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Ein Modell, drei Ausstattungen und unendlicher Fahrspaß
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Donnerstag, 1. August 2019

Bikepacker stellen hohe Anforderungen an ihr Material. Das Reisegefährt muss viel Gepäck tragen sowie sportlich und möglichst geländetauglich sein. Die Fahrer bauen deshalb gerne ein individuelles Rad auf. Wie unterschiedlich dabei sogar ein gleicher Rahmen konfiguriert werden kann, zeigen die Beispiele von drei Teilnehmern einer Selbstversorgerfahrt.

[pd‑f/gf] Gibt es das ideale Bikepacking-Rad? Diese Frage treibt wahrscheinlich jeden Radler um, der zur kleinen oder großen Abenteuertour starten möchte. „Ein Rad für alles“, der Nordstern der Fahrradwahl – ein hehres Ziel, so erstrebenswert wie unerreichbar gleichermaßen. Doch wie nahe kommt man an dieses perfekte Rad? Und was sagt es aus, wenn drei Radler den gleichen Rahmen, aber komplett unterschiedliche Ausstattungen wählen? Gunnar Fehlau, Leiter des pressedienst-fahrrad und selbst Bikepacker, hat genau dies erlebt: Er fuhr mit Freunden entlang der ehemaligen deutsch-deutschen-Grenze und gleich drei seiner Kumpels waren mit einem individuell konfigurierbaren „Finder“ von Velotraum (Basispreis ab 2.600 Euro) unterwegs.

Wartungsarmer Genuss

Guido Harig, Nachbarsjunge aus der Kindheit und langjähriger Brevet-Fahrer, nutzte bei der Tour einen Finder in einem äußerst geländegängigen Sorglos-Setup: Er schaltete ein „C1.12“-Zentralgetriebe von Pinion mit – der Name lässt es zurecht vermuten – zwölf Gängen und 600 Prozent Bandbreite (Basispreis dieser Radkonfiguration ab 3.550 Euro). Um den Antrieb so wartungsarm wie möglich zu halten, war ein Gates-Zahnriemen montiert. Kombiniert mit einer stabilen „Pike“-Federgabel von Rock Shox mit 100 Millimetern Federweg (ab 939 Euro) und wohlprofilierten 2.6 Zoll breiten Reifen (vorne und hinten: „Nobby Nic“ von Schwalbe, ab 57,90 Euro) bekam dieser Finder reichlich Geländegängigkeit. Die Vierkolben-Bremsen „Guide Ultimate“ von Sram (295 Euro pro Bremse) sorgten für angemessene Bremsleistung im teils doch sehr steilen Terrain entlang der ehemaligen Grenze. „Ein gutes Fahrrad fällt nicht auf“, meint Guido Harig und erklärt: „Es tut seinen Dienst, fährt zuverlässig, nichts stört, keine Geräusche, kein besonderer Service-Aufwand“. Aufgefallen seien ihm vielmehr die Momente, in denen seine Mitfahrer mit ihrer Schaltung beschäftigt waren: „Etwa als wir in Senken zur Orientierung abrupt stoppen mussten und die Fahrer mit Kettenschaltung anschließend das Hinterrad kurz anhoben, um aus dem schnellen Gang auf eine angenehme Kletterübersetzung zu wechseln“, während er einfach nur am Schaltgriff seines Pinion-Getriebes drehte. Auch gab es immer wieder Stopps, um Ketten zu ölen und Schaltwerke von Gestrüpp zu befreien. „Da hatte ich dann Pause“, witzelt der Mediziner Harig, der sich vom Start weg auf dem Rad wohlgefühlt hat.

Ungefederte Erfahrung

Ganz anders Walter Lauter: Er ist eines der Urgesteine der deutschen Bikepacking-Szene und hat allein die ehemalige Grenze bei der Grenzsteintrophy rund ein halbes Dutzend Mal befahren. Seinen Finder hat er mit „leichter und komfortabel flexender“ Carbongabel aufgebaut. Die montierte „GX 22“-Schaltungsgruppe von Sram (ca. 500 Euro) bietet ein großes Gangspektrum: „Damit schaffe ich die steilen Anstiege und kann auch bergab gut Schwung holen“, erklärt Lauter die Schaltungswahl, „zudem kann ich die offenliegende Technik selbst warten.“ Die gleiche Argumentation stand beim Bremssystem Pate: Die mechanischen Scheibenbremsen von Avid sind für ihre Zuverlässigkeit und unkomplizierte Reparierbarkeit bekannt. „In dem Rad steckt die gesamte Erfahrung meiner über 25 Jahre Radsport und ‑touren“, so der IT-ler Lauter, der den Finder seit 2015 fährt. „Wichtig für diese Tour war, dass das Rad ausreichend breite Reifen hat, sonst wären die gelochten Platten des Kolonnenwegs zur echten Qual geworden“.

Ein bisschen Gravel, ein bisschen MTB

Für Fotograf Carlos Fernandez Laser ist das Bike Hobby und Beruf gleichermaßen. Ob „Japanese Odessy“ oder „Silk Road Mountain Race“: Er sitzt im Sattel und hat die Hand am Auslöser. So auch bei dieser Fahrt. Sein Finder kombinierte das straffe Fahrwerk einer Carbongabel mit racigen MTB-Elementen: So beschränkte er sich auf ein Kettenblatt (30 Zähne) und setzte auf die Eagle-Technologie von Sram mit einer Zwölffach-Kassette mit zehn bis 50 Zähnen (ab 450 Euro). „Die Schaltung ist äußerst leicht und liefert schnelle Gangwechsel“, so der ehemalige BMXler Laser. Die 70 Millimeter breiten „G‑One“-Reifen von Schwalbe (ab 59,90 Euro) „erinnerten“ den Fotografen an sein Gravelbike: „Die Profilierung fällt recht dezent aus, so rollt der Reifen besonders leicht“, meint der Gravel-Fan Laser und führt aus: „Dafür verlangt der Reifen eine sensible Fahrweise bei Nässe und auf losem Untergrund.“

Offensichtliche Unterschiede, versteckte Gemeinsamkeiten

Dass es bei Lenker, Pedalen und Sattel zwischen den dreien kaum Gemeinsamkeiten gibt, liegt in der Natur der ergonomischen Sache. Hier zählen der individuelle Körperbau und das subjektive Empfinden, was „fast zwangsläufig zu sehr unterschiedlichen Aufbauten führt“, wie Velotraum-Geschäftsführer Stefan Stiener aus langjähriger Beratung weiß: „Am Ende interessiert den Fahrer doch nur eines: Sitze und pedaliere ich schmerzfrei oder zwickt etwas – die exakte Position und Ausgestaltung der drei Kontaktpunkte für Füße, Hände und Gesäß sind der Schlüssel dazu.“

Zurück zu den drei Bikes. Es lassen sich zwei weitere Parallelen ausmachen: Offenkundig ist, dass alle drei auf die wasserdichten Bikepacking-Taschen von Ortlieb zurückgegriffen haben. Die zweite versteckt sich im Detail: Alle sechs Laufräder wurden Tubeless mit Dot-Blue-Dichtmilch von Schwalbe montiert, um maximale Pannensicherheit zu bieten. Die drei brachten es auf der über 1.250 Kilometer langen Strecke auf genau einen Platten: Guido Harig hatte einen kapitalen Durchschlag, bei dem sich das Felgenhorn am Hinterrad derart verbog, dass aus dem Spalt Luft entwich; nach Montage eines Schlauches ging die Fahrt weiter. Zwischenzeitlich ist die Felge getauscht worden.

Abschließende Namensforschung

Hatte man bisher gedacht, dass sich der Name Finder auf Wege, Reisen und Abenteuer bezieht, so könnte einen auch der Gedanke beschleichen, dass es sich eigentlich um das Finden des idealen Rades handelt … oder gar beides!

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