Unfall begann er mit Radfahren. „Radfahren hilft mir mit meiner Depression. Mittlerweile ist es für mich essenziell“, sagt der 53-Jährige. Schon knapp nach dem Start der Radfahrkarriere wurde ihm klar, dass er an Rennradmarathons und Langstreckenrennen teilnehmen will. „Die Langstrecke liegt mir, das ist meine Disziplin“, so Wiedemann. 2014 erhielt er das Angebot, zur Para-Nationalmannschaft zu wechseln. Aber Wiedemann lehnte ab und entschied sich, weiter im Breitensport aktiv zu sein. „Wegen der Gemeinschaft und des Zusammenhalts“, wie er heute sagt. Er möchte durch seine Teilnahme an Radrennen viel lieber zeigen, dass Menschen mit Behinderung genauso leistungsfähig sein können wie Menschen ohne. „Es muss einfach mehr ein Miteinander und nicht ein Nebeneinander sein“, so Wiedemann, der deshalb einen Zusammenschluss von Olympischen Spielen und Paralympics befürwortet.

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Ein Jedermann-Rennen für wirklich alle

Als eines seiner Lieblingsrennen hat sich schnell die Mecklenburger Seen-Runde herauskristallisiert, die jährlich am letzten Wochenende im Mai stattfindet. Eine 300 Kilometer lange Schleife muss dabei innerhalb eines Tages geschafft werden. Bei einem Rennstart kam Wiedemann die Idee, dass er mehr sein möchte als ein normaler Teilnehmer. „Jan kam von sich aus auf uns zu und wollte sich engagieren. Er hat eine Botschaft und möchte Menschen mit Einschränkung auch zum Sport animieren und ihnen eine Teilnahme ermöglichen. Das hat uns gefallen. Im Ergebnis haben wir jetzt einen Inklusionsbotschafter“, erinnert sich Detlef Koepke, Initiator der Mecklenburger Seen-Runde. Die MSR, wie das Rad-Event genannt wird, war seit ihrem Beginn 2013 als eines von wenigen Langstrecken-Radrennen auch für Menschen mit Behinderung offen. Vorteil der MSR: Die Strecke ist zwar lang, vergleichsweise aber sehr flach und die Anstiege, die es gibt, sind kurz. „Wir wollten ein Jedermann-Rennen machen, das auch für jeden möglich sein soll“, sagt Koepke.

Koepke weiß allerdings auch, dass es für das Organisationsteam mehr Arbeit bedeutet, auf die einzelnen Bedürfnisse der Para-Athlet:innen einzugehen. Sei es bei der Organisation geeigneter Unterkünfte bis hin zum Aufstellen von Sanitäranlagen für Menschen mit Behinderung entlang der Strecke. „Wir wollen den Menschen mit Behinderung zeigen: Wir wollen euch als Teilnehmende! Ihr kriegt für eure Bedürfnisse die persönliche Aufmerksamkeit – und wir machen das aus Überzeugung“, so Koepke. Für den Initiator ist deshalb wichtig, dass Menschen mit Behinderung auch im regulären Teilnehmendenfeld mitfahren: „Ein Startblock für Menschen mit Behinderung ist keine Option.  Wir wollen alle Menschen als Teil des normalen Feldes.“ Und Jan Wiedemann ergänzt: „Bei der MSR zählt nicht die Zeit, sondern das Erlebnis. Dieser Spirit zeichnet das Rad-Event aus.“

Die Bildunterschrift wird in Bälde eingefügt. Sie können uns aber gern auch per E-Mail oder Telefon kontaktieren, wir helfen gerne weiter.https://www.pd-f.deImpressum/Imprint: DRAIS GmbH, pressedienst-fahrrad, Ortelsburger Str. 7, 37083 Göttingen, Germany, T: +49(0)551/9003377-0, info@pd-f.de, www.pd-f.deQuelle/Source: „www.pd-f.de | Jan Wiedemann“
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Digitale Plattform und Austausch vor Ort

Wiedemann in seiner Rolle als Inklusionsbotschafter steht sinnbildlich für das Erlebnis. Mittlerweile gibt es für ihn bei der MSR ein kleines Zelt, in dem er vor dem Rennen für persönliche, technische und lebenspraktische Fragen zur Verfügung steht. Denn obwohl er dem Radfahren viel zu verdanken hat, hat Wiedemann selbst erlebt, dass es Rückschläge geben kann: 2019 verunglückte er mit dem Rad schwer, was weitere Verletzungen zur Folge hatte. Auch hat er mit Long Covid zu kämpfen. Das Radfahren aufzugeben, ist für ihn trotzdem keine Option, denn daraus gewinnt er Motivation. Wiedemann organisiert im Namen der MSR eine digitale Trainings-Community auf der Online-Plattform Zwift, die sich zu gemeinsamen virtuellen Ausfahrten trifft und fast 1.500 Mitglieder zählt. „Diese Menschen trifft man dann bei der MSR wieder. Es ist natürlich etwas Besonderes, dann vor Ort auch gemeinsam zu fahren. Ich freue mich immer, mit unterschiedlichen Menschen Teile der Strecke zu absolvieren und ins Gespräch zu kommen“, so Wiedemann. Er weiß allerdings auch: Mittlerweile kennt er so viele Teilnehmende, dass ein Wochenende MSR nicht mehr ausreicht, um sich mit allen auszutauschen. 

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