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Olympiatechnik zum Einstiegspreis
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Donnerstag, 8. Juni 2017

„Einmal das Material der Profis fahren“, das wünscht sich wohl jeder Radfahrer. Für die meisten bleibt es ein Traum – Profi-Equipment spiegelt sich auch im Preis wider. Die Hersteller entwickeln jedoch fleißig Alternativen für den Hobbysportler. Preislich günstiger, qualitativ auf ähnlichem Niveau. Wie das funktioniert, erklärt der pressedienst-fahrrad.

[pd-f/ab, tg] Kein Marketingverantwortlicher hätte dieses Drehbuch besser schreiben können: Nino Schurter und Jenny Rissveds holen beide auf der wenige Wochen zuvor von Sram präsentierten Zwölf-Gang-Kettenschaltung „XX1 Eagle“ Einzelgold im Mountainbike-Rennen bei den Olympischen Spielen in Rio 2016. Bei der Markteinführung hatte das US-amerikanisch– deutsche Unternehmen vollmundig den Tod des Umwerfers am Mountainbike erklärt. Ein Kettenblatt sollte in Kombination mit einem großen Ritzelpaket und 500 Prozent Spreizung am Heck von nun an reichen, die unterschiedlichsten Bedürfnisse vom drahtigen Racer bis zum gemütlichen Alpen-Crosser zu befriedigen. Einschlägige Fachpublikationen wie MTB-News bestätigten schnell diese Aussagen: „Zwölf Gänge, Riesen-Bandbreite: Die Sram Eagle XX1 konnte bei ihrer ersten Test-Ausfahrt mit optimaler Performance überzeugen. Leichte Gangwechsel, vollständiger Kettenhalt auch auf ruppigen Trails und eine Bandbreite, die auch für absolut steilste Trails reicht und gleichzeitig größere Kettenblätter als vorher ermöglicht, haben uns begeistert“, war dort zu lesen. Schurter und Rissveds vergoldeten schließlich. Einzig der Preis von 1.524 Euro für die Zukunftstechnologie trieb manchem Hobbyfahrer die Schweißperlen schneller auf die Stirn als ein knackiger Anstieg auf dem MTB.

Günstige Eagle mit wenig Abstrichen

Mit dem heutigen Datum bringt Sram nun nach einjähriger Entwicklungsarbeit die Olympiasiegertechnik als „GX Eagle“ zum Jedermann-Preis von 499 Euro auf den Markt. Der Endverbraucher muss dabei erstaunlich wenig funktionelle Abstriche machen. Neben dem Verzicht auf die goldene Optik ist die günstige GX-Eagle-Gruppe genau 323 Gramm schwerer als ihre High-End-Schwester XX1 Eagle. „Das erklärt sich vor allem durch die Verwendung von Aluminium anstelle von Carbon, etwa an Kurbeln und Schalthebel“, verrät der MTB-Koordinator von Sram, Frank Ripper. Zusätzlich sei die Kassette nicht wie bei der teureren XX1 Eagle aus einem einzigen Stück Stahl gefräst, sondern aus mehreren Teilen zusammengesetzt, was natürlich aufs Gewicht drücke. Ansonsten verspricht der Hersteller ähnlich intuitive und sichere Schaltvorgänge wie beim Profiprodukt, schließlich habe man bei der Entwicklung strikt darauf geachtet, die Schlüsseltechnologien der XX1 auf die GX1 Eagle zu übertragen, so Ripper weiter.

Die Mischung der Profis

Die Technik der Profis für jedermann nutzbar zu machen, das hat sich auch der oberbergische Reifenhersteller Schwalbe auf die Fahnen geschrieben. Akribisch werden neue Entwicklungen zunächst im Profisport getestet und die Erkenntnisse später auf die Serienfertigung übertragen. „Zu diesem Zweck haben wir 2011 das sogenannte ‚First Ride‘-Programm aus der Taufe gehoben, erkennbar am markanten blauen Streifen auf der Lauffläche und dem gleichnamigen Schriftzug auf der Reifenflanke. Die Erfahrungen, die wir hier sammeln, sind für die Produktentwicklung unendlich wertvoll“, erklärt Doris Klytta, Marketingverantwortliche bei Schwalbe. Jüngstes Beispiel dieser Entwicklung sind etwa die neuen „Addix“ genannten Gummimischungen im MTB-Bereich. Je nach Einsatzzweck stehen vier Varianten oder fachsprachlich „Compounds“ zur Wahl, vom leicht rollenden „Speed Compound“ für Cross-Country-Rennen bis zum „Ultra Soft  Compound“, dem Grip-Monster für den Downhill-Bereich. „Unser neuer Soft-Compound ist gegenüber der alten Trail-Star-Mischung in allen Bereichen überlegen. Obwohl wir Rolleigenschaften und Haltbarkeit im Vergleich um bis zu 50 Prozent verbessern konnten, sind auch die Haftungs- und Dämpfungseigenschaften des neuen Compounds besser. Eigentlich eine Quadratur des Kreises. Das geht nur, wenn Forschung im Labor und Erprobung im Profisport Hand in Hand gehen“, freut sich Chefentwickler Markus Hachmeyer.

Getrieberevolution auf Reisen und im Gelände

Spitzensport einer anderen Art betreiben Radreisende und Weltumrunder. Bei ihren Touren auf den Pisten und Trails dieser Welt sind sie auf eine lange Haltbarkeit und hohe Qualität ihrer Begleiter angewiesen. Der Produktauswahl im Vorfeld der Reise kommt eine hohe Bedeutung zu, da Wind und Wetter gerade den feinmechanischen Kleinteilen zusetzen und Reparaturmöglichkeiten nicht an jeder Ecke zu finden sind. „Immer mehr Dauerradfahrer erkennen die Vorzüge von gekapselten Getriebeschaltungen, wie sie bei Motorrädern genutzt werden. Die Schaltungen sind besonders wartungsarm und überzeugen durch feine Gangabstufungen. Vorteile, die im Alltag für Pendler und Vielfahrer interessant sind, und selbst Profi-Mountainbiker überzeugen“, sagt Andrea Escher, PR-Referentin beim Zentralgetriebehersteller Pinion.

Das baden-württembergische Unternehmen begann seine Erfolgsgeschichte mit dem am Tretlager montierten Zentralgetriebe „P 1.18“, das bis heute das Premiumprodukt ist. Doch die wachsenden Ansprüche der Radfahrer brachten auch neue Getriebetypen mit zwölf Gängen für MTB-Fahrer bzw. neun Gängen für E-Biker und Pendler hervor.  Im letzten Jahr erfolgt für Pinion ein revolutionärer Schritt: Mit der „C-Linie“ wurde eine kostengünstige Variante zu den Premium-Modellen auf den Markt gebracht, die sich vom Funktionsprinzip nicht unterscheidet und mit wahlweise sechs, neun oder zwölf Gängen erhältlich ist. Der Unterschied: Das Gehäuse der C-Linie wird in einem aus der Automobilbranche bekannten Magnesium-Druckgussverfahren hergestellt.  „Das ermöglicht uns eine schnellere und günstige Reproduzierbarkeit“, erklärt Escher. Mit der C-Linie sind nun Fahrräder mit Zentralgetriebe zu Einstiegspreisen um 2.000 Euro denkbar. Einen Qualitätsverlust befürchtet man bei Pinion nicht: Die für die P-Linie gültige Fünfjahres-Garantie kann auch für die C-Linie abgeschlossen werden.

Von der Harley ans Stadtrad

In Kombination mit einem Riemenantrieb sind ausgefuchste Reiseradler über tausende Kilometer wartungsarm unterwegs. Riemen am Fahrrad klingt zwar sonderbar und man verbindet den Antrieb eher mit einer Harley Davidson. Doch die Alternative zur Kette ist bereits an Alltagsrädern ab ca. 1.000 Euro verfügbar. Möglich macht das ein „Trickle Down“ des Riemenspezialisten Gates. Beim günstigen „CDN“-Riemen, der im letzten Jahr erstmalig vorgestellt wurde, werden Polymer- anstelle von Polyurethan-Zusätzen verwendet. Außerdem werden die Edelstahlritzel der Riemenscheiben des höherwertigen „CDX“-Antriebs durch Kunststoff-Pendants ersetzt. „Während unsere CDX-Antriebe sich mit maximaler Laufleistung an Sportler und Weltreisende richten, passt das CDN-System vor allem auch preislich besser zum immer wichtiger werdenden Segment der Stadträder“, erklärt Frank Schneider von Gates Deutschland gegenüber dem pressedienst-fahrrad. Der CDN-Riemen koste etwa die Hälfte, halte aber laut Hersteller immer noch anderthalbmal so lange wie eine Kette und das ohne Öl oder andere Pflege. „Und was für die Profis gut ist, kann für die Amateure nicht schlecht sein“, weiß der ehemalige MTB-Downhill-Profi Schneider aus eigener Erfahrung.

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