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Kleine Helfer mit viel Funktion
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Freitag, 20. Oktober 2017

Ohne passendes und vielseitig einsetzbares Werkzeug muss heute niemand mehr aufs Rad steigen. Der pressedienst-fahrrad präsentiert eine kleine Typenkunde der Minitools.

[pd-f/ht] Haben auch Sie noch einen Fahrradknochen im Keller? Wer sich jetzt fragt, seit wann Fahrräder ein Skelett haben, kennt ihn wohl nicht mehr, den Zehnloch-Schlüssel für jene Sechskantschrauben und -muttern, die einst so ziemlich jede Schraubverbindung am Rad ausmachten. Doch für den Knochen und seinen platten Verwandten, den Mehrzweckschlüssel aus Flachstahl, gibt es heute nichts mehr zu tun. „Am modernen Fahrrad findet sich im Grunde keine Sechskantmutter mehr“, erklärt Stefan Scheitz vom Großhändler Sport Import. „Die einzige Ausnahme bilden Nabendynamos, beziehungsweise Getriebenaben mit Vollachse. Erwähnen sollte man vielleicht noch günstigere Pedale, die einen 15er-Maulschlüssel benötigen.“

Seit 1950 auf dem Vormarsch

Fast überall sonst hat inzwischen der Innensechskant die Regie übernommen, auch als „Inbus“ bekannt – kurz für „Innensechskantschraube Bauer & Schaurte“. „Seit den Fünfzigern gibt es Senkkopfschrauben für Inbusschlüssel“, erklärt Daniel Gareus von Cosmic Sport in Fürth, von wo aus in Deutschland die Werkzeuge des US-Herstellers Pedro’s vertrieben werden. Inzwischen haben Inbusschrauben die klassischen Sechskantmuttern vollständig verdrängt – und sind mittlerweile neuerdings selbst in Bedrängnis: Die Torxschraube („Sechsrund“) setzt sich an Highend-Bauteilen zunehmend durch, denn sie ermöglicht flächige statt punktueller Kraftübertragung – was die Lebensdauer der Schraubenköpfe deutlich erhöht. Nicht zuletzt gibt es hier und da am Fahrrad, etwa an Schaltwerk und Umwerfer, auch noch die eine oder andere Kreuzschlitzschraube.

Praktisch: Schlanke Schlüssel

Da alle drei Schraubenarten mit schlanken Schlüsseln bedient werden, liegt es natürlich nahe, diese in einem kompakten Werkzeug zu bündeln – dem Minitool. In der Basisvariante, wie sie etwa das „Folding Hex“ (15,99 Euro) von Pedro’s darstellt, sind Inbusschlüssel der Größen drei bis sechs Millimeter an Bord, ein Flachschraubendreher und der üblichste Torx in Größe T25. „Mit diesem Minitool kann man bereits eine Menge Einstellungen am Fahrrad vornehmen“, erläutert Gareus. „Lenker und Vorbau justieren, Sitzhöhe einstellen, Pedale montieren oder Schaltung nachstellen.“ All jene Dinge also, die auf einer normal verlaufenden Radtour anfallen – doch was ist, wenn unterwegs mal wirklich etwas kaputtgeht? Bei Lezyne heißt die Lösung „RAP-21“ (34,95 Euro): Das Werkzeug, das dank Aluminium-Seitenplatten gut in der Hand liegt, ist zusätzlich zu den üblichen Inbus- (2−8 mm) und Torxschlüsseln mit zwei Speichenschlüsseln, einem Reifenheber, einem Kettennietwerkzeug, einem Bremsbelagspreizer und einem Pedalschlüssel ausgerüstet. Die Variante mit dem Namenszusatz „CO2“ weist auf eine weitere Funktion hin: den integrierten Ventiladapter zum Aufpumpen per Druckluftpatrone.

Mini oder Multi oder beides?

Mit knapp 180 Gramm Gewicht ist das RAP-21 kein echtes Minitool mehr, dafür aber ein vollwertiges Multitool, das sich gut im Satteltäschchen oder im Bike-Rucksack befördern lässt. „Großer Funktionsumfang geht auch leicht und flach“, erklärt Stefan Scheitz von Sport Import. Die Eigenmarke des Vertriebs, Voxom, hat das Modell „WKl9“ für 29,90 Euro im Angebot. Bei nur 140 Gramm bringt es ganze 22 Funktionen mit. Wirklich „Mini“ wiederum kommt das „WKl7“ (11,95 Euro) daher – mit den vier wichtigsten Werkzeugen, Inbus 4, 5 und 6 sowie Torx T25 wiegt es nur 46 Gramm.
Apropos: „Ein neues Rad kann auch neues Werkzeug bedeuten: Wer moderne Elf- oder Zwölfgang-Kettenschaltungen nutzt, sollte sicherstellen, dass der Kettentrenner am Multitool mit schmaleren Ketten kompatibel ist“, empfiehlt Tobias Erhard vom Komponentenhersteller Sram. Selbst wenn man persönlich noch auf den alten Neun- oder Zehnfach-Standard setzt, komme es ja auch vor, dass man einem Mitfahrer mit ganz neuer Technik aushelfen müsse.

Die Spezialisten unter den Minis

In dieser Hinsicht kann auch das „Multitool“ des Reifenspezialisten Schwalbe (19,90 Euro) hilfreich sein: Mit Schlüsseln zum Ein- und Ausdrehen von Ventileinsätzen ist es äußerst hilfreich, wenn man einen Tubeless-Reifen mit Pannenmilch befüllen muss oder wenn ein aufgeschraubter Pumpenkopf das Ventil gelockert hat. Die üblichen Torx- und Inbusschlüssel bringt der leichte Winzling auch gleich mit.
Speziell an Fully-Fahrer wendet sich der „Toolmanator-16“ (44,95 Euro) von Blackburn, denn dieses Werkzeug ist sogar mit einer kleinen Not-Luftpumpe ausgestattet – freilich einer für Luftfedergabeln und -dämpfer, nicht zum Reifen aufpumpen. „Wer auf der Biketour den Dämpferdruck regulieren muss, braucht normalerweise eine Dämpferpumpe – da ist das Blackburn-Tool eine platzsparende Alternative“, urteilt Vincent Stoyhe vom Mountainbike-Hersteller Nicolai.
Überhaupt sind Tools mit Spezialanwendungen, sprich Alleinstellungsmerkmalen, sehr beliebt bei den Herstellern. Von Pedro’s etwa gibt es das Tool „Tülio“ (59,99 Euro), das anstelle eines Hinterradschnellspanners am Fahrrad montiert wird. Im Griff finden sich dann acht Werkzeuge inklusive Kettennieter und Nippelspanner. Ein Miniwerkzeug ganz anderer Art hat die Marke von MTB-Legende Tom Ritchey im Programm: Der „Torque Key“ (24,99 Euro) ist ein handlicher, auf wahlweise vier oder fünf Newtonmeter geeichter Drehmomentschlüssel; mitgeliefert werden sechs Bits zum Aufstecken. „Praktisch ist das etwa bei der ersten Fahrt mit einem neuen Rennrad“, findet Cosmic-Mann Gareus. „So kann man unterwegs auch Carbonteile wie Vorbau, Lenker und Sattelstütze exakt justieren, ohne Gefahr zu laufen, mit falschen Drehmomenten aus dem Handgelenk die Komponenten oder gar den Rahmen zu beschädigen.“

Schick und nützlich

Einfache Minitools werden heutzutage schon mal als Werbegeschenk vergeben. Wer sich und anderen eine Freude machen will, greift zu einem edleren Exemplar. Ledersattel-Ikone Brooks etwa bringt mit dem „MT21“ (59 Euro) ein Multitool in Steampunk-Anmutung, das mit einer eleganten Lederhülle geliefert wird und natürlich einen speziellen Ringschlüssel zum Nachspannen von Kernledersätteln aufweist.
Moderner gestaltet, dabei ebenso vielseitig und konfigurierbar sind die „Block Tools“ (ab 19,95 Euro) von Lezyne, die in drei Versionen angeboten werden, nämlich Inbus, Torx und Multifunktion. Wer alle drei erwirbt, kann sich aus den verfügbaren Funktionen sein individuelles Tool zusammenstellen, passgenau zum eigenen Fahrrad.

Werkzeug-Highend allerorten also – da ist es schön zu sehen, dass es auch in der Ära von Torx und Inbus etwas für den Freund der guten alten Sechskantschraube gibt: Speziell für Fixie- und Singlespeed-Fahrer bietet Werkzeugspezialist Pedro’s den „Trixie Chrome“ (37,99 Euro) aus fünf Millimeter starkem Werkzeugstahl an. Dieser verfügt über einen 15er-Ringschlüssel für Achsmuttern sowie einen Hakenschlüssel für die Sicherungsringe von Schraubritzeln. Dazu kommen ein Inbus-Einsatz sowie Schlüssel für Achter- bis Zehner-Sechskantschrauben. Das Beste aber: Mithilfe der mitgelieferten Flügelschrauben kann man das sanft geschwungene Werkzeug an den Flaschenhalterbohrungen des Rahmens befestigen. Endlich mal ein schönes Multitool, das weder in der Trikottasche noch im Bike-Rucksack verschwinden muss – und das auch ein ganz kleines bisschen an den guten alten Knochen und seinen flachen Verwandten erinnert …


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