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Typenkunde – Tandem
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Tandems: Treten im Duett

Meist sieht man sie im Urlaub am Meer: gemütliche Miet-Tourenräder für zwei, mit denen Erholung suchende Paare trotz stetigen Windes und unterschiedlicher Fitness wunderbar gemeinsam radeln. Dass so etwas auch im Alltag Zuhause sinnvoll sein und beim Sport viel Spaß machen könnte – darauf kommen nur wenige. Doch sei es für die Freizeit oder aus praktischen Erwägungen: Tandems tauchen überall und immer wieder auf, sie machen Spaß und bergen einiges an Mobilitätspotenzial für die Zukunft.

Ein Tandem ist ein Rad für zwei Personen; Noch-mehr-Sitzer werden von Fachleuten „Triplet“, „Quad“, „Quint“ oder gar „Hex“ genannt, je nachdem, wie viele Leute darauf passen.
Vorn lenkt und schaltet (in den meisten Fällen) der oder die Captain, die Sozia bzw. der Sozius wird „Stoker“ genannt, nach dem englischen Wort für Heizer – wie bei einer Dampflokomotive.

Der Hauptvorteil und zumeist Grund für die Leidenschaft Tandemfahren ist die Gemeinsamkeit des Unterwegsseins. Das Tandem mittelt die oft unterschiedliche Leistungsfähigkeit zweier Menschen aus – man muss nicht mehr aufeinander warten. Diesen sogenannten Equalizer-Effekt übernehmen heutzutage oft zwei E‑Bikes, die durchaus universeller einsetzbar sind. Das E‑Bike ist somit dafür verantwortlich, dass heute deutlich weniger Tandems angeboten werden als vor dem Motorboom.

Der zweite große Vorteil des Tandemfahrens ist die (nahezu) Halbierung des Luftwiderstandes, der der größte Widerstand beim Radfahren ist, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten und wenn ein Wind weht. Tandem-Teams kommen daher schneller voran als gleichstarke Einzelfahrer:innen. Ein Tandem ist außerdem merklich leichter als zwei Einzelfahrräder vergleichbarer Qualität. Besonders interessant sind Tandems übrigens für Menschen mit starker Sehbehinderung. Für sie sind Tandems die einzige Möglichkeit, dem Radsport im Freien nachzugehen.

Die Tandemtechnik sollte eigentlich keinen Hersteller vor größere Probleme stellen: Die Besonderheitder  Verbindung der zwei Tretkurbeln und der Spannung der bzw. des dafür notwendigen Synchronkette bzw. ‑riemens, werden meist über exzentrisches Innenlager gelöst, das sich auch an anderen Rädern findet. Alle Einzelteile sollten von etwas robusterer Bauart sein, um den dynamischen Belastungen der größeren Gesamtmasse gerecht zu werden.

Beim Preis für ein Tandem gilt folgende Faustformel: Einzelfahrrad mal 2,5. Ein Einsteigertandem kostet dementsprechend etwa 1.500 Euro, denn ein solides Einsteigerrad ist unter 600 Euro nicht zu bekommen. Und auch bei sportlichen Rädern funktioniert die Faustformel: Wer ein Rennrad für 4.000 Euro sein Eigen nennt, wird sich für ein Renntandem gleicher Qualität und entsprechenden Leichtbaus in Richtung 10.000 Euro orientieren müssen.

Die wichtigsten Vertreter der zweisitzigen Zunft sollen hier kurz vorgestellt werden.

1. Familientandem

Ein spannendes Mobilitätskonzept, das bereits den einen oder anderen Zweitwagen ersetzt hat. Warum den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule fahren, wenn das Umwelt und Nerven schonend mit dem Tandem geht? Gegenüber dem Lastenrad bietet das Familientandem den Vorteil, dass die Kids sich auch bewegen dürfen. Familientandems sind robust konzipiert und in Sachen Ausstattung kostenbewusst auf das Nötigste beschränkt: Eine Federung kann getrost fehlen und fünf Gänge aus der Schaltnabe reichen auch oft aus. An Bord gehören jedoch gute Bremsen und ein großer Verstellbereich der Sitzhöhe, vor allem hinten, damit auch kleinere Kinder mitfahren können. Manche Modelle platzieren das Kind vor der Erwachsenen – so können beiden ungehindert nach vorn sehen.

2. City-Tandem

Das Tandem für Stadt- und Toureneinsatz hat ein gewisses Plus an Ausstattung, es trägt nicht selten Gepäck für zwei Personen und verfügt über diverse Trinkflaschenhalter und Komfortausstattung. Besonders für Fahrten zweier Erwachsener mit voller Beladung ist eine hochwertige Bremsanlage wichtig – hydraulische Scheibenbremsen mit großen Scheiben sind der Stand der Technik. Nicht selten sind sie in einem Konfigurator den individuellen Vorstellungen anpassbar.

3. Reisetandem

Reisetandems sind oft sportlicher ausgelegt als Modelle für den Stadtverkehr, weisen aber zugleich eine große Stabilität auf, um möglichst viel Gepäck aufnehmen zu können. Mit speziellen Laufrädern versehene Exemplare vertragen ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 300 Kilogramm. Reisetandems gibt es in vielen Formen; oft sind sie mit Rennlenkern ausgestattet, aber auch am Trekkingbike orientierte Modelle sind auf dem Markt. Da die meisten Tandems am Heck ungefedert sind, empfiehlt sich eine Federsattelstütze für die Stoker:in, da sie Schlaglöcher nicht sehen – und darum den Sattel entsprechend entlasten können, wie das Einzelfahrende tun. In dieser Gattung finden auch solche Modelle, die mit Hilfe von Rohrkupplungen zerlegt und in Taschen verpackt oder in stabilen Transportkoffern verschickt werden können. So lassen sich Flugreisen mit Tandem antreten – aber auch im Fernverkehr der Deutschen Bahn ist dies die einzige Möglichkeit mit Tandem zu reisen.

4. Rennradtandem

Bei Rennradtandems kommt es wie bei Solo-Rennrädern vor allem auf geringes Gewicht und Stabilität an – beim Zweisitzer hat Letzteres besondere Bedeutung, da gut eingespielte Teams beim Beschleunigen extremen Druck aufs Pedal bringen können. Wegen ihrer größeren Verzögerungskraft und besseren Dosierbarkeit in allen Konditionen werden mittlerweile häufig Scheibenbremsen montiert – Renntandems profitieren da natürlich sehr davon, dass Scheibenbremsen am Rennrad heute Standard sind. Die Rahmen sind oft aus leichten Titan- und/oder Carbonrohren gefertigt; die Kompletträder wiegen darum oft weniger als einsitzige Trekking-Räder und sind dementsprechend höchstpreisig.

5. Mountainbike-Tandem

Tandemfahren im Gelände setzt gute Koordination (Captain), vollstes Vertrauen (Stoker:in) und einiges an Übung (beide) voraus. Eingespielte Teams haben aber auch auf schwierigen Strecken gute Karten und können etwa bei Marathons das Feld der Einzelstarter:innen gut aufmischen. Die Kraft vierer Beine und die Laufruhe des langen Radstands machen bergauf wie bergab überraschende Geschwindgkeiten möglich. Das Material wird ja beim Mountainbiken ohnehin hoch belastet, entsprechend stabil muss ein Offroad-Tandem ausgelegt sein: Üblich sind 48-Speichen-Laufräder (statt 32), Bremsscheiben mit bis zu 250 Millimetern Durchmesser sowie Doppelbrücken-Federgabeln, wie man sie aus Downhill-Sport kennt.

6. E‑Bike-Tandem

Der unsichtbare Dritte: Mit doppelter Power fährt man auf dem Tandem ohnehin, beim E‑Tandem kommt noch der Elektromotor hinzu. Das macht den Zweisitzer besonders bergauf und/oder mit viel Gepäck ideal. Das Exragewicht von Antrieb und Akku(s) fällt beim Tandem nicht so stark auf wie am Normalrad, allerdings zehrt die höhere Systemmasse deutlich stärker am Akku als am Solorad.

 

H. David Koßmann | pressedienst-fahrrad


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