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Radfahren in den Niederlanden: Kultur und Entschleunigung im Nationalpark De Hoge Veluwe

Im niederländischen Nationalpark De Hoge Veluwe treffen malerische Naturkulissen auf kulturelle Highlights. pd-f-Redakteurin Annette Feldmann hat die Region mit einem der berühmten „witte fiets" (weiße Fahrräder) erkundet.
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Stand: Juni 2026

De Hoge Veluwe: Heide, Sand, Kiefern und weiße Räder

Die Veluwe (sprich: „felü‑e“) ist das größte zusammenhängende Wald- und Naturgebiet der Niederlande. Sie liegt in der Provinz Gelderland, nördlich von Arnheim. Der Name stammt aus dem Altgermanischen und bedeutet etwa „fahl“ oder „brachliegend“. Mitten in der Region liegt der rund 5.400 Hektar große Nationalpark De Hoge Veluwe. Heideflächen, Kiefernwälder, Wanderdünen und offene Sandflächen prägen die Landschaft. Hier leben unter anderem Rothirsche, Wildschweine und Mufflons. Für Besucher:innen gibt es mehr als 160 Kilometer Wanderwege und rund 40 Kilometer Radwege.

Ein Wahrzeichen des Parks sind die weißen Fahrräder. Sie blicken auf eine besondere Geschichte zurück. Ihren Ursprung hat die Idee in den 1960er Jahren in Amsterdam: Dort entstand mit Provo eine anarchistische Bewegung, die durch gewaltfreie Aktionen provozierte und gesellschaftliche Veränderungen anstieß. Zu ihren Forderungen gehörte der sogenannte „Weiße Fahrradplan“. Die Amsterdamer Innenstadt sollte autofrei werden, weiß lackierte Fahrräder sollten allen kostenlos zur Verfügung stehen.

In Amsterdam wurde der Plan zwar nie verwirklicht, doch der Nationalpark griff die Idee auf. Mitte der 1970er-Jahre kamen die ersten weiß gestrichenen Fahrräder in den Park. Heute stehen rund 2.000 von ihnen bereit – an allen Eingängen sowie an weiteren zentralen Punkten im Gelände, etwa beim Kröller-Müller-Museum.

Picknick im Skulpturengarten

Das Kröller-Müller-Museum ist der ideale Ort für einen kulturellen Zwischenstopp. Mitten im Nationalpark, von hohen Bäumen umgeben, strahlt es große Ruhe aus. Hier befindet sich die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt und nicht nur deshalb lohnt sich der Besuch unbedingt. Zum Museum gehört auch der große Skulpturenpark, der zu jeder Jahreszeit geöffnet ist – Picknicken und Spielen im 25 Hektar großen Garten sind ausdrücklich erlaubt.

Wer mehr Kultur tanken möchte, radelt vier Kilometer weiter zum Jachthuis Sint Hubertus. Die Gründer:innen des Museums und des Parks, das Ehepaar Helene und Anton Kröller-Müller, ließen sich Anfang des 20. Jahrhunderts vom damaligen niederländischen Star-Architekten Hendrik Petrus Berlage dieses Jagd- und Gästeschlösschen bauen. Auch heute dient Sint Hubertus als Gästehaus – Staatsgäste und ‑gästinnen übernachten hier ab und zu. Besonders stolz ist man darauf, dass einst Barack Obama hier geschlummert hat. 

Von der einzigartigen Landschaft dürfte der ehemalige US-Präsident wenig mitbekommen haben. Unverzeihlich, denn der Nationalpark ist so wunderschön und lässt sich gerade mit dem Fahrrad bestens er-fahren. Es ist übrigens völlig wurscht, welche Richtung man einschlägt. In jede Blickrichtung tun sich instagramreife Aussichten auf: riesige helle Sanddünen, knorrige Kiefern, die sich wild gegen den Himmel abzeichnen, plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein Denkmal auf, dann passiert man schattige Schotterabschnitte, immer wieder stehen Picknickbänke am Wegesrand, ein anderes Mal steigt man ab, weil man an einer der zahlreichen Wildbeobachtungsposten schauen möchte, ob sich Hirsch und Co. dort zufällig tummeln.

Und irgendwann merkt man: Man ist hier nicht einfach durch einen Nationalpark geradelt, sondern durch eine ganze Landschaftserzählung aus Kunst, Natur und Geschichte. Wer danach noch nicht genug vom Radfahren hat, findet rund um De Hoge Veluwe reichlich Anschlusskilometer. In Richtung Norden lockt die alte Hansestadt Harderwijk am Veluwemeer mit Hafen, Gassen und Fischbrötchenpause; südwestlich von Apeldoorn lässt sich Paleis Het Loo erradeln, die frühere Sommerresidenz des niederländischen Königshauses. So wird aus einer Runde auf weißen Fahrrädern schnell ein ganzes Veluwe-Tour-Wochenende.

Der Nationalpark

Der Parkeintritt kostet 13,85 Euro (Erwachsene) bzw. 6,95 Euro (Kinder zwischen sechs und 13 Jahren). Fun fact: Pferde brauchen auch eine Eintrittskarte (4,90 Euro). Mit dem eigenen Rad bzw. den weißen Rädern ist man im Nationalpark kostenfrei unterwegs. Auf der Website können auch direkt die Tickets für das Kröller-Müller-Museum oder eine Führung durch das Jachthuis Sint Hubertus dazugebucht werden.

Tipps für unterwegs

Fahrräder mitbringen oder überall leihen
Wer kein eigenes Rad mitbringen möchte, findet überall in der Region zahlreiche Verleihstationen. Im Nationalpark stehen außerdem die „witte fiets“, die weißen Fahrräder, zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung.
Leihräder aller Art
Insgesamt gibt es etwa 2.000 weiße Fahrräder. Sie stehen an allen Eingängen und weiteren Punkten im Park, etwa am Kröller-Müller-Museum. Es gibt Räder mit Kindersitzen und Kinderräder, außerdem können Menschen mit Bewegungseinschränkungen gratis E‑Trikes, Tandems und Rollstuhlfahrräder leihen.
Tour-Vorschläge zum Nachradeln
Wer Tour-Inspirationen zum Radeln in der Veluwe sucht, wird auf Fietsnetwerk.nl fündig. Die Touren lassen sich nach Region, Länge oder Thema filtern und anschließend herunterladen. Praktisch sind die „Absteigmomente“: Sie markieren Sehenswürdigkeiten, Cafés und andere Stopps entlang der Strecke. Navigiert wird bequem über das niederländische Knotenpunktsystem mit nummerierten Wegpunkten.
Ich wohne grenznah und meine Feierabendtouren führen mich oft ins Nachbarland. Die Veluwe habe ich erst jetzt für mich entdeckt und bin begeistert. Die Gegend ist ein einziger Gravel-Traum und von kurzer Radtour über Kulturtrip bis Mehrtagestour ist alles möglich.
Annette Feldmann
Redakteurin

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