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Im Rikscha-Taxi zum Impftermin
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Mittwoch, 14. April 2021

Die Impfkampagne gegen Covid-19 nimmt an Fahrt auf. Doch für viele, gerade ältere Personen ohne eigenes Auto, stellt sich die Frage: Wie komme ich überhaupt sicher zum Impftermin? Reinhold Goss hatte eine Idee: Er kutschierte seinen Vater mit der Rikscha ins Impfzentrum. Der pressedienst-fahrrad sprach mit ihm über die Hintergründe und seine Erfahrungen.

Herr Goss, wie kam es zur Idee, Ihren Vater mit der Rikscha zum Impftermin zu fahren?

Reinhold Goss: Ich hatte die Idee, eine Rikscha auszuprobieren, schon länger. Die ehrenamtliche Initiative „Radeln ohne Alter Deutschland“ bietet die Gefährte in vielen deutschen Städten unter dem Motto „Jeder hat ein Recht auf Wind in den Haaren!“ an. In meiner Funktion als Bicycle Major von Köln möchte ich auch solche kleinen Initiativen mehr fördern und öffentlich bekannter machen. Wir sind ins Gespräch gekommen und es stellte sich heraus, dass für mein Wohnviertel eine neue Rikscha angeschafft wurde. So wurde die Idee geboren, dass ich meinen Vater damit zum Impftermin fahre.

Wie hat die Fahrt funktioniert?

Generell hat es sehr gut funktioniert. Ich habe bei der Streckenwahl darauf geachtet, dass wir Hauptstraßen meiden. Wir sind deshalb ein paar Umwege über Nebenstraßen gefahren, die uns an alte gemeinsame Fahrradzeiten erinnerten. Auch führte der Weg viel durchs Grüne. Es hat meinem Vater sehr viel Spaß gemacht und auch von den Leuten, an denen wir vorbeifuhren, wurde das super angenommen. Aber man merkt dadurch an einigen Stellen, wie schwierig es um die Radinfrastruktur bestellt ist.

Welche Probleme sind aufgetreten?

Man erlebt noch dramatischer, wie man als Radfahrender geführt wird. Speziell an kritischen Stellen zeigen sich die Probleme. Hier hat der Autoverkehr immer Vorrang. Als Radfahrender wird man oft auf einen Radweg gezwungen, der aber nicht für die Breite des Gefährts ausgerichtet ist. Eine Rikscha ist ja rund einen Meter breit. Zudem blockiert man dann den schmalen Radweg für andere, schnellere Radfahrende, weil man ja langsamer unterwegs und nur schwer zu überholen ist. Absperrungen mit Pollern sind aufgrund der Breite ebenfalls nur schwer oder gar nicht zu passieren. Einem Schlagloch auszuweichen, was mit dem normalen Rad kein Problem ist, ist ebenfalls kompliziert, da man keine schnellen Lenkbewegungen machen kann. Alternativ auf den Gehweg ausweichen ist auch schwierig, weil das zu Konflikten mit den Fußgänger:innen führt. Hier gibt es noch einiges zu verbessern.

Darf eigentlich jede/-r eine Rikscha fahren?

Die Initiative „Radeln ohne Alter Köln“ hat im letzten Jahr 11 Standorte an Altersheimen für Rikschas eröffnet. Dort sollen so genannten Pilot:innen das Kutschieren übernehmen. Das kann jeder tun. Man bekommt eine kurze Einführung und fährt eine Testrunde, damit man ein Gefühl für das Fahrzeug bekommt. Dann kann es losgehen. Man braucht also keinen Beförderungsschein wie bei einem Taxi. Natürlich kommen aktuell die Covid-19-Auflagen dazu.

In anderen Ländern sind Rikschas ein gängiges Verkehrsmittel. Welche Chancen haben die Fahrrad-Taxis in Deutschland?

Eine gute Möglichkeit ist im touristischen Bereich Sightseeing und entspannte Stadtfahrten anzubieten. Das wird bei uns in Köln schon ganz gut angenommen, sicherlich auch, wenn wieder touristische Reisen erlaubt sind. Aber auch hier leiden die Fahrer:innen unter der Radwegeproblematik und den daraus resultierenden Diskussionen.

Zusatz:
Erklärung Bicycle Major
Bicycle Major ist ein globaler Netzwerkgedanke. Die Idee stammt aus Amsterdam und hat mittlerweile Anhänger:innen in über 50 Städten weltweit. Die ehrenamtlichen „Fahrradbürgermeister“ setzen sich für die Förderung des Radverkehrs in ihren Städten ein und agieren dabei als Vermittler:innen zwischen Stadtverwaltungen, Vereinen, Initiativen und Radfahrenden. Ziel ist es, für eine globale Verkehrswende zu sorgen, und eine Radinfrastruktur für alle Altersklassen zu schaffen.

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