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Die Mobilitätswende endet nicht im September
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Donnerstag, 28. September 2023

Radfahren ist schön – und zwar nicht nur im Sommer. Für eine erfolgreiche Mobilitätswende muss Radfahren zum Ganzjahresvergnügen werden. Die Winter sind in vielen Regionen mittlerweile so mild, dass man Fahrräder und E‑Bikes nicht mehr einlagern muss, sondern mit ein paar kleinen Anpassungen durchfahren kann. Die Fahrradbranche bietet viele passende Produkte, um die Räder und ihre Fahrer:innen sicher und komfortabel durch die Wintermonate zu bringen. Der pressedienst-fahrrad zeigt ausgewählte Beispiele für den Ganzjahres-Fahrradspaß.

Pflegemittel auf FahrradketteMatsch, Feuchtigkeit und insbesondere Streusalz stellen für Fahrräder und E‑Bikes ein großes Problem dar. Die offenliegenden Schaltungskomponenten einer Kettenschaltung können im Winter schnell in Mitleidenschaft gezogen werden. Abhilfe schafft regelmäßige Pflege, bei Schnee und Matsch am besten nach jeder Fahrt. Mittlerweile gibt es auch Pflegemittel wie das „Chain Lube Wet“ von Motul, die auf die Anforderungen bei feuchten Bedingungen ausgelegt sind. „Das Mittel bietet eine hohe Kriechfähigkeit und Beständigkeit gegen Wasser und Rost. Es ist dabei sogar biologisch abbaubar und schont die Umwelt“, sagt Martin Buchta vom Motul-Importeur Messingschlager. Zusätzlich kann es sich lohnen, noch vor dem Winter die alte Kette gegen eine hochwertige mit Anti-Rost-Beschichtung zu tauschen, wie sie beispielsweise KMC im Angebot hat. „Das ist zwar eine kleine Investition, rechnet sich aber mit der Zeit, da die Ketten wesentlich länger halten“, sagt Buchta.

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Räder werden wartungsärmer

Wartungsärmer als Kettenschaltungen sind Fahrräder und E‑Bikes mit Getriebeschaltung. Der deutsche Hersteller Pinion bietet bereits seit Jahren Zentralgetriebe an, bei denen die Schaltungskomponenten zentral an der Kurbel und kompakt in einem Gehäuse verbaut sind. „Es gibt keine offenliegenden Antriebskomponenten mehr. Das System ist in sich geschlossen und deshalb sehr resistent gegen äußere Einflüsse – gerade im Winter bei nasser Witterung ein immenser Vorteil“, sagt Dirk Menze von Pinion. Aufgrund der zentralen Position konnte die Schaltung bislang nur an E‑Bikes mit Hinterradnabenmotor verbaut werden – auf der Eurobike im Juli 2023 wurde eine weitere Entwicklungsstufe vorgestellt. Mit der „Motor.Gearbox.Unit“, kurz MGU, bietet Pinion ein neues E‑Bike-Antriebssystem, bei dem die Schaltungskomponenten und der Motor zusammen in der zentralen Einheit verbaut sind. Erste Räder sind ab Herbst 2023 erhältlich. „Das System ist extrem zuverlässig und läuft bis 10.000 Kilometer wartungsfrei. Eine Vereinfachung bei Reinigung und Wartung – gerade wenn ein Carbonriemen mit verbaut ist“, so Menze. Riemenantriebe rosten nicht und brauchen keinerlei Schmiermittel. Sie sind zudem bis zu dreimal langlebiger als Fahrradketten und übertragen die höheren Kräfte eines E‑Bike-Motors besser. Das hat dazu beigetragen, dass der Riemenantrieb immer mehr Fans gefunden hat und mittlerweile an vielen E‑Bikes und Fahrrädern verbaut ist – gerade für Ganzjahresfahrer:innen spielt sich der Vorteil voll aus.

Guter Grip auf Eis und Schnee

Ein wesentlicher Punkt für sicheres Vorankommen in Herbst und Winter ist die passende Bereifung. Winterreifen mit Spikes sind auf vereisten Wegen eine sichere Lösung. Anders als bei Autos dürfen Fahrräder und E‑Bikes damit bestückt sein. Einzig S‑Pedelecs sind ausgenommen, da sie als Kleinkrafträder zählen. „Kleine Metallstifte im Reifenprofil verbessern den Grip auf Eis und Schnee und verhindern ein Wegrutschen des Rades“, erklärt Steffen Jüngst von Schwalbe das Prinzip. Doch mittlerweile sind die Tage mit vereisten Pisten in vielen Regionen eher eine Seltenheit. Schwalbe hat deshalb mit der „365“-Serie Reifen im Programm, die durch ihr Profil und ihre Gummimischung das ganze Jahr gefahren werden können. „Die Reifen behalten ihre griffigen Eigenschaften auch bei niedrigsten Temperaturen von bis zu – 20 Grad° Celsius, unsere 365er für Tour-/Cityfahrräder, SUV und E‑Bikes sogar auch auf einer leichten Schneedecke. Das ist in den meisten Regionen in Deutschland ausreichend“, sagt Jüngst. Die Reifen gibt es auch in der Größe 20 Zoll, was gerade für Cargobikes mit kleineren Vorderrädern interessant ist und für sicheres Vorankommen sorgt.

Wetterschutz für Anhänger und Lastenrad

Da Transporträder mehr und mehr zu einem zentralen Faktor der Mobilitätswende werden, steht das Thema Allwettertauglichkeit hier besonders im Fokus. Für den sicheren Kindertransport gibt es beispielsweise wasserfeste Verdecke mit Fenstern, für den Transport von Gütern wasserdichte Boxen und Aufbauten. Eine beliebte Alternative zum Lastenrad sind Fahrradanhänger. Da das Hauptmaterial des Anhängers wasserabweisend ist, ist der Nachwuchs im Anhänger vor schlechtem Wetter geschützt – im Gegensatz zum Kindersitz. Und man kann zusätzlich eine Decke mitnehmen, falls es doch kalt werden sollte. Spezialisten wie das Unternehmen Croozer bieten zusätzlich umfangreiches Zubehör, wie eine leicht zu reinigende Fußraum-Schutzwanne, damit der Innenraum weniger verschmutzt.

Ein Schutzblech zur Montage an der Gabel eines Fahrrades.Funktionelle Accessoires für das Rad

Viele clevere Kleinigkeiten erleichtern das Radfahren im Winter, indem sie zum Beispiel Schmutz von Rad, Fahrer:in und Insassen fernhalten. Die Auswahl an Radschützern (vulgo: Schutzblechen) zum Nachrüsten für Rennrad, Gravel- und Mountainbikes ist groß und ermglicht, dass die sportlichen Räder beim Alltagspendeln im Winter ebenfalls genutzt werden können. Aber auch an City- und Trekkingrädern kann es im Winter Sinn machen, neue Schutzbleche zu verbauen. „Je nasser es auf der Fahrbahn wird, desto mehr Wasser wird beim Fahren aufgewirbelt. Kurze Schutzbleche können gerade bei Starkregen schnell an ihre Grenzen kommen, während längere einen größeren Rundumschutz vor Spritzwasser bieten“, sagt Linda Schulte vom Hersteller SKS Germany. Das Unternehmen aus dem Sauerland bietet diverse Radschützer an und kann so für jeden Fahrradtyp eine individuelle Lösung bieten. Auf Radaccessoires hat sich Fahrer Berlin spezialisiert. So gibt es z. B. unterschiedliche Schutzblechverlängerungen für Fahrräder und E‑Bikes. „Bei der Version für E‑Bikes ist das Material verstärkt, damit es auch bei höheren Geschwindigkeiten und Gegenwind formstabil bleibt und einen guten Schutz bietet“, beschreibt Geschäftsführer Philipp Elsner-Krause. Für das Abstellen bietet das Unternehmen auch Sattel- und Lenkerüberzüge an, damit die Radfahrenden mit trockenen Händen und Gesäß wieder losfahren können.

Sicherheit durch Sichtbarkeit

Trocken ist auch das Stichwort beim Gepäck. Sei es zum Transport von Laptop, Wechselbekleidung oder Einkäufen – wasserdichte Fahrradtaschen sind gerade in der nasskalten Jahreszeit ein Muss. „Neben der hundertprozentigen Wasserdichtigkeit unserer Taschen bieten wir auch noch zusätzliche Features bei einigen Modellen an. Beispielsweise kommt bei den Taschen und Rucksäcken der High-visibility-Serie ein Reflexgarn zum Einsatz, das die Sichtbarkeit der Radfahrenden zusätzlich erhöht“, so Peter Wöstmann von Ortlieb. Ein weiterer wichtiger Punkt für mehr Sicherheit für Radfahrende im Winter ist die Beleuchtung. In den letzten Jahren hat sich das Angebot an heller, guter Fahrradbeleuchtung aufgrund von verschiedenen technischen und gesetzlichen Entwicklungen stetig weiter verbessert. Tagfahrlicht ist mittlerweile etabliert und sorgt für bessere Sichtbarkeit nicht nur in den Morgen- und Abendstunden. „Fernlicht gehört bei vielen E‑Bikes Ein Mann fährt in der Dämmerung mit dem Fahrrad auf einer Straße. Sehr deutlich zu sehen ist der leuchtende Frontscheinwerfer.mittlerweile zur Grundausstattung. Dadurch können die Nutzer:innen auf unbeleuchteten Wegen abseits von Ortschaften Hindernisse wie Schlaglöcher deutlich früher und besser erkennen. Das sorgt wiederum für mehr Sicherheit“, sagt Sebastian Feßen-Fallsehr vom Lichthersteller Busch & Müller. Der Hersteller aus Meinerzhagen hat zudem ein Kurvenlicht entwickelt, das ähnlich wie beim Auto die Ausleuchtung im Kurvenbereich verbessert. Wichtig bei allen Scheinwerfern ist die korrekte Einstellung, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird. Gerade bei modernen, hellen Scheinwerfern ist das ein wichtiger Punkt für ein respektvolles Miteinander im Straßenverkehr. „In Deutschland hat jeder Scheinwerfer dafür die Hell-Dunkel-Grenze. Diese muss auf der Fahrbahn sichtbar sein, dann blendet man nicht, kann aber sehr gut sehen“, erklärt Feßen-Fallsehr.

Zwiebellook zum Trockenbleiben

Bleibt zum Abschluss noch der Körper: Einfach eine möglichst dicke Winterjacke und einen warmen Pullover anzuziehen, hält zwar warm, ist aber nicht optimal. „Beim Radfahren im Winter erwärmt sich der Körper nach wenigen Minuten und man fängt an zu schwitzen. Deshalb schützt eine gut abgestimmte Schichtkleidung besser als eine dicke Jacke“, erklärt Benedikt Tröster vom Bekleidungsanbieter Vaude. Er rät zum sogenannten Zwiebelprinzip. Die Unterwäsche als erste Schicht dient dem Feuchtigkeitstransport. Die zweite Schicht ist die Isolationsschicht, die den Schweiß nach außen transportieren soll. Der Schweißabtransport ist eine wichtige Aufgabe der Textilien, da nasse Kleidung schnell zu Unterkühlung führen kann. Als dritte Schicht kommt eine Schutzschicht gegen Wind und Wetter zum Einsatz. „Winterliche Radbekleidung ist nicht nur wasserabweisend, sondern auch winddicht und atmungsaktiv – und am besten nachhaltig hergestellt“, so Tröster. Für ganz kalte Tage bietet das US-Unternehmen 45Nrth zusätzlich Winterbekleidung an, die Radfahrende auch bei Minusgraden ordentlich warmhält. Absolut sinnvoll sind Handschuhe sowie bei Bedarf Überschuhe, da man gerade an Händen und Füßen besonders schnell friert.

Bei den meist reflektierenden Helmüberzügen, zu guter Letzt, ist individuell abzuwägen, wie sinnvoll die Produkte wirklich sind. Sie schützen vor Nässe von oben, können aber zusätzliche Features an Helmen, wie ein Rücklicht, verdecken. Außerdem wirken sie sich negativ auf den Tragekomfort aus, weil sie das Belüftungskonzept beeinträchtigten und man deshalb stärker schwitzt. Besser ist es, eine wasserabweisende, atmungsaktive Mütze unter den Helm zu ziehen. Sie hält den Kopf warm – und viele Helme sind heute eh mit Reflexflächen versehen, bieten also allein auch viel Sichtbarkeit.

Thomas Geisler | pressedienst-fahrrad

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