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„Das Erscheinungsbild des Fahrrads wird vielfältiger und davon profitieren alle“

2007 hatte Nadia Schumacher einen schweren Unfall, nach dem ihr beide Beine amputiert werden mussten. Bereits im Krankenhaus hat sie sich entschieden, weiter Rad fahren zu wollen. Ein Handbike war für sie die Lösung. Mittlerweile trainiert sie sechsmal die Woche und nimmt an diversen Rennen teil. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, über gesellschaftliche Probleme und warum die Mecklenburger Seen-Runde eine einzigartige Möglichkeit für Handbiker:innen bietet.
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Stand: April / 2026

pressedienst-fahrrad: Frau Schumacher, es gibt die Geschichte, dass Sie bereits im Krankenhaus nach Ihrem Unfall den Entschluss fassten, weiter Rad fahren zu wollen. Was ist dran?

Nadia Schumacher: „Das stimmt. Nach meinem schweren Unfall mit Beinamputation im Jahr 2007 war mir klar, dass ich weiter Sport treiben möchte. Und zwar am besten einen Sport, den ich unabhängig von meinen Prothesen machen kann. Im Krankenhaus habe ich zufällig eine Zeitschrift mit einem Bericht über die Handbikerin Andrea Eskau gelesen. Mir war sofort klar: Handbiken ist die perfekte Lösung für mich. Ich habe mich dann bemüht, möglichst schnell ein eigenes Handbike zu erhalten. Da es sich um eine individuelle Anfertigung handelt, musste ich das direkt beim Hersteller Sunrise Medical anpassen lassen. Dort arbeiten Handbiker, über die ich schnell Kontakt in die Szene und zu Rennveranstaltern bekommen habe. So hat sich meine Leidenschaft entwickelt.“

„Man kommt relativ weit in kurzer Zeit – und das sogar aus eigener Kraft.“
Nadia Schumacher

Was bedeutet Radfahren für Sie?

„Das Schöne am Handbiken ist: Man kommt relativ weit in kurzer Zeit – und das sogar aus eigener Kraft. Das stärkt mich körperlich und mental. Mittlerweile fahre ich fünf- bis sechsmal in der Woche mit einer Wochenleistung von rund 250 bis 300 Kilometern – vor Rennen auch einmal mehr.“ 

Nutzen Sie das Rad auch im Alltag oder ist es ein reines Sportgerät? 

„Das Handbike ist für mich ein reines Sportgerät. Damit bin ich ohne Prothesen unterwegs. Das Problem bei alltäglichen Wegen: Entweder ich muss am Zielort einen Rollstuhl haben oder ich muss die Prothesen mitnehmen, um weiter mobil zu sein.“ 

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Sie arbeiten als Minijobberin in einem Sanitätshaus. Ist Radfahren ein wichtiges Thema gerade bei Reha-Patient:innen oder Menschen mit Prothesen? 
 
„Radfahren kann im Reha-Bereich sehr hilfreich sein, weil es viele Vorteile hat. Aber es ist leider eine Kostensache. Ein Handbike wie ich es fahre, ist Privatvergnügen. Das muss ich aus eigener Tasche bezahlen. Bei Therapierädern kann eine Zuzahlung durch die Krankenkasse erfolgen, aber die finanzielle Hürde ist da. Ohne eigene Motivation wird man nicht mit dem Radfahren anfangen. Ein weiteres Problem, gerade wenn man mit Spezialrädern unterwegs ist: Es gibt hin und wieder schräge Blicke und Bemerkungen. Deswegen ist es am Anfang wichtig, mit einer Gruppe zu fahren, um sich gegenseitig zu unterstützen. Wobei man sagen muss, dass es auch viel positives Feedback gibt, wenn wir unterwegs sind. Aber das sind noch zwei Hemmschwellen, die leider viele Betroffene vom Radfahren abhalten, obwohl sie um die Vorteile wissen. Was mir aber auffällt: Mein Unfall ist mittlerweile fast 20 Jahre her. Da gab es noch keine E‑Bikes. Heute sehe ich, dass viele Menschen mit Prothesen auf ein E‑Bike umsteigen. Der Motor gleicht ihr Handicap aus. Das ist etwas, was mittlerweile sehr populär geworden ist.“

„Über die letzten Jahre wurde es aber deutlich besser, weil immer mehr Fahrräder unterwegs sind, die nicht dem typischen Fahrradbild entsprechen.“
Nadia Schumacher

Braucht das Thema mehr Öffentlichkeit und Vorbilder, um mehr Menschen mit Behinderung zum Radfahren zu animieren? 

„Man trifft immer wieder Leute, die das Thema interessiert. Das gibt es sehr oft, man merkt aber auch: Viele sehen ein Handbike zum ersten Mal. Über die letzten Jahre wurde es aber deutlich besser, weil immer mehr Fahrräder unterwegs sind, die nicht dem typischen Fahrradbild entsprechen. Dazu zählen auch Cargobikes. Das Erscheinungsbild des Fahrrads wird vielfältiger und davon profitieren alle.“

Sie sind auch bei Langstreckenrennen unterwegs. Gibt es Situationen, wo sie aufgrund ihrer Behinderung von einem Rennen ausgeschlossen wurden?

„Das kommt sogar leider relativ oft vor. Ich würde beispielsweise gerne einmal an einem 24-h-Rennen teilnehmen, aber das ist in Deutschland meist ausgeschlossen. Als Grund wird genannt, dass ich ein Sicherheitsrisiko wäre, weil man mich zu leicht übersehen könnte. Das ist schon schade. Es gibt aber ein privat organisiertes, an dem wir teilnehmen dürfen, das habe ich leider noch nicht geschafft. Ich fahre meist bei Jedermann-Rennen und RTFs mit. Gerne fahre ich die Mecklenburger Seen-Runde, eines der wenigen Langstreckenrennen, bei denen Handbikes erlaubt sind. Mittlerweile bin ich schon dreimal mitgefahren. Gerade die Relation zwischen Zeitlimit und Höhenmetern ist hier perfekt. Dazu muss man verstehen: Als Handbiker:in ist man am Berg deutlich langsamer unterwegs. Wenn das Zeitlimit eng getaktet ist, ist es fast unmöglich, bei einer Strecke mit vielen Höhenmetern das Ziel zu erreichen, ohne aus dem Zeitlimit zu fallen. Das wird leider oftmals bei der Streckenplanung vergessen.“ 

Die Bildunterschrift wird in Bälde eingefügt. Sie können uns aber gern auch per E-Mail oder Telefon kontaktieren, wir helfen gerne weiter.https://www.pd-f.deImpressum/Imprint: DRAIS GmbH, pressedienst-fahrrad, Ortelsburger Str. 7, 37083 Göttingen, Germany, T: +49(0)551/9003377-0, info@pd-f.de, www.pd-f.deQuelle/Source: „www.mecklenburger-seen-runde.de | pd-f“
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Was macht die Mecklenburger Seen-Runde ansonsten noch besonders?

„Die Organisation ist dort echt super. Bei den ersten beiden Teilnahmen hatten wir jemanden dabei, der uns an den Verpflegungspunkten versorgte. Wir wussten nicht, ob wir dort zurechtkommen. Bei unserer letzten Teilnahme haben wir darauf verzichtet und gemerkt, wie toll das Event doch ist. Entweder wurden wir vom Service-Personal oder von anderen Radfahrenden unterstützt. Das Schöne ist das kameradschaftliche Miteinander. Man wird nicht angemosert, dass man im Weg sei oder ein Sicherheitsrisiko darstelle, sondern akzeptiert und von den anderen Teilnehmenden angefeuert und auch mental unterstützt. Das macht das Rennen so schön. Auch im Vorfeld wurde uns geholfen: Wir brauchen z. B. einen Übernachtungsplatz in der Nähe vom Startplatz, damit wir unsere Bikes nicht noch mal verladen und neu aufbauen müssen, sondern direkt von der Unterkunft an den Start rollen können. Das ist für uns ein wesentlicher Punkt, um den sich jemand anders keine Gedanken machen muss. Auch hier konnten wir eine Lösung finden.“

Interview: Thomas Geisler

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