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Wasserdichte Taschen – das gilt es beim Kauf zu beachten
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Mittwoch, 14. April 2021

Egal, ob im Alltag oder im Urlaub – wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, braucht robuste Taschen, um bei jedem Wetter Kleidung, Einkäufe und Co. zu transportieren. Der pressedienst-fahrrad zeigt, worauf man beim Kauf wasserdichter Fahrradtaschen achten sollte und welche Unterschiede es gibt.

Der Himmel ist grau, die Wolken dick, es fängt an zu regnen. Bühne frei für den Klassiker, die Fahrradtasche hinten am Gepäckträger, die keinen Regentropfen durchlässt. Es gilt jedoch zu unterscheiden: Ist die Tasche wasserdicht oder „nur“ wasserabweisend? Letzteres bedeutet, dass ein Gewebe sich nicht mit Wasser vollsaugt und der Regen abperlt.

Dafür sorgt eine Imprägnierung, wie sie zum Beispiel Vaude für die „Road Master Roll-It“ Fahrradtasche anwendet. Das sogenannte „Eco Finish“ ist umweltschonend, da es ohne schädliche Fluorcarbone (PFC) auskommt. Wenn es aber sehr stark oder länger schüttet, dringt irgendwann Feuchtigkeit, zunächst über die Nähte, ins Innere. Sprich: Das Material gibt dem Wasserdruck schließlich nach. Abhilfe schafft in diesem Fall eine Regenhülle, die bei vielen Taschen im Lieferumfang enthalten ist.

Die Wassersäule als Norm für Wasserdichtigkeit

Ist ein Material jedoch wasserdicht, hält es diesem Wasserdruck stand. Doch nicht alle Produkte sind im gleichen Maße wasserdicht. Um objektiv darzustellen, wie dicht ein Gewebe tatsächlich ist, nutzt man eine DIN-Norm, deren Maß die Wassersäule ist. Sie beschreibt, bis zu welchem Wasserdruck ein Material undurchlässig ist. „Für die Messung wird der Stoff unter einem Messzylinder mit 10 Zentimeter Durchmesser gespannt und der Zylinder mit Wasser gefüllt. Der Grenzwert, bei dem das Wasser beginnt, sich tröpfchenweise durch das Material zu drücken, bezeichnet die Wassersäule“, erklärt Anna Rechtern, Pressesprecherin bei Vaude. So gilt ein Material ab 1.300 Millimetern Wassersäule als wasserdicht – oder anders gesagt: Das Material hält dem Druck von 1,3 Metern Wasserhöhe im Messzylinder stand.

Gute Regenbekleidung weist meist eine Wassersäule von mindestens 5.000 Millimetern auf. Um eine extrem hohe Wasserdichtigkeit zu erreichen, setzt Taschenspezialist Ortlieb bei seinen in Deutschland hergestellten Produkten auf ein Hochfrequenz-Schweißverfahren. „Wir erhalten dadurch eine Wassersäule von 100.000 Millimetern“, erläutert Pressesprecher Peter Wöstmann. „Das gilt auch für die Schweißnähte und bietet damit gegenüber verklebten oder genähten Produkten einen enormen Vorteil, was die Haltbarkeit und Langlebigkeit der Taschen betrifft.“ Dafür eignen sich Polyester‑, Nylon- und Cordura-Gewebe, die ein- oder doppelseitig beschichtet werden. Bei einer doppelseitigen Beschichtung entsteht der typische „Planen-Look“, wie man ihn etwa vom Ortlieb-Klassiker „Backroller Classic“  kennt. Bei einer einseitigen Beschichtung erhält man außen eine textile Optik.

Keine Chance für Staub und Spritzwasser

Auch die Verschlüsse der Fahrradtaschen sind so konstruiert, dass deren Inhalt möglichst komplett vor Staub und (Spritz-)Wasser geschützt ist. Mit dem von Ortlieb erfundenen, hermetischen Rollverschluss bleiben Ausrüstung und Verpflegung sicher verstaut, und eine oder zwei dünne Kunststoffleisten am oberen Ende sorgen für Wasserdichtigkeit. Der Deckelverschluss schützt den Tascheninhalt vor Staub und Spritzwasser. IP-Symbole helfen bei der Orientierung. Sie stehen für „International Protection“ und klassifizieren, wie staub- bzw. wasserdicht ein Produkt ist. So findet man etwa für den Fahrradkorb „Up-Town Urban“ von Ortlieb die IP-Nummer 64. Das bedeutet „staubdicht, kein Staubeintritt“ sowie „geschützt gegen Spritzwasser aus allen Richtungen“. Die Zahlen 5 und 6 geben dabei immer die Staubdichtigkeit an und die Zahlen 3, 4 und 7 die Wasserdichtigkeit.

Für Taschen mit Reißverschlüssen nutzen die Heilsbronner von Ortlieb eine spezielle Technik, damit im Inneren alles trocken bleibt. „Hier setzen wir so genannte TIZIP-Reißverschlüsse ein“, erklärt Wöstmann. „Sie bestehen aus einem abriebfesten, mit Polyurethan beschichteten Gewebe, auf dem die Kunststoffzähne befestigt sind. Das macht sie wasser- und druckdicht.“

Alternativen zu PVC

Polyvinylchlorid (PVC), ist ein Kunststoff, der zum Beispiel für LKW-Planen und unter anderem eben für wetterfeste Fahrradtaschen genutzt wird. In PVC werden häufig sogenannte Phthalate als Weichmacher genutzt, die in die Umwelt gelangen und im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. „Wir setzen diese Beschichtungen ein, weil PVC hochfunktional ist und als einer der am intensivsten erforschten Kunststoffe bezeichnet werden kann. Speziell gilt dies für Langzeitstudien und für die eingesetzten Weichmacher. Unabhängig davon sehen wir sehr wohl auch die ökologischen Risiken bei der Herstellung und der Entsorgung. Deshalb lassen wir die PVC-Gewebe nur in Europa produzieren, und die von uns verwendeten Weichmacher stammen aus Deutschland“, erläutert Wöstmann und ergänzt: „Dort, wo es technisch möglich und sinnvoll ist, setzen wir PVC-freie Materialien ein.“ Wer darauf Wert legt, sollte bei der Taschenauswahl bei Ortlieb auf das Label „PVC-free“ achten, dass zum Beispiel auf Radtaschen aus den Serien „Plus“ (Cordura), „Urban“ (Cordura mit Baumwolle), „Free Line“ (PU-beschichtetes Polyestergewebe) oder auf Taschen aus Nylongewebe zu finden ist. Der Outdoor- und Bike-Bekleidungsausrüster Vaude stellt seine Fahrradtaschen und seit 2019 die Reisegepäck-Serie („Packs ‘n‘ Bags“) komplett PVC-frei her.

pressedienst-fahrrad ⎪ Annette Feldmann

 

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