Tipps zum Radfahren bei windigen Verhältnissen
An der Nord- und Ostsee, im Harz oder an der Mecklenburger Seenplatte: In Deutschland gibt es viele bei Radfahrenden beliebte Regionen, die für ihre windigen Bedingungen bekannt sind. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Tourenplanung und den Kraftaufwand. Bereits ein leichter Gegenwind erhöht den Rollwiderstand spürbar. Wird der Wind stärker, fühlt sich selbst eine flache Strecke nach einer Bergauffahrt an – und das über viele Kilometer. Ohne Gegenwind zu fahren, ist natürlich nicht immer möglich. Wenn man beispielsweise an einem Rennen teilnimmt oder eine festgelegte Route fahren muss, kann man sich die Bedingungen nicht aussuchen. Die Folge: Starker Wind raubt schneller die Energie und die Belastung wird häufig unterschätzt.
Besser in der Gruppe
Detlef Koepke, Initiator der Radrennens Mecklenburger Seen-Runde, rät deshalb nicht nur den Teilnehmenden des 300 Kilometer langen Rundkurses, bei Gegenwind möglichst in Gruppen zu fahren: „Das ist eine deutliche Erleichterung. Man kann sich bei der Führungsarbeit im Wind abwechseln und, wenn man im Windschatten fährt, spart man Energie. Als Nebeneffekt lernt man neue Leute kennen und kann interessante Gespräche führen – dann vergeht die Zeit schneller.“ Um zusätzlich Kraft zu sparen, empfiehlt sich ein kleiner Gang mit gleichmäßigem Tritt, ähnlich wie bei einer längeren Bergfahrt. Wer bei Gegenwind einen zu hohen Gang fährt, verliert schneller Kraft.
Aerodynamische Haltung einnehmen
Der größte Windwiderstand beim Radfahren ist der menschliche Körper. Eine windschnittige Sitzposition ist bei Gegenwind deshalb äußerst hilfreich. Der Luftstrom trifft nicht direkt auf den Oberkörper, sondern strömt an ihm vorbei. Bei einem Fahrrad mit Rennlenker hilft bereits das Greifen in den Unterlenker, um in eine flachere Sitzposition zu gelangen. Aber: Langes Fahren im Unterlenker kann auf die Dauer anstrengend sein, vor allem wenn man die Position wenig trainiert hat. Bei Rädern mit geradem Lenker verringert man den Luftwiderstand hingegen, indem man sich mehr nach vorne beugt. „Es gilt selbst zu testen, welche Position und Rückenhaltung einem persönlich weiterhilft. Sattelhöhe und ‑neigung beeinflussen beispielsweise, wie gut man den Rücken krümmen kann. Aber Vorsicht: Ist der Sattel zu hoch oder zu weit nach hinten montiert, kann er das Becken blockieren und auch das Knie ist nicht mehr in der optimalen Position, um effektiv Kraft auf die Pedale zu bringen“, erklärt Lothar Schiffner vom Ergonomiespezialisten Ergon. Wer seinen Lenker tiefer stellt, um besser im Gegenwind zu fahren, sollte anschließend auch den Sattel und die Position der Griffe überprüfen.
Wer regelmäßig in windigen Regionen unterwegs ist, kann über die Anschaffung eines Liegerades, z. B. von HP Velotechnik, nachdenken. Durch die tiefe Sitzposition und die geringere Angriffsfläche bieten Liegeräder einen deutlich aerodynamischen Vorteil gegenüber klassischen Rädern. Man spart im Gegenwind Kraft und kommt deutlich schneller voran.
Kleidung anpassen
Weite Kleidung ist bei Gegenwind ebenfalls nicht zu empfehlen. Wind kann sich darin verfangen und wie eine Art Segel wirken, weshalb man beim Fahren noch mehr Kraft benötigt. Eng anliegende Kleidung dagegen reduziert den Luftwiderstand spürbar. „Da der Körper im Gegenwind schnell auskühlen kann, ist eine enganliegende Windweste ein praktischer Begleiter. Der Oberkörper wird besser geschützt und ein Auskühlen verhindert“, ergänzt Benedikt Tröster von Outdoor-Ausrüster Vaude. Auch ein Helm mit aerodynamischen Eigenschaften hilft, den Luftwiderstand zu reduzieren. Dabei muss es nicht gleich der Hightech-Zeitfahrhelm sein. Helme wie der „Airbreaker 2.0“ von Abus kombinieren aerodynamische Eigenschaften mit guter Belüftung. Das hilft bei längeren Touren, einen Hitzestau unter dem Helm zu vermeiden. Gegenwind ist zudem unangenehm für die Augen, da z. B. Schmutz und Staub in diese Augen gelangen kann oder der Wind zu Tränenbildung führen kann. Eine spezielle Sportsonnenbrille, z. B. von 100 %, ist ein wichtiger Teil der Ausrüstung – selbst wenn nicht die Sonne scheint.
Böen bergen Gefahrenpotenzial
Während Gegenwind vor allem Kraft kostet, kann Seitenwind richtig gefährlich werden – besonders bei Böen. Starke Windstöße können das Fahrrad seitlich treffen und zu Kontrollverlust oder gar Stürzen führen. Bei wechselnden Windverhältnissen, beispielsweise auf kurvigen Abfahrten, kann eine überraschende Böe dazu führen, dass man die Kontrolle über das Rad verliert.
Doch auch Rückenwind kann tückisch sein. Durch die geringere Belastung kann man schneller versucht sein, sich treiben zu lassen und die Beine hochzunehmen, oder gar mit höherem Tempo zu fahren und die Kraft falsch einzuteilen. Auch bei Rückenwind gilt deshalb: die Trittfrequenz und die Geschwindigkeit anpassen, um mit einem gleichmäßigen Rhythmus auch längere Touren kraftsparend zu fahren.



































