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Zwei Frauen mit E-Bike stehen mit E-Bikes auf einem Radweg und lächeln einander zu.

Zehn gute Nachrichten für das Fahrrad
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Montag, 12. Dezember 2022

Mehr und besserer Radverkehr ist ein elementarer Bestandteil einer erfolgreichen Verkehrswende. Doch in der Realität kürzt die Politik sogar die Mittel für den Radverkehrshaushalt. Dabei zeigt das Jahr 2022, dass sich sehr viel pro Fahrrad in der Gesellschaft verändert. Der pressedienst-fahrrad hat zehn gute Nachrichten rund ums Fahrrad zusammengefasst.

Kinder bei einer Fahrraddemonstration.1) 87.463 Unterschriften für ein kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht

Im Oktober übergaben Kinder und Familien des Kidical-Mass-Bündnisses die Petition „Uns gehört die Straße! Wir fordern ein kinderfreundliches Straßenverkehrsrecht“ an Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Insgesamt wurden für die Petition 87.463 Unterschriften gesammelt. Dazu gingen etwa 90.000 Kinder und ihre Angehörigen deutschlandweit an zwei Wochenenden im Mai und September auf die Straße und forderten bei mehr als 400 bunten Fahrraddemos eine kinderfreundliche Verkehrspolitik. Die Idee der Kidical Mass hat in den letzten Jahren einen wachsenden Zulauf bekommen und der Druck von der Straße auf die Politik scheint zu wachsen.

Eine Person fährt mit einem Fahrrad auf einem Bereich einer Straße, der mit Leitbaken von Autospuren getrennt ist.2) Wirksamkeit von Radverkehrsmaßnahmen in Berlin bewiesen

Ein sicheres, lückenloses Radwegenetz sorgt für steigenden Radverkehr, weniger Kfz-Verkehr und eine bessere Luftqualität. Zu diesen Ergebnissen kam die Deutsche Umwelthilfe nach Untersuchungen in Berlin. Der Bau von neuen Radwegen bzw. Pop-up-Radwegen auf Kosten von Kfz-Spuren am Tempelhofer Damm und Kottbusser Damm habe dazu geführt, dass der Radverkehrsanteil um 63 bzw. 40 Prozent gestiegen sei, der Kfz-Verkehr um acht bis 13 Prozent zurückgegangen. „Jetzt ist es wissenschaftlich abgesichert, dass Maßnahmen pro Radverkehr die Lebensqualität in Städten verbessern. Ein wichtiger Schritt und hoffentlich ein Anstoß, mehr auf kommunaler Ebene zu tun“, freut sich der Berliner Alltagsradfahrer Philipp Elsner-Krause, Geschäftsführer des Unternehmens Fahrer Berlin.

Ein Computer-simuliertes Bild einer schwimmenden Plattform auf dem Wasser mit Sitzbänden und einer Fahrradspur darauf.3) Hohe Auszeichnung für Fahrradprojekte

Ende Oktober zeichnete das Bundesministerium für Verkehr und Digitales in Berlin innovative Projekte und Ideen für die Mobilität der Zukunft aus. Darunter waren auch zwei Projekte zum Thema Radverkehr. Der VeloObserver aus der Schweiz verfolgt das Ziel, die Sicherheit für Fahrradfahrende zu verbessern. Die Plattform bietet eine Möglichkeit, Fahrradwege in der Stadt zu bewerten. Auf dieser Basis wird eine Grundlage für die Weiterentwicklung von Fahrradwegenetzen geschaffen. Als zweites Projekt erhielt die Veloroute H2O in Kiel eine Auszeichnung. Die Idee: Eine elektrische, autonome Fähre – angetrieben von Wind- und Gezeitenturbinen – transportiert Radfahrende von einer Seite der Kieler Förde zur anderen. Dadurch sind Radfahrende nicht mehr auf Umwege mit ÖPNV oder Automobil angewiesen.

Zwei Personen fahren auf Fahrrädern in einer Großstadt auf die Kamera zu.4) Immer mehr Teilnehmende an Aktion Stadtradeln

922.582 Teilnehmende und fast 180 Millionen gefahrene Radkilometer in drei Wochen – das ist das Ergebnis der Aktion Stadtradeln in diesem Jahr. In 2.557 Kommunen waren die Radler:innen unterwegs. Diese Erfahrungen über gute und schlechte Radinfrastruktur hilft beim Ausbau eines flächendeckenden, sicheren Radnetzes in den einzelnen Kommunen. Deshalb ist es auch schön, dass viele kommunale Politiker:innen sich an der Aktion beteiligten. „Stadtradeln macht in den Kommunen Radverkehr sichtbar. Wir freuen uns deshalb, seit langen Jahren als Partner dabei zu sein und die positive Entwicklung der Aktion zu sehen. Ein wesentlicher Bestandteil für mehr Radverkehr in Deutschland“, resümiert Andreas Hombach vom Fahrradparksystemanbieter WSM.

Der Blick durch einen Fahrradrahmen auf mehrere Räder der Firma Cannondale, die dahinter stehen.5) Viel Begeisterung für Tour de France der Frauen

Nachdem die französische Landesrundfahrt für Frauen, die Grande Boucle Féminine, 2009 eingestellt wurde, griff die ASO (Amaury Sport Organisation) als Veranstalterin der Tour de France 2022 die Idee auf, ein eigenes Etappenrennen für Frauen zu starten. Die Tour de France Femmes startete am 24. Juli auf der Champs Élysées in Paris und endete nach acht Etappen mit einer Bergankunft auf der Super Planche des Belles Filles. Siegerin wurde die Niederländerin Annemiek van Vleuten. Das Rennen ist ein wichtiger Bestandteil, um weiblichen Radsport sichtbarer zu machen, ein Schritt für mehr Gleichberechtigung im Sport und der Gesellschaft.

Mehrere Personen stehen vor einem Ladengeschäft mit dem Schriftzug 'rad3'. Ein Mann fährt mit einem Lastenrad los.6) Lastenradanbieter zieht in ehemaliges Autohaus

Neue Unterkunft für ein Lastenradgeschäft in Leipzig: Rad3 grüßt seit Juni aus den Verkaufsräumen eines ehemaligen Autohauses. Dieser Schritt macht Sinn, denn speziell Lastenräder für den gewerblichen Gebrauch sind für kleine Fahrradgeschäfte meist nur schwer zu handhaben. Die Verkaufsräume waren früher ein altes Straßenbahndepot, das nach 1990 lange Zeit als Autohaus diente. Die Verkehrswende wird hier in einem Gebäude sichtbar gemacht und das Beispiel in Leipzig wird sicherlich nicht das letzte sein.

Detailaufnahme eines E-Bike-Rahmens im Straßenverkehr.7) Tauschprämie in Frankreich, Mehrwertsteuersenkung in Portugal

Um mehr Menschen zum Radfahren im Alltag zu animieren, gibt es in Frankreich eine Tauschprämie, wenn man sein Auto gegen ein Fahrrad oder E‑Bike eintauscht. Bis zu 4.000 Euro sind möglich. Der volle Satz wird niedrigen Einkommensklassen in städtischen Gebieten gewährt. Wohlhabende Schichten erhalten einen reduzierten Anreiz, der ihrer Einkommenshöhe entspricht. In Finnland und Litauen laufen solche Tauschprämien bereits erfolgreich. In Portugal, das aktuell auch auf dem Weg zum Fahrradproduktionsland Nummer Eins in Europa ist, hat sich die Regierung dazu entschieden, beim Fahrradkauf die Mehrwertsteuer von 23 auf sechs Prozent zu senken. Somit sollen die Anschaffung und Reparaturen von Fahrrädern und E‑Bikes vergünstigt werden.

Blick über die Schulter einer Person, die einen oder mehrere Fahrradreifen in der Hand hält.8) Reifenrecycling für mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit spielt für Fahrrad- und Zubehörhersteller eine wachsende Rolle. Mit neuen Ideen bei den Herstellungsprozessen sollen Ressourcen eingespart werden. Einen wichtigen Schritt stellte beispielsweise Reifenhersteller Schwalbe im Sommer vor: ein Recyclingkreislauf für Fahrradreifen. „Gebrauchte Fahrradreifen landen nicht mehr im Müll, sondern liefern Rohstoffe für neue Produkte. Wir werden im nächsten Jahr den ersten Reifen vorstellen, der auf Material aus diesem ganzheitlichen Recyclingprozess zurückgreift“, erklärt Felix Jahn, Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung von Schwalbe. Der Recyclingprozess spart nach Angaben von Schwalbe 80 Prozent CO2 im Vergleich zur bisherigen Verbrennung von Altreifen ein.

Eine Frau und ein Mann schieben ihre Mountainbikes im Wald einen Weg bergan.9) Wachsendes Engagement für gemeinschaftliche Waldnutzung

Konflikte zwischen Wandernden und Mountainbiker:innen gibt es gerade rund um die Ballungsräume immer wieder einmal. Doch 2022 war ein Jahr, wo es viele positive Bewegungen gab, diese Konflikte zu beseitigen. „In immer mehr Regionen organisieren sich Mountainbikende, um gemeinsam mit den Waldbesitzer:innen, Naturschützer:innen und Wander:innen Lösungen für ein Miteinander im Wald zu finden. So entstehen deutschlandweit Netze zum Mountainbiken mit guten Wegen, die gemeinsame Erholung im Wald ermöglichen“, freut sich Nico Graaff vom Mountainbike Tourismusforum, der sich seit Jahren in diesem Bereich engagiert.

Mehrere Personen stehen vor einer Wand, an der viele Fahrradhelme präsentiert sind.10) Eurobike war ein großer Erfolg

Mit der Eurobike findet eine der großen Fahrradleitmessen in Deutschland statt. In den letzten Jahren gingen die Besucher:innenzahlen der Messe in Friedrichshafen jedoch immer weiter zurück. Mit dem Umzug nach Frankfurt am Main, und somit in die Mitte von Deutschland, hat sich in diesem Jahr die Situation jedoch geändert. Aussteller, Besucher:innen und Messeveranstalter waren mit dem Termin durchweg zufrieden. „Wir schauen deshalb sehr optimistisch in das nächste Jahr und freuen uns, 2023 auch den Nationalen Radverkehrskongress in Frankfurt begrüßen zu dürfen. So rücken Industrie und Politik noch weiter zusammen“, schaut Frank Gauß, Pressesprecher der Eurobike, nach vorne.

Thomas Geisler | pressedienst-fahrrad

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