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Typenkunde – E-Bike
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Mit Zusatzschub nach vorne

Einen großen Anteil an der wachsenden Popularität des Fahrrads hat heutzutage das Elektrorad. Im Laufe der letzten Jahre haben E-Bikes ihr Reha-Image fast gänzlich abgestreift und sich zu einem festen Bestandteil individualmobiler Lösungen gemausert: Der Spaß am Elektrorad setzt sich über die Generationen hinweg durch und inzwischen wird quasi jede Radgattung elektrifiziert. Neue Marktteilnehmer aus Industrie- und Kommunikationssektoren fanden sich ein und beinahe jeder Radhersteller hat inzwischen Räder mit Elektroantrieb im Programm. Die Verkaufszahlen für Pedelecs explodierten förmlich – nach Berechnungen des Zweirad-Industrie-Verbands e. V. (ZIV) fuhren zum Jahresbeginn 2017 weit mehr als drei Millionen Elektroräder durch Deutschland. Davon rollten allein 2016 etwa 605.000 Stück aus den Shops – 2005 waren es noch 20.000. (Weitere spannende Zahlen aus der Fahrradwelt haben wir hier zusammengetragen.)

Dass ausgerechnet ein Radtyp das Umdenken befeuert, der am Prinzip der Fortbewegung durch pure Muskelkraft gehörig modelliert, zeigt deutlich, wie die Fahrradwelt Konventionen über Bord geworfen und Vorurteile überwunden hat. Das E-Bike füllt eine Lücke im Moment ihres Entstehens. Zur rechten Zeit am rechten Ort, gibt es Antworten auf drängende Fragen der Zeit wie vom Verkehr verstopfte Städte, Umweltverschmutzung und steigenden Energiebedarf. Als ideales Verkehrsmittel rundet es die Individualmobilität hinsichtlich Reichweite, Transportvolumen und Geschwindigkeit ab.

So ist das E-Bike ein Lösungsmodell für alle, die Rad fahren wollen: Für den Transport auf täglichen Wegen, um frisch im Büro anzukommen und sich trotzdem bewegt zu haben, um mal etwas weiter oder schneller zu fahren, ohne dass großer Trainingsaufwand nötig wäre – und schließlich auch für die lustvolle (Wieder-)Gewinnung ganz individueller Freiheit.

Im Jahr 1992 gab es weltweit genau drei Elektroräder aus Serienproduktion. 2014 zählte der testende Verein Extra Energy e. V. ganze 1.500 verschiedene E-Bike-Modelle allein aus deutscher Produktion; das Portal E-Bike-Finder ermittelte für 2016 einen Durchschnittspreis von 3.287 Euro.

Funktionsprinzipien

A: Pedelec
Wenn man heute von E-Bikes spricht, sind in aller Regel Pedelecs gemeint, denn nahezu alle Elektroräder funktionieren nach diesem Prinzip. Der Begriff setzt sich zusammen aus pedal, electric und cycle und verdeutlicht: Der Motor arbeitet nur, wenn man selbst auch kurbelt. Ein Sensor im Antrieb misst die Kraft, mit der man tritt, und unterstützt je nach Hersteller, Einstellung und ausgewähltem Modus mit 25 Prozent bis 200 Prozent dieser Kraft. Pedelec-Piloten sind also Radfahrer mit einer Extraportion Rückenwind – das „typische Pedelec-Lächeln“ trägt entscheidend zur Popularität der Gattung bei. Das Pedelec unterstützt bis 25 km/h, viele Modelle bieten auf Knopfdruck eine Schiebehilfe in Schrittgeschwindigkeit. Pedelecs gelten rechtlich als Fahrräder: keine Helmpflicht, kein Führerschein, keine Altersgrenze. Ein Klassiker dieser Gattung ist das „Gotour“, Nachfolger der legendären C-Serie des schweizerischen Herstellers Flyer (ab 3.399 Euro).

B: S-Pedelec
Sie funktionieren wie Pedelecs, unterstützen aber bis 45 km/h. Das macht die von außen betrachtet gewöhnlichen Fahrräder im Verkehrsrecht zu Kleinkrafträdern. Somit brauchen sie die Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt sowie ein Versicherungskennzeichen. Für Fahrer heißt das: Führerschein der Klasse AM (im Autoführerschein enthalten), Altersgrenze 16 Jahre und Helmpflicht – wobei sich das Gesetz seit Jahren nicht eindeutig dazu äußert, welcher Helm der richtige ist; Fachleuten zufolge ist der Radhelm passend, eine eigene Helmgattung zwischen Rad- und Motorradhelm zeichnet sich ab. Dazu kommt: Die Radwegnutzung ist innerorts verboten. Auch dürfen Anbauteile nicht wie beim Fahrrad einfach verändert werden. Ein beispielhafter Vertreter der schnellen Art ist das Modell „E-Triton 45“ des Hamburger Herstellers Stevens (3.999 Euro). Nach den jüngsten Regularien kommt es mit Hupe, Bremslicht und Kennzeichenbeleuchtung. Auf die Besonderheiten dieser Räder geht unser Artikel „S-Pedelecs: Wenn das Fahrrad zum Kraftfahrzeug wird“ detailliert ein.

C: E-Bike
Gern als Oberbegriff für alle Fahrräder mit Elektroantrieb verwendet, bezeichnet der Begriff „E-Bike“ im engeren Sinne ein Fahrrad, dessen Motor mit einem „Gasgriff“ bedient wird. Es funktioniert also unabhängig vom Pedalieren. Je nach Leistungsabgabe und Geschwindigkeit sind E-Bikes versicherungspflichtig (Mofa-Kennzeichen) und der Fahrer benötigt einen Mofa-Führerschein, eine Helmpflicht gibt es jedoch nicht. Vom Markt ist das E-Bike weitestgehend verschwunden; zu finden sind solche Räder am ehesten in der Billig-Abteilung oder der für besondere Verwendungszwecke.

 

Antriebsbauformen:

Unabhängig von Art und Grad der Unterstützung unterscheidet man verschiedene Bauformen anhand der Position des Elektromotors. Drei grundlegende Arten haben sich etabliert. Der Nabenmotor im Vorderrad bietet den Vorteil, dass am Hinterrad sämtliche Schaltungen verwendet werden können. Die fahrdynamischen Eigenschaften sind jedoch umstritten (Antrieb/Traktion und zusätzliches Gewicht am Vorderrad).
Der Nabenmotor am Hinterrad ist populärer, begrenzt die Schaltungswahl aber auf Kettenschaltung oder Zentralgetriebe. Sein Handling gilt als angenehmer, da – wie bei einem gewöhnlichen Fahrrad – das Hinterrad angetrieben wird. Das hohe Gewicht am Hinterrad ist teils jedoch deutlich spürbar, wodurch sich dieser Antrieb für sportliche Räder wie Mountainbikes weniger eignet. Mit großem Abstand am häufigsten anzutreffen ist inzwischen der Mittelmotor. Er sitzt an der Tretkurbel, wo sich das Mehrgewicht am wenigsten auf die Handhabung des Rades auswirkt. Mittelmotoren ermöglichen Naben- und Kettenschaltungen, letztere oft nur mit einem Kettenblatt. Das entspricht allerdings jüngeren Entwicklungen z. B. der US-amerikanischen Firma Sram: Sie stellte in den vergangenen Jahren mehrere Antriebskonzepte mit 1 x 11 und 1 x 12 Gängen, sowie eine E-MTB-Schaltung mit acht Gängen vor.
Vorreiter des Prinzips Mittelmotor ist der Hersteller Panasonic. Flyer verbaut den Antrieb der Japaner seit 2003; Modelle der aktuellen Generation verfügen sogar über ein integriertes Zwei-Gang-Getriebe. Das erweitert laut den Schweizern nicht nur das Gangspektrum, es verbessert am E-Mountainbike (z. B. Modell „Uproc7“, mit FIT ab 4.399 Euro) auch die Kletterfähigkeit immens.
Seit dem Produktjahr 2012 ist auch der Konzern Bosch mit einem eigenen Elektrorad-Antrieb am Markt vertreten und mittlerweile Marktführer. Mit der Durchsetzung des Prinzips Mittelmotor werden marktübergreifend Elektrofahrräder als solche konzipiert, denn Mittelmotoren erfordern einen eigens entwickelten Rahmen. Frühere oder billige Antriebskonzepte brachten bzw. bringen oft einen Elektromotor in einem bestehenden Fahrrad unter, ohne die höheren Belastungen für das System zu bedenken – obwohl grundsätzlich vom Umrüsten eines Fahrrads zum E-Bike abzuraten ist.
Der Motor macht beim Antrieb ca. die Hälfte des Gewichts aus. Die andere Hälfte entfällt auf Akku, Verkabelung, Steuerung und etwaige Verstärkung von Rahmen und Komponenten. Der Akku ist modellabhängig entweder im Hauptdreieck des Rahmens oder im Gepäckträger untergebracht. Bei neueren Modellen findet er sich immer häufiger dezent in den Rahmen integriert und ist meist zum Laden bequem entnehmbar. Zunehmend wird auch die Option zweier am Rad verbauter Akkus angeboten, was entsprechend die Reichweite verdoppelt.

Artenvielfalt

Keine Fahrradgattung, die nicht unter Strom steht – hier die gängigsten Konzepte und beispielhaftesten Vertreter.

1. Citybike
Stadträder sind sowohl bei Fahrrädern als auch bei E-Bikes am weitesten verbreitet. Sie bieten eine aufrechte Sitzposition, meist eine wartungsarme Nabenschaltung sowie leichten Komfort, wie etwa Federgabel und Federsattelstütze. Zum Beispiel das Koga „E-Nova RT“ (mit zusätzlicher Rücktrittbremse, ab 3.099 Euro), die „Tria“-Reihe von Sinus mit tiefem Durchstieg (ab 1.999 Euro) oder das „Gotour5“ von Flyer (in acht Ausstattungen ab 3.399 Euro).

2. Touren-Pedelec
Das elektrische Äquivalent zum Trekking-Rad hat meist ein paar Gänge mehr, eine etwas sportlichere Ergonomie und verträgt auch einiges an Gepäck. Um mit einem Pedelec auf größere Reisen zu gehen, bedarf es eines durchdachten Akku-Managements. Spezielle E-Bike-Reiserouten bieten Austausch-Akkus an (z. B. die Herzroute in der Schweiz). Vertreter dieser Art: Koga „E-Inspire“ (3.299 Euro), Stevens „E-Lavena PT5“ (2.999 Euro) und Haibike „Sduro Trekking 4.0“ (2.299 Euro), alle drei mit Kettenschaltung und Federgabel. Es gibt in der Gattung auch vollgefederten Räder, wie die „TX-Serie“ von Flyer (ab 4.299 Euro) bzw. „Delite“ von Riese & Müller (ab 5.199 Euro, optional mit Doppel-Akku). Ein Touren-E-Bike mit dem ganz besonderen Auftritt wäre etwa das „MyVolta“ von MyBoo, denn es hat einen Rahmen aus Bambus (3.999 Euro).

3. Kompakt-E-Bike
Die Motorisierung von Falträdern steht etwas im Konflikt mit den Eigenschaften, die Faltrad-Fans besonders schätzen: schnelles Handling und geringes Gewicht. So sind Falt-E-Bikes wie das „Pluto“ von Flyer (ab 2.999 Euro) eher Exoten am Markt. Trotzdem müssen auch Caravan-Urlauber und Pedelec-Freunde mit begrenzten Staumöglichkeiten nicht auf den Rückenwind aus der Steckdose verzichten. Kompakte E-Bikes wie das „Radius“ von Winora (ab 2.199 Euro) geben sich dank des höhenverstellbaren und einfach drehbaren Lenkers sowie einer Sattelstütze mit großem Verstellbereich auch in kleinen Stadtwohnungen genügsam. Ähnlich verhält es sich mit Flyers Kompaktrad „Flogo“ (ab 2.599 Euro) – bei Bedarf sind diese Räder auch schnell an Fahrer mit unterschiedlichen Körpergrößen angepasst.

4. Lastenrad
Sobald etwas mehr Gepäck im Spiel ist, spielt die Elektrounterstützung ihre Vorteile voll aus. Cargobike-Konzepte sind so vielfältig wie die Nutzungsprofile: von dreirädrigen Schwerlasträdern bis hin zu den einfacher zu steuernden Zweirädern. Bei letzteren finden sich drei Hauptbauweisen: das „Long John“-Prinzip mit der tiefen Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad wie beim „Packster“ von Riese & Müller (vollgefedert, in drei Ladeflächenlängen, ab 3.999 Euro), die klassische Postrad-Bauweise mit zwei großen Körben über dem Vorder- und Hinterrad, sowie seltener auch Räder mit verlängertem Hinterbau („Longtails“) und sehr großem Gepäckträger.

5. Mountainbike
Selbst Sportradgattungen sind mittlerweile durchweg elektrifiziert. Vor allem das E-Mountainbike erfreut sich stark wachsender Popularität, denn es macht unterstützte Ausflüge abseits der Straßen möglich oder bisher unerkundete Anstiege bezwingbar. Die Bandbreite reicht hier vom puristischen Touren-Hardtail (z. B. Stevens „E-Stoke“, 2.499 Euro) über vollgefederte Allrounder (Flyer „Uproc3“, ab 3.999 Euro) bis hin zu amtlichen Downhill-Bikes mit quasi eingebautem Lift (z. B. Haibike „Xduro Dwnhll 9.0“, 5.299 Euro). Erwähnenswert: Gerade bei sportlicherem Radeinsatz spielt das ausgewogene Handling des Mittelmotors seine Vorzüge aus. Die genannten E-MTBs verfügen daher alle über diesen Antrieb.

6. Rennrad
Mit dem unter Strom gesetzten Rennrad ist seit einiger Zeit auch die letzte Bastion der Traditionalisten gefallen. Und richtig, wenn mit S-Pedelecs schon Geschwindigkeiten bis 45 km/h erreicht werden, warum dann nicht in sportlicher Position und mit Rennradbereifung? Freilich sind diese Räder noch selten am Markt – der Hersteller Haibike nimmt hier nach wie vor eine Pionierstellung ein: „Xduro Race S 6.0“ heißt das 45-km/h-Renn-Pedelec der Schweinfurter Firma, es kostet 4.499 Euro.

7. Liegerad
Unter den Liegerädern und Liegedreirädern finden sich ebenfalls zunehmend elektrifizierte Ausführungen. Oftmals ist die E-Option als Ausstattungsvariante innerhalb des Baukastensystems der Hersteller erhältlich, wie beispielsweise beim Liege-Trike „Scorpion 2“ der Krifteler Manufaktur HP Velotechnik (ab 5.680 Euro). Fahrdynamisch sind diese Räder quasi für den Zusatzantrieb prädestiniert, denn das Gewichts-Plus macht sich dank des tiefen Schwerpunkts des Rads kaum bemerkbar. Der Scorpion ist übrigens auch in der Version „Doppelherz“ erhältlich: Ein zweiter Akku verdoppelt hier die Reichweite..

Wir haben unser Bildarchiv aktualisiert. Dabei wurden ältere Bilder entfernt – darunter das hier verlinkte. Melden Sie sich einfach für passende Motive zum Artikel: 0551−9003377−0.
8. Spezialräder
Sogar die Exoten der Radwelt wie das Fatbike oder das Tandem sind mit elektrischem Zusatzantrieb erhältlich. Neben dem weltweit ersten Fat-E-Bike „Lebowsk-e“ des US-Herstellers Felt (4.599 Euro) bringt das bullige Haibike „Xduro Full Fatsix 7.0“ (4.599 Euro) die Motorleistung ebenfalls über dicke Walzen – aber auch mit Vollfederung auf den Untergrund. Ein Tandem mit „drittem Mann“ aus der Steckdose bietet Flyer ab 5.399 Euro an.

Sie wollen das Thema vertiefen? Weitere Informationen und aktuelle Artikel finden Sie in unserem Themenblatt E-Bike.


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