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Typenkunde – Tandem
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Treten im Duett

Meist sieht man sie im Holland-Urlaub: gemütliche Miet-Tourenräder für zwei, mit denen Erholung suchende Paare trotz stetigen Windes und unterschiedlicher Fitness wunderbar gemeinsam radeln. Dass so etwas auch in der Heimat sinnvoll sein könnte, darauf kommen leider nur die wenigsten. Doch sei es für die Freizeit oder aus praktischen Erwägungen: Tandems tauchen überall und immer wieder auf, sie machen Spaß und bergen einiges an Mobilitätspotenzial für die Zukunft.

Ein Tandem ist – sprichwörtlich und klar – ein Rad für zwei Personen; Noch-Mehr-Sitzer werden vom Fachmann „Triplet“, „Quad“, „Quint“ oder gar „Hex“ genannt, je nachdem, wie viele Leute darauf passen. Neben der Geselligkeit ist der größte Vorteil des Tandemfahrens die (nahezu) Halbierung des Luftwiderstandes, die ja bekanntlich die größte Hürde beim Radfahren ist – Tandem-Teams kommen daher schneller voran als gleichstarke Einzelfahrer. Ein Tandem ist außerdem merklich leichter als zwei Fahrräder gleichen Wertes.

Besonders interessant sind Tandems übrigens für Menschen mit Sehbehinderung, sind sie doch die einzige Möglichkeit, dem Radsport im Freien nachzugehen.

Die Tandemtechnik sollte eigentlich keinen Hersteller vor größere Probleme stellen: Besonderheiten wie die Verbindung der zwei Tretlager und die Spannung der dafür notwendigen Synchronkette müssen geklärt werden und alles sollte ein wenig robuster sein, um den dynamischen Belastungen der größeren Gesamtmasse gerecht zu werden. Das hat jedoch nicht jede Radfirma raus, weshalb man sein Tandem lieber beim Spezialhersteller ordern sollte.
Beim Preis eines Tandems gilt folgende Faustformel: gutes Fahrrad mal 2,5. Ein Einsteigertandem kostet dementsprechend etwa 1.500 Euro, denn ein solides Einsteigerrad ist unter 600 Euro nicht zu bekommen. Und auch bei sportlichen Rädern funktioniert die Faustformel: Wer ein Rennrad für 4.000 Euro sein Eigen nennt, der wird für ein Renntandem gleicher Qualität und entsprechendem Leichtbau etwa 10.000 Euro bezahlen müssen.
Die wichtigsten Vertreter der zweisitzigen Zunft sollen im Folgenden vorgestellt werden.

1. Familientandem

Ein spannendes Mobilitätskonzept, das bereits den einen oder anderen Zweitwagen ersetzt hat. Warum den Nachwuchs mit dem Auto zur Schule fahren, wenn das Umwelt und Nerven schonend mit dem Tandem geht? Familientandems sind robust konzipiert und in Sachen Ausstattung kostenbewusst auf das Nötigste beschränkt: Eine Federung kann getrost fehlen und fünf Gänge aus der Schaltnabe reichen meist aus; an Bord gehören jedoch gute Bremsen und ein großer Verstellbereich der Sitzhöhe, vor allem hinten, damit auch kleinere Kinder mitfahren können.

2. City-Tandem

Das Tandem für Stadt- und Toureneinsatz verfügt über ein gewisses Plus an Ausstattung, es trägt nicht selten Gepäck für zwei Personen und verfügt über diverse Trinkflaschenhalter und Komfortausstattung. Besonders für Fahrten mit voller Beladung ist eine höherwertige Bremsanlage wichtig – hydraulische Scheibenbremsen sind der zu empfehlende Stand der Technik. Modelle wie das „Tandem“ von Velotraum (ab 3.390 Euro) sind im Konfigurator den individuellen Vorstellungen anpassbar.

3. Reisetandem

Reisetandems sind nicht selten sportlicher ausgelegt als Modelle für den Stadtverkehr, weisen dabei aber nach wie vor eine große Stabilität auf, um möglichst viel Gepäck aufnehmen zu können. Mit speziellen Laufrädern versehene Exemplare vertragen ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 300 Kilogramm! Reisetandems gibt es in vielen Formen; oft sind sie mit Rennlenkern ausgestattet, aber auch am Trekkingbike orientierte Modelle sind auf dem Markt (z. B. Koga „Twintraveller“, vollgefedert und faltbar, 4.999 Euro). Da die meisten Tandems am Heck ungefedert sind, empfiehlt sich eine Federsattelstütze für den Hintermann. Für Fernreisende eignen sich besonders solche Modelle, die mit Hilfe von Rohrkupplungen zerlegt und in Taschen verpackt oder in stabilen Transportkoffern verschickt werden können.

4. Rennradtandem

Bei Rennradtandems kommt es wie bei Solo-Rennrädern vor allem auf Leichtgewicht und Stabilität an – beim Zweisitzer insbesondere auf Letzteres, da gut eingespielte Teams beim Beschleunigen extremen Druck aufs Pedal bringen können. Wegen ihrer größeren Verzögerungskraft werden häufig Bremsanlagen vom Mountainbike montiert – Renntandems profitieren natürlich sehr von den sich verbreitenden Scheibenbremsen am Rennrad. Spitzenexemplare bestehen aus superleichten Titan- und/oder Carbonrohren, wiegen oft weniger als einsitzige Trekking-Räder und sind dementsprechend höchstpreisig.

5. Mountainbike-Tandem

Tandemfahren im Gelände setzt gute Koordination und einiges an Übung voraus; eingespielte Teams haben aber auch auf schwierigen Strecken gute Karten und können etwa bei Marathons so manchen Einzelfahrer in Bedrängnis bringen. Das Material wird ja beim Mountainbiken ohnehin schon hoch belastet, entsprechend robust muss ein Offroad-Tandem ausgelegt sein: Üblich sind 48-Speichen-Laufräder (statt 32), Scheibenbremsen mit bis zu 250 Millimeter messenden Bremsscheiben und Doppelbrücken-Federgabeln, die denen von Motorrädern ähneln.

6. E-Bike-Tandem

Der unsichtbare Dritte: Mit doppelter Power fährt man am Tandem ohnehin, beim E-Tandem kommt noch eine weitere Kraft ins Spiel: der Elektromotor. Das macht den Zweisitzer für Touren in bergigem Gebiet oder mit viel Gepäck ideal, denn diese Disziplinen zehren besonders am Team. Sehr interessant ist ein Tandem-Pedelec auch für extrem unterschiedlich trainierte Paare, da der Antrieb die Belastungsspitzen herausfiltert. Aus diesem Grund sind die Kurbeln der beiden Fahrer hier nicht per Kette synchronisiert, jeder kann also kurbeln, wie er gerade mag. Um den unterschiedlichsten Bedürfnissen von Doppel-E-Bikern gerecht zu werden, bietet zum Beispiel der schweizerische Hersteller Flyer sein „Tandem 7.70“ (ab 5.399 Euro) mit zwei unterschiedlich starken Motoren und in zwei Größen sowie Ausstattungen an.


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