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Zehn Gedanken zu einer Gravel-Rennserie
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Donnerstag, 7. Oktober 2021

(pd‑f/ af) Keine Frage, das Gravel-Bike boomt. Vor allem während der Pandemie stieg die Nachfrage nach den Breitreifen-Rennrädern, die die Vorteile des Mountainbikes und des Rennrads in sich vereinen. Viele Menschen haben das Gravel-Bike nicht nur als Vehikel für Bikepacking-Abenteuer vor der eigenen Haustür, sondern auch als Sportgerät für sich entdeckt. Kein Wunder, dass der Internationale Radsportverband UCI offiziell eine weltweite Gravel-Rennserie ins Leben ruft. Das sorgt nicht bei allen für Begeisterung, doch es gibt auch viele Vorteile. Der pressedienst-fahrrad hat sich Gedanken dazu gemacht.

1. Es sind Jedermann-Rennen

Die geplante Rennserie, bei der sich die Teilnehmer:innen für Gravel-Weltmeisterschaften qualifizieren können, soll als Jedermann-Rennen durchgeführt werden. „Für Fahrerinnen und Fahrer mit Ehrgeiz, die kompetitiv unterwegs sein wollen, aber keine Profis sind, ist das ein perfektes Format und eine tolle Abwechslung zu Jedermann-Rennen mit dem Rennrad“, sagt Volker Dohrmann von Stevens Bikes.

2. Spektakuläre Szenen

Die Profi-Szene beweist es bereits: Gravel ist in. Bei der Tour de France sorgen geschotterte Abschnitte für spektakuläre Szenen. Das Strade-Bianche-Rennen ist, ganz streng genommen, sogar ein Gravel-Rennen und der Klassiker Paris-Roubaix rollt zwar nicht über Schotter, aber über krasse Pflastersteine – das zeigt, dass Untergründe, die alles andere als glatt sind, bei den Zuschauer:innen (und bei vielen Fahrer:innen) sehr beliebt sind.

3. Eine entspannte Community

Der Gravel-Szene sagt man nach, dass sie besonders entspannt sei. Noch kennt man sich (meistens). Man hilft sich gegenseitig, auch bei Rennen, und nach den Touren gehört ein Bier am Lagerfeuer mit dazu. Und auch wenn die Fahrradindustrie mittlerweile versucht, zum Beispiel Gravel-spezifische Kleidung an Mann und Frau zu bringen, ist die „Style-Polizei“ hier nicht so streng unterwegs wie etwa im Rennrad-Bereich. Das bedeutet umgekehrt auch: Ein UCI-initiiertes Rennen bringt Regeln mit sich – man denke etwa an die exakt vorgegebene Sockenlänge, die im Wettkampf nicht über die halbe Distanz zwischen Knöchel und Mitte des Wadenbeinköpfchens hinausgehen darf. So befürchten einige, dass das Reglement den entspannten „Gravel-Geist“ kaputtmachen könnte. Andererseits: Niemand ist gezwungen, an den Rennen teilzunehmen.

4. Es gibt nicht nur die UCI

Es muss ja nicht gleich der Internationale Radsportverband mit all seinen bürokratischen Anhängseln sein. Die lässige Community hat sich schon längst selbst Renn-Serien aufgebaut, so zum Beispiel das beliebte Orbit360. Scouts haben dafür Strecken in ganz Deutschland zusammengestellt – wer die meisten und am schnellsten fährt, platziert sich im Ranking vorne. Aber auf Zeit zu fahren ist kein Muss. Wer lieber die Landschaft genießen will, nur langsam fahren möchte oder kann ist hier genauso richtig wie diejenigen, die die bis zu 200 Kilometer langen sogenannten Orbits in wenigen Stunden durchpowern. Auch neue Events wie die Schwalbe Gravel Games, die ähnlich den Mountainbike-Events gestaltet sind, und Testfahrten sowie Ausstellungen beinhalten, rollen langsam an. „Bei der Premiere der Gravel Games im Ruhrgebiet waren rund 4.000 Interessierte vor Ort. Das Thema kommt an und spricht Radfahrer:innen in allen möglichen Regionen Deutschlands an – vom Profi bis zur Amateurin“, so Doris Klytta von Schwalbe.

5. Beim Graveln treffen sich Sport und Natur

Apropos Landschaft genießen – das lässt sich beim Graveln bestens machen, je nachdem, wie ambitioniert man unterwegs ist. Zum einen, weil man natürlich anders als bei (Renn)-Radrennen nicht auf Asphalt, sondern abseits der Straßen unterwegs ist. Und zum anderen ist die Geschwindigkeit auf Schotter und Trail geringer, als es bei Straßenrennen der Fall ist. Es bleibt also mehr Zeit, die Landschaft und Umgebung wahrzunehmen.

6. Die perfekte Gelegenheit für neue Komponenten oder ein neues Rad

Wer mit dem Gedanken spielt, sich aufs Graveln zu konzentrieren und vielleicht auch bei Rennserien mitzufahren, hat das ideale Argument gefunden, sein oder ihr Fahrrad aufzupimpen, etwa mit Gravel-Reifen (z.B. „Schwalbe G‑One R“, 69,90 Euro), Gravel-Sattel (etwa „SR Allroad Core“, ab 129,95 Euro, Ergon) oder einem ausgestellten Lenker (z.B. „Salsa Cowchipper Carbon Drop“, 249,99 Euro, via Cosmic Sports). Oder wie wäre es direkt mit einem neuen, schnellen Gravel-Bike? Richtig Speed auf den Schotter bringt man etwa mit dem „SuperSix EVO SE“ (Cannondale, ab 4.699 Euro), das mit drahtlosem Sram-Zweifach-Antrieb und hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet ist.

7. Vorteile für Veranstalter:innen

Bei reinen Straßenrennen müssen Straßen gesperrt werden, sprich es ist im Vorfeld viel Organisation und Absprache nötig – mit der Polizei, mit Anwohner:innen und freiwilligen Helfer:innen. Das fällt bei Gravel-Rennen zum großen Teil weg, was es für Veranstalter:innen einfacher macht und für eine entspannte Rennatmosphäre sorgt.

 

8. Unterschied zu Cyclocross-Rennen

Es gibt doch schon Rennrad-Rennen, die über nicht-asphaltierten Untergrund führen, mögen einige einwenden – Cyclocross-Wettbewerbe nämlich. Im Gegensatz zu Gravel-Rennen werden diese auch Querfeldein-Rennen genannten Wettbewerbe im Herbst und Winter auf bis zu drei Kilometer langen, unbefestigten Rundwegen ausgetragen. Dabei gehören Hindernisse, Schlamm und Tragepassagen unbedingt dazu. Die UCI reglementiert hier beispielsweise die Reifenbreite auf maximal 33 Millimeter. Zudem sind Cyclocrosser auf eine sehr sportliche Sitzposition ausgelegt und besitzen meist ein flacheres Oberrohr, um sie besser schultern zu können. „Gravel-Rennen können deshalb zu einer echten Alternative werden, da sie eher auf Langstreckenfahrten ausgelegt sind und somit eine andere Zielgruppe ansprechen“, sagt Volker Dohrmann.

9. Einmal mit Profis fahren

Bei einem Jedermann-Rennen gemeinsam mit einem Profi fahren? Das passiert höchstens zeitversetzt, wenn zum Beispiel beim Münsterland Giro erst die Hobbyfahrer:innen und danach die Elite an den Start gehen. Viele ehemalige Profis haben nach ihrer aktiven Karriere das Graveln aber für sich entdeckt, so zum Beispiel Paul Voß, Jens Voigt und Marcel Kittel. Wer sich also mit ehemaligen Tour-de-France-Teilnehmern messen will, ist bei Gravel-Rennen genau richtig.

10. Graveln macht Spaß – das motiviert

Das Wichtigste kommt zum Schluss: Auf dem Gravel-Bike unterwegs zu sein macht einfach Spaß. Und das ist immer noch der beste und wichtigste Grund, um etwas zu tun. Und wo Spaß an der Sache und entspannte Menschen zusammenkommen, kann das für den Extra-Schub an Motivation oder Mut sorgen, tatsächlich selbst einmal an einem Rennen teilzunehmen.

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