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Arbeiten im Wald: Förster im E-Fat-Modus
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Donnerstag, 17. August 2017

Sieht man Biker im Wald, ist klar: Sie treiben Sport oder suchen Erholung. Wenn Martin Sorg mit dem Bike im Wald unterwegs ist, dann arbeitet er. Sorg ist Revierförster am Kindelsberg im Siegerland. Sein Arbeitgeber hat ihn und seine Kollegin Uta Birkhölzer als erste deutsche Förster mit E-Bikes als Dienstfahrzeug ausgestattet. Der pressedienst-fahrrad besuchte Sorg in seinem Revier und brachte ihm das E-Fatbike „Outfitter“ von Felt für eine Probefahrt mit.

[pd-f/gf] Martin Sorg liebt die Natur. Der Förster verbringt so gut wie jeden Tag draußen in seinem Revier. Eine Leidenschaft, die er mit Jim Felt gemeinsam hat. Der US-Amerikaner ist leidenschaftlicher Bogenjäger und betreibt sein Hobby mit viel Freude und Ausdauer. Felt suchte deshalb ein Gefährt, das ihn zügig und sicher vom Parkplatz in sein Jagdrevier bringt und ihm im Revier einen lagen, großen Aktionsradius eröffnet. Quads sind beliebt, aber auf schmalen Wegen ungeeignet und zudem in vielen Nationalparks wegen ihren Verbrennungsmotoren verboten. Zufällig ist Felt auch der Firmengründer des nach ihm benannten Fahrradherstellers. Deshalb seine Lösung: ein Fahrrad. Oder noch besser: ein E-Bike. Herausgekommen ist der „Outfitter“ (4.199 Euro). Ein elektrifiziertes Fatbike mit integrierten Gepäckträger vorne und hinten für das Abenteuer im Wald. Radfahren ist die zweite Leidenschaft, die Felt und Sorg eint. Der Förster ist bundesweit einer der ersten seiner Zunft, der ein E-Bike als Dienstfahrzeug nutzt. Damit streift er durch die heimischen Wälder im beschaulichen Siegerland. Die Region ist mit vielen kleinen und größeren Hügeln oftmals nur grob befestigten Waldwegen und schmalen Pfaden mit teils giftigen Steigungen ein ideales Mountainbike-Revier. Martin Sorg ist deshalb unser Mann, um dem Fat-E-Bike Outfitter einen ausgiebigen Praxistext zu unterziehen.

Für Jäger – vom Förster getestet

Wir ergänzten das Rad für den Forst-Einsatz um einen geländegängigen Einspuranhänger, so wie es Jim Felt für seine bis zu zehntägigen Jagdtouren ebenfalls tut, clippten ein paar wasserdichten Packtaschen von Ortlieb an die Gepäckträger (z. B. „Back Roller Classic“ / 179,95 Euro pro Paar) und machten uns auf den Weg ins Siegerland. Dabei war uns durchaus mulmig zu mute, schließlich können Förster und Fahrräder im Wald in der öffentlichen Wahrnehmung eine durchaus toxische Kombination sein. In ihrem Verhältnis zueinander bündelt sich das Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Freizeitgestaltung und Waldwirtschaft.

Des Försters Bike-Faszination

Wir treffen Martin Sorg an seinem Forsthaus in Ortsteil Littfeld, seine Kollegin Uta Birkhölzer erscheint genau in dem Moment, als die Kaffeemaschine die erste duftende Kanne freigibt. Der selbstgebackene Kuchen sorgt für ein vorzügliches zweites Frühstück. Von Rivalität zwischen Förstern und Bikern keine Spur. Dennoch ist schnell klar, Förster Sorg schaut mit einem professionellen Blick aufs Rad. Kindliche Freude oder das Leuchten in den Augen, die den Bike-Freaks entlarven, sind ihm fremd. Stattdessen pragmatische Sätze wie dieser: „Während ein ausgewachsener Dienstwagen auf 100 Kilometern rund 13 Euro benötigt, nur um den Tank wieder zu füllen, begnügt sich das E-Bike mit Strom im Wert von 25 Cent.“

Erfolgsfaktor Reisegeschwindigkeit

Es geht auf die Räder. Sorg gibt dem Outfitter die Sporen und erreicht auf der ansteigenden Straße trotz beträchtlicher Beladung schnell eine Reisegeschwindigkeit knapp unter der 25 km/h-Schwelle, bei der sich der Motor automatisch abschaltet. Binnen weniger Minuten überqueren wir die Asphaltgrenze und sausen über Forstwege zum Waldrand. Zwei flinke Abbiegemanöver später, Sorg und das E-Fattie sind offenkundig Freunde geworden, befinden wir uns auf schmaleren Pfaden: „Das sind Verbindungswege, die schon vor Jahrhunderten für den Erztransport genutzt wurden“, erklärt Kollegin Birkhölzer, „mit einem Dienstwagen sind die nicht befahrbar“.

Immer das gleiche: die Sorge um die Reichweite

Die Reichweite der E-Bikes ist nach Erfahrung von Sorg im Mittelgebirge und auf Schotter zwar deutlich geringer als im Flachland, sei „aber mit 35 bis 50 Kilometern ausreichend für arrondierte Reviere. Ein Drittel aller Revierkilometer lege ich mit dem E-Bike zurück“, bilanziert er.

Scheibe weg = Kontakt da!

Vorbei die Ruhe im Forst. Kettensägen hallen durch die Baumkronen. Wir treffen auf Manfred und Herbert Hellner sowie Dirk Schmitt. Die drei Waldarbeiter, begrüßen Sorg sauerländisch trocken und gleichzeitig herzlich. Kritisch beäugen sie den Breitreifen-Boliden. Der Förster meint: „Darauf haben wir gerade alles verladen, was ich heute brauche und wo ich damit hinfahre, kommt ihr mit eurem Geländewagen noch lange nicht durch.“ Alle richten ihre Blicke wieder auf die Landkarte. Ein für den Außenstehenden nahezu unverständliches Fachgespräch beginnt. Nach wenigen Minuten fahren wir weiter. Die Reaktionen der Waldbesucher, -besitzer und Kollegen sind überwiegend positiv. Birkhölzer stellt fest: „Ich habe mehr Kontakt zu Waldbesuchern als aus dem Auto heraus. Oft werde ich direkt angesprochen. Daraus ergeben sich immer wieder Gespräche über den Wald und die Forstwirtschaft.“

E-Bike: Des Waldmanns Heil?

Im E-Bike finden persönliche Vorlieben mit betrieblichen und ökologischen Vorteilen zusammen, ist Sorg überzeugt. Da wäre der niedrige CO2- Ausstoß. „Der wird zwar nicht die Welt retten, ist aber ist ein Signal für Elektromobilität im Arbeitsalltag. 270 g/km im Geländewagen gegen 0,006 g/km beim E-Bike. Und wenn die benötigte Energiemenge aus Ökostrom stammt, ist die Umweltbilanz eigentlich unschlagbar.“ Forst-Frau Birkhölzer ergänzt: „Darüber hinaus besteht keine Gefahr durch austretendes Benzin oder Öl.“ Zwar sei man im Außendienst im Vergleich zum Innendienst körperlich deutlich mehr in Bewegung, trotzdem würden die Fahrzeiten im Auto immer länger. „Beim Thema Fitness bekommen die E-Bikes daher nochmal ein dickes Plus.“

Ideal: Breite Reifen für schmale Wege

Die vier Zoll breiten „Jumbo Jim“-Reifen von Schwalbe (ab 82,90 Euro pro Reifen) am Outfitter belegen fast die komplette Breite des schmalen Pfades, den wir gerade als direkte Verbindung zwischen zwei Wanderwegen nehmen. Der Outfitter spielt seine Reifenbreite und Motorkraft vortrefflich aus. „E-Bikes haben im Gelände ihre Vorteile“, meint Sorg: „Gegenüber einem Auto können wir auch sehr schmale Wege befahren, so verkürzen sich die Fahrstrecken um bis zu 30 Prozent.“ Vor allem nach Unwettern ließen sich die umgestürzten Bäume auf den Wegen einfach umfahren oder -tragen.

Die Argumente wechseln die Seite

Überhaupt sei das E-Bike als Förster-Fahrzeug eine sichere Sache, langes Zurücksetzen in Stichwegen und Wendemanöver an unübersichtlichen Stellen entfallen, so Sorg. „Am häufigsten treten Schäden an Dienstfahrzeugen durch Unfälle beim Rückwärtsfahren auf.“ Auch die Wahrnehmung für Geräusche und Gerüche und das Sichtfeld verbessere sich auf dem Bike. „Man ist mit allen Sinnen einfach näher dran am Lebensraum und Arbeitsplatz Wald“, so das einstimmige Plazet der beiden Forstleute. Insgesamt meint Birkhölzer ist das „E-Bike besonders geeignet bei Kontrollfahrten nach Kalamitäten, Kulturkontrollen und Fahrten im Rahmen der Wirtschaftsplanung.“ Outfitter und Co. punkten bei den Beiden nicht nur im Vergleich zum Auto, sondern auch gegenüber dem Laufen: „Mein Aktionsradius ist deutlich größer, ich bin schneller und meine Ausrüstung muss ich auch nicht schleppen.“ Nur bei gemeinsamen Revierfahrten mit Waldbesitzern, Anwärtern oder Praktikanten sei der Dienstwagen weiterhin unersetzlich und gleiches gelte bei Regen, Schnee und starker Kälte.

Fazit

„Wenn die Bereitschaft vorhanden ist, lassen sich E-Bikes erfolgreich und ökonomisch im Revier einsetzen. E-Bikes sind eine in allen Belangen sinnvolle Ergänzung der Revieraustattung. Und wenn sie so gut gemacht sind wie das Outfitter, dann machen sie auch noch Spaß“, fasst Förster Sorg seine Tagesfahrt zusammen. Jim Felt werden diese Worte freuen. Bei der Gelegenheit: Der Vorsteher einer Waldgenossenschaft hat bei Sorg schon angemeldet, für die nächsten Waldbegehung sein E-Bike mitzubringen.

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