Mobilität kennt viele Wege
Die Gründe, sich mit einem angepassten Fahrrad zu beschäftigen, sind unterschiedlich. „Interessierte Menschen lassen sich meist in zwei Gruppen einteilen“, sagt Thomas Wilkens von HP Velotechnik. „Bei einem Teil hat sich das Leben durch einen Unfall verändert und sie haben Bewegungseinschränkungen oder Dysbalancen.“ Der andere Teil sei „schlicht und ergreifend älter“ geworden und habe festgestellt, dass sich zum Beispiel die Beweglichkeit verändert oder die Kraft nachgelassen habe.
Persönliche Beratung ist entscheidend
Entsprechend individuell müssen auch die Lösungen sein. Auf Messen wie der Rehacare zeigt die Liegeradmanufaktur aus dem hessischen Kriftel verschiedene Modelle und Anpassungsmöglichkeiten. Eines der ausgestellten Räder ist beispielsweise speziell auf die Bedürfnisse von Personen mit linksseitiger Hemiparese (also Lähmung oder Muskelschwäche der linken Körperseite) abgestimmt. Hier machen vergleichsweise kleine Ergänzungen wichtige Unterschiede – etwa eine zusätzliche Halterung, die beim Aufsteigen zur Stabilisierung dient. „In allen Fällen sind persönliche Beratung und Probefahrten entscheidend“, betont Wilkens. Oft seien Messen ein erster Anlaufpunkt für Gespräche und beim Hersteller selbst bzw. bei einem Fachhändler vor Ort gehe es dann zum Ausprobieren und Anpassen in die Tiefe.
Vom Blickfang zur Bestellung
Gespräche und persönlicher Austausch mit Interessent:innen sind für Michaela Buchholz und Thomas Bernds von Bernds Bikes aus Überlingen am Bodensee besonders wichtig. An ihrem Stand ziehen die Räder mit den knallbunten Reifen die Blicke aller vorbeikommenden Besucher:innen auf sich und bieten so einen willkommenen Gesprächsanlass. „Oft kommen auch Kundinnen und Kunden mit konkreten Wünschen und Anmerkungen bei uns vorbei“, sagt Buchholz. „Darüber freuen wir uns jedes Mal, denn in der Entwicklung kann man nicht alles vorausdenken.“ Anschließend werde geprüft, welche Vorschläge technisch machbar und bezahlbar seien. Dabei entstehen auch Kontakte über Deutschland hinaus – so etwa eine Anfrage aus einer südosteuropäischen Tourismusregion bezüglich Tandems für Menschen mit Sehbehinderung. Für Bernds endet der Austausch deshalb nicht an einem Messetag selbst. Nach Veranstaltungen verzeichnet der Hersteller regelmäßig weitere Anfragen und Bestellungen.
Glatte Seitenwände, guter Grip
Dass barrierearme Mobilität nicht nur eine Frage des Rads selbst ist, zeigt der Blick auf die Komponenten. Der Reifenhersteller Schwalbe präsentiert auf der Rehacare seit mittlerweile 25 Jahren Reifen für Rollstühle. Was einstmals mit vier Produkten begann, ist inzwischen längst zu einem umfangreichen Sortiment angewachsen. Für einen Rollstuhlreifen gelten andere Anforderungen als für klassische Fahrradreifen. Ein Beispiel ist das sogenannte Zwei-Grip-System: Die Seitenwand ist glatt, weil die Rollstuhlfahrer:innen dort mit ihren Händen Kontakt haben. Gleichzeitig muss die Lauffläche ausreichend Bodenhaftung bieten. Hinzu kommen Non-Marking-Reifen – die Gummimischung muss so abgestimmt sein, dass beim Fahren in Innenräumen keine Abriebspuren auf dem Boden hinterlassen werden.
Das Einsatzspektrum beschränkt sich nicht allein auf den Innenbereich. Zum Portfolio gehören auch breite, grob profilierte Reifen für Outdoor-Anwendungen. Gleichzeitig zeigt Schwalbe auf der Messe auch Fahrradreifen – eine Verbindung, die verdeutlicht, dass sich die technischen Anforderungen an rollende Mobilität durchaus überschneiden.















