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Birgit Greif: „Man braucht Visionen, Leidenschaft und Qualifikation!“
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Freitag, 26. November 2021

Die Fahrradbranche ist klimafreundlich, nachhaltig, zukunftsorientiert, aber (noch) nicht weiblich. Dabei bietet sie für Frauen verschiedene Berufsfelder, die über die traditionelle Fahrradmechanikerin hinausgehen. In einer Serie stellt der pressedienst-fahrrad ausgewählte Berufe aus der Zweiradbranche und die Frauen dahinter vor. Heute: Birgit Greif. Die 54-Jährige ist seit knapp einem Jahr Brand-Managerin beim Fahrradhersteller Winora, kann aber auf viele Jahre Erfahrung in der Branche zurückblicken.

(pd‑f/tg) Was sind die Mobilitätstrends der Zukunft? Die Frage, die sich Wissenschaftler:innen weltweit stellen, ist auch wesentlicher Bestandteil der Arbeit von Birgit Greif. Die 54-Jährige ist Brand-Managerin beim traditionsreichen Schweinfurter Fahrradhersteller Winora. Ihr Aufgabenfeld: Trends erkennen und darauf basierend Produkte erarbeiten, die den alltäglichen Ansprüchen von Radfahrer:innen gerecht werden. „Meine Aufgabe besteht dabei nicht in den technischen Entwicklungen. Ich sehe mich darin, Emotionen für ein Produkt zu wecken – sei es über praktische Features, optische Merkmale oder einfach trendige Farben. Ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit ist dabei auch, Vermarktungskonzepte zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Zielgruppen abgestimmt sind“, beschreibt Greif. Das Schönste für sie sei, wenn sie Endverbraucher:innen entdeckt, die auf von ihr entwickelten Rädern unterwegs sind. „Meine Vision auf der Straße Wirklichkeit werden zu sehen, ist einfach toll. Dieses Erlebnis bekommt man nicht in vielen Branchen“, so Greif.

Diverse Teams bringen Unternehmen weiter

Der enge Austausch mit der Entwicklungs- und Marketingabteilung sowie weiteren Teammitgliedern ist für ihre tägliche Arbeit wesentlich. „Ich liebe es, im Team zu arbeiten. Der Austausch bringt mich weiter“, sagt sie. Ein diverses Team bietet aus ihrer Sicht dabei viele Vorteile. „Frauen und Männer, alt und jung, unterscheiden sich bei der Fahrradnutzung. Je nach Alter und Lebenssituation setzt man andere Prioritäten. Das muss im Team diskutiert werden, auch wenn es dabei einmal zu Reibungen kommt“, so Greif. Deshalb findet sie es super, dass immer mehr Frauen in die Branche kommen und auch wichtige Positionen einnehmen. Bei der Accell Group, dem Mutterkonzern von Winora, sei man auf einem guten Weg, den Frauenanteil zu erhöhen: „Ich finde jedoch, das Geschlecht ist nicht das alles Entscheidende. Man braucht viel mehr Visionen, Leidenschaft und Qualifikation. Ich freue mich allerdings schon, dass immer mehr Frauen diese Kompetenzen mitbringen und einen Job in der Fahrradbranche übernehmen.“

Erfahrung durch eigene Fahrradmarke

Früher waren Frauen in der Branche noch selten, wie sie aus persönlicher Erfahrung weiß. Birgit Greif bekam 1993, nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre, ihren ersten Job in der Marketing-Abteilung des Fahrradherstellers Staiger. Der Grundstein für die Fahrradleidenschaft wurde jedoch früher gelegt: „Meine Familie hatte einen Fahrradgroßhandel mit Fahrrädern und Fahrradteilen. Ich bin dann nach den Anfängen bei Staiger in das heimische Unternehmen gewechselt, stellte aber schnell fest, dass nur Ein- und Verkauf nichts für mich ist. Irgendwann kam die Idee auf, meine eigene Fahrradmarke zu gründen – was ich dann auch umsetzte“, so Greif, die von Kindesbeinen an auf das Fahrrad als alltägliches Verkehrsmittel setzt. Für ihre Fahrradmarke Green’s entwickelte sie neue Kollektionen, erarbeitete mit einem Techniker die Umsetzung in der Praxis, übernahm Aufgaben im Einkauf und kümmerte sich um das Marketing. „In der Fahrradbranche kann man etwas bewegen und hat viele Freiheiten für Kreativität und Gestaltung. Das schätze ich sehr“, so die Entwicklerin, die bis heute von diesen Erfahrungen profitiert.

Frau und Technik? Und wie das geht!

Manche davon waren jedoch auch weniger positiv, gerade wenn es um gesellschaftliche Missstände geht. „Bei Publikumsmessen und Events kam es oftmals vor, dass männliche Kunden an meiner technischen Kompetenz zweifelten, obwohl ich weit mehr Ahnung hatte als sie. Sie hatten das Vorurteil: Frau und Fahrradtechnik passt nicht“, so Greif zu ihren Erlebnissen. In ihrem Team hingegen musste sie gegen solche Vorbehalte nicht ankämpfen. „Die technischen Details habe ich mir erklären lassen, aber für mich war es immer wichtiger, Emotionen und Erfahrungen in die Entwicklung mit einzubeziehen – und das wird vom Team geschätzt“, so Greif.

Dieser Job wird nicht langweilig

Zum Jahresbeginn 2021 übernahm sie den Posten der Brand-Managerin beim Hersteller Winora und kümmert sich zusätzlich weiterhin um ihre eigene Marke, die ebenfalls unter dem Accell-Dach rollt. Mit ihrer neuen Funktion kommen aber auch neue Aufgaben hinzu, wie Transporträder, Digitalisierung, Vernetzung und auch Rahmenkonstruktion. „Viele Sachen sind neu und bringen wichtige Aufgaben mit. Es macht einfach Spaß, die Mobilität mitzuprägen“, so Greif. Dabei lernt sie auch nicht aus und findet in der Branche immer wieder aufs Neue spannende Facetten. „Als Norddeutsche war ich vor kurzem zum ersten Mal richtig mountainbiken. Das macht unheimlich Spaß und ich werde das sicherlich in der Zukunft noch vertiefen“, freut sich Greif auf die kommende Zeit.

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