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E‐Bike‐Zubehör: Sinnvoll oder nur Marketing?
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Samstag, 7. Juli 2018

Das E‐Bike macht auch vor dem Zubehörmarkt nicht halt – das zeigen die aktuellen Trends der Welleitmesse Eurobike. Doch viele Nutzer sind skeptisch und vermuten hinter speziellen Reinigern oder Sätteln für E‐Bikes mehr Marketing als Funktion. Der pressedienst‐fahrrad hat bei Herstellern nachgefragt und zeigt, warum spezifische E‐Bike‐Produkte in vielen Fällen tatsächlich sinnvoll sind.

[pd‐f/tg] Das Geschäft mit E‐Bikes boomt. Allein 2017 wurden laut Zweirad‐Industrie‐Verband 720.000 Räder mit Elektroantrieb in Deutschland verkauft. Bei einem derartigen Volumen möchten auch die Zubehöranbieter ein Wörtchen mitreden. Dafür werden stetig neue Produkte mit einem „E“ am Anfang verziert. Vom E‐Bike‐Reifen über den E‐Bike‐Helm und E‐Bike‐Sattel bis hin zum E‐Bike‐Reiniger: Es gibt nichts, was es nicht für E‐Bikes gibt. „Der Fahrradmarkt ist im Wandel und die Elektromobilität nimmt immer mehr Platz ein. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig dem Markt zu öffnen und spezielle Produkte für die steigenden Anforderungen der E‐Biker zu präsentieren“, fasst Philipp Elsner‐Krause, Geschäftsführer von Fahrer Berlin, die aktuelle Entwicklung zusammen.

E‐Biker können besser sehen

Dabei können auch Gesetzesänderungen die Neuheiten beeinflussen, wie es das Beispiel der Fahrradbeleuchtung zeigt. Seit der Abschaffung der Dynamopflicht 2013 darf E‐Bike‐Beleuchtung aus dem Antriebs‐Akku gespeist werden. Ein zusätzlicher Nabendynamo ist nicht mehr erforderlich. Für die Entwickler bedeutete dies neue Herausforderungen. Während ein Nabendynamo sechs Volt Wechselspannung liefert, verfügt der E‐Bike‐Akku über eine nicht genormte, systemabhängige Gleichspannung. „Für den E‐Bike‐Akku‐Betrieb sind darum spezielle Scheinwerfer notwendig, die dank eines Spannungswandlers mit verschiedenen E‐Bike‐Antrieben kompatibel sind“, erklärt Sebastian Göttling von Busch & Müller. Mittlerweile hat das Unternehmen sieben Scheinwerfer und drei Rücklichter mit einem „E“ versehen. Top‐Modell ist der „IQ‐X E“ (149,90 Euro), ein Scheinwerfer mit 150 Lux Beleuchtungsstärke. „Durch die elektrifizierten Räder ergeben sich für uns neue Möglichkeiten bei der Lichtentwicklung, die mit gängigen Dynamos oder Batterien nicht möglich wären. 150 Lux sind ein Top‐Wert am Markt und sorgen für eine hervorragende Ausleuchtung bei Dunkelheit“, freut sich Göttling. Zur diesjährigen Eurobike erfolgt der nächste Sprung in der Entwicklungsstufe: ein E‐Bike‐Scheinwerfer mit Fernlicht. Wie beim Auto kann beim „IQ‐XM“ (199 Euro) per Knopfdruck ins Fernlicht geschaltet werden. Diese Option beim Fahrradlicht ist seit letztem Jahr gesetzlich erlaubt. „Der E‐Bike‐Markt ist in Bewegung. Durch neue Regelungen und Verbesserungen der Technik sind auch wir gefordert, uns den aktuellen Situationen anzupassen“, so Göttling.

Langlebig durch Schutzmaßnahmen

Eine Herausforderung, der sich auch Philipp Elsner‐Krause und seine Kollegen jedes Jahr aufs Neue stellen müssen. Seit 2012 ist E‐Bike‐Zubehör eine tragende Säule im Firmenkonzept von Fahrer Berlin. Das Angebot umfasst Schutzhüllen für Akku, Motor und Display, einen speziellen Spritzschutz oder Neoprenhüllen für die elektronischen Kontakte bei entnommenem Akku. „Eine neue Herausforderung sind z. B. E‐Bikes mit einem in das Unterrohr integrierten Akku. Wir haben für dieses Jahr ein Schutz‐Cover entwickelt, das auch diese Akkus vor Kälte schützt und einen Leistungsabfall verhindert“, erklärt Elsner‐Krause. Aufgrund des hohen Anschaffungspreises von Elektrorädern habe sich das Bewusstsein der Radfahrer geändert, sagt er, und man sei gewillt, mehr in passendes Zubehör zu investieren als früher. „E‐Biker möchten vor allem eines: möglichst lange Freude an ihren Rädern haben. Deshalb legen sie steigenden Wert auf kleine Helfer, die im Alltag die Nutzerfreundlichkeit verbessern“, kann Elsner‐Krause feststellen. Zum einfachen Transport von Ladegerät, Display oder auch Ersatz‐Akku auf dem Weg ins Büro bietet Fahrer Berlin mit der „E‐Bag“ (69 Euro) sogar eine spezielle, gepolsterte E‐Bike‐Tasche an. Und mit der neuen „E‐Mate“ (119,99 Euro) bringt Taschenspezialist Ortlieb eine erste wasserdichte Packtasche speziell für E‐Bike‐Fahrer. Sie verfügt über einen verstärkten Innenraum mit einem aufrechten, gepolsterten Extrafach für den Akku und einem speziellen Fach für das Display. Radreisenden bietet sich so die clevere Möglichkeit, einen Ersatz‐Akku mitzunehmen. „Radreisen mit dem E‐Bike werden immer gefragter. Für mehr Reichweite ist ein Zweit‐Akku absolut sinnvoll. Aber auch im alltäglichen Gebrauch kann man so seinen Akku und sein Display einfach und sicher abseits des Rades transportieren“, erläutert Firmensprecher Peter Wöstmann die Ortlieb‐Neuentwicklung.

Praxistests fließen in Entwicklung ein

Ein Vorteil für die Produktentwickler: Während es am Anfang noch kaum praktische Erfahrungen mit E‐Bikes gab, können mittlerweile reichlich Rückschlüsse aus den Alltagserfahrungen der Nutzer gezogen werden. So basiert die Entwicklung des E‐Bike‐spezifischen Sattels „E‐Zone“ (89,90 Euro) bei Selle Royal auf einer breit angelegten Nutzerstudie. „Das Ergebnis ist ein Sattel, der für ein wirkliches Plus an Sicherheit und Komfort für E‐Biker steht“, erklärt Lara Cunico vom Hersteller. Auffälligstes Merkmal ist ein Griff an der Rückseite, der das Anheben und Umsetzen des Rades vereinfachen soll. Außerdem verfügt der Sattel über eine kurze Nase sowie ein längeres, stark hochgezogenes Hinterteil und kräftige Flügel. Damit soll ein sicherer Sitz beim Beschleunigen errreicht werden.
Wachsende Erfahrungswerte spielten auch bei der neuen E‐Bike‐Kette „e101 EPT“ (55 Euro) von KMC eine wichtige Rolle. Mit stattlichen 10.000 Kilometern Mindestlaufleistung wirbt der Kettenspezialist. Dafür hat das Unternehmen eine spezielle galvanische Behandlung der Stahlrohlinge entwickelt, aus denen erst hernach die Kette zusammengesetzt wird. Dieses Verfahren ist auch aus der Automobilindustrie bekannt und soll für eine längere Haltbarkeit sorgen. „E‐Bikes stellen gerade die Antriebskomponenten vor viel höhere Belastungen als Fahrräder. Das ist nichts Neues. Diese neue Fahrradkette aber sorgt nun, in Verbindung mit den passenden Ritzeln, für eine einfach als Upgrade zu verbauende Lösung, die E‐Bikern Ruhe bringt und Geld spart“, erklärt Tobias Spindler von Messingschlager, dem deutschen KMC‐Vertrieb.

Reifen ist nicht gleich Reifen

Reifen ist nicht gleich Reifen
Stärkere Belastungen durch höheres Radgewicht und größere Geschwindigkeiten wirken auch auf die Reifen. „Zwar schreibt der Gesetzgeber keine speziellen Reifen für Pedelecs mit Tretunterstützung bis 25 km/h vor, aber wir empfehlen, nur jene Reifen zu nutzen, die von uns als ‚E‐Bike Ready‘ gekennzeichnet sind“, rät Doris Klytta, Sprecherin beim Reifengiganten Schwalbe. Die neuen E‐Bike‐Reifenmodelle haben eine spezielle Gummimischung und eine stabilere Karkasse im Vergleich zu Nicht‐E‐Bike‐Reifen. Dadurch sollen Traktion und Sicherheit in Kurven und am Berg sowie Stabilität und Kontrolle erhöht werden. „Ein geringer Rollwiderstand ist ebenfalls äußerst praktisch, da dadurch Energie gespart werden kann – das zeigt sich schnell in der Reichweite“, macht Klytta deutlich. Doch Schwalbe geht bei der Entwicklung noch weiter: Bei E‐Mountainbike-Reifen kommt eine sogenannte „Super Gravity“-Karkasse zum Einsatz. Fünf Gewebelagen auf der Lauffläche und vier an der Seitenwand schützen zuverlässig vor Pannen und Durchschlägen. Zusätzlichen Schutz – besonders bei niedrigem Reifendruck – bieten ein Apexund eine Snakeskin‐Seitenwand. „Der Reifenwechsel beim E‐Bike ist meist etwas komplizierter als beim normalen Rad. Deshalb ist ein hoher Pannenschutz für alle E‐Bike‐Reifen wünschenswert. Das leichte Mehrgewicht dieser Sicherheit ist beim E‐Bike eher zu verschmerzen“, erklärt Klytta. Für einen besseren Überblick über das gesamte E‐Bike‐Reifen‐Portfolio hat Schwalbe eine eigene Webseite (https://www.e-biketires.com/de/) gestartet.

Der Helm für den E‐Biker

Für Reifen von S‐Pedelecs, die zur Gruppe der Kleinkrafträder zählen, gibt es darüber hinaus mit der ECE‐R75 eine europaweite gesetzliche Vorgabe. Bei S‐Pedelec-Fahrern kommt noch hinzu, dass sie einer Helmpflicht unterliegen.
Eine Richtlinie für Helme für speziell diese Radgattung ist bislang jedoch nur in den Niederlanden vorhanden; sie heißt NTA8776. Fachleute erwarten allerdings, dass diese Richtlinie EU‐weit zur Geltung kommen wird. Beim Sicherheitsspezialisten Abus ist man darum vorbereitet und hat den Helm „Pedelec+“ (139,95 Euro) vorgestellt. Die stoßdämpfende EPS‐Schicht ist dicker als bei herkömmlichen Modellen und der Schläfen‐ und Nackenbereich ist besonders tief heruntergezogen. Somit erfüllt der Helm die Vorgaben der niederländischen Regelung. „Gerade die höheren Geschwindigkeiten der S‐Pedelec‐Fahrer müssen bei der Entwicklung der nötigen Schutzfunktion berücksichtigt werden. Die weitere Herausforderung ist die richtige Belüftung, denn anders als bei einem Moped tritt man ja noch in die Pedale, damit das Rad sich bewegt“, gibt Torsten Mendel von Abus Einblicke in den Entwicklungsprozess des E‐Bike‐Produktes.

Fazit

Sicherlich gibt es einiges an E‐Bike‐Zubehör, gerade im günstigen Einsteigersegment, dessen Mehrwert für Elektroradler fraglich ist. Doch wie gezeigt, haben viele Produkte bei genauerem Hinsehen einen wertvollen Zusatzzweck. So auch, selbst wenn man es nicht glauben mag, der „E‐Bike‐Reiniger“ (16,95 Euro) von Tunap Sports. Durch seine Rezeptur soll er schonender für Kontakte und Kunststoffteile wie Dichtungen oder Kabel sein als gängige Reiniger oder Spülmittel. Ob man den biologisch abbaubaren Reiniger auch wirklich braucht, darf – wie bei allen anderen E‐Bike‐Produkten auch – der E‐Biker selbst entscheiden.

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