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„World Bicycle Relief“ ist Preisträger des Bertha-und- Carl-Benz-Preises 2017
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Montag, 10. April 2017

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2017 wird der Bertha-und-Carl-Benz-Preis zum vierten Mal verliehen. Das Preisgericht unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz schlug die internationale Hilfsorganisation „World Bicycle Relief“ als Preisträger vor. Der Gemeinderat stimmte diesem Vorschlag gestern (Dienstag, 04.April 2017) in nicht öffentlicher Sitzung zu. Die Hilfsorganisation World Bicycle Relief (WBR), mit Hauptsitz in Chicago, wurde 2005 von dem amerikanischen Unternehmer F.K. Day und seiner Frau Leah Missbach Day nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean gegründet. Als einer der Gründer des Fahrradkomponentenherstellers SRAM brachte Day den Hintergrund, das Wissen und das Netzwerk in der Fahrradindustrie mit, um eine besondere Hilfe für den Wiederaufbau zu entwickeln: Er gründete WBR und stellte Katastrophenopfern auf Sri Lanka Fahrräder zur Verfügung, um ihnen den Zugang zu zerstörten Dörfern, zu Schulen und Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Die Vision von World Bicycle Relief ist eine Welt, in der Entfernungen kein Hindernis mehr für Entwicklung und Unabhängigkeit sind. So hat WBR inzwischen Programme für Bildung, Gesundheitswesen und wirtschaftliche Entwicklung aufgelegt. Dabei werden spezielle Lastenfahrräder (sogenannte Buffalo-Fahrräder) an Schüler, Krankenpfleger und Kleinstunternehmer geliefert, damit sie Schulen, Arbeitsplätze, Patienten und Märkte erreichen können und so langfristig Armut reduzieren.

Bei den Buffalo-Fahrrädern handelt es sich um speziell für den Einsatz in ländlichen Regionen entwickelte, robuste und vor Ort montierte Fahrräder. Die Fahrräder können mit einfachem Werkzeug repariert werden und sind mit lokal verfügbaren Ersatzteilen kompatibel. Mehr als 330.000 Buffalo-Fahrräder wurden inzwischen ausgeliefert. Die Räder sind in den ländlichen Regionen Asiens, Afrikas und Südamerikas im Einsatz. Die Wartung und Reparatur erfolgt durch von WBR ausgebildete Mechaniker.

Durch sogenannte „work-to-own“ und „study-to-own“ Programme gehen die Räder in den Besitz der Menschen vor Ort über. So können beispielsweise Schüler über das Bildungsprogramm BEEP (Bicycles for Educational Empowerment Program) ein Fahrrad erhalten. Dabei begutachtet ein Komitee vor Ort die Lebensumstände und wählt Kinder aus, die für ein Fahrrad in Frage kommen. Die Schüler verpflichten sich über einen Zeitraum von zwei Jahren, täglich zur Schule zu fahren und ihre Leistungen zu verbessern. Erfüllen sie diese Vorgaben, geht das Fahrrad in ihren Besitz über. Weitere Programme unterstützen zum Beispiel Milchbauern, die sich in Kooperativen zusammenschließen. Über Mikrokredite können sie Fahrräder kaufen, um damit Milch zu den Sammelstellen zu transportieren.

WBR kooperiert mit den vor Ort bestehenden Strukturen, wie zum Beispiel anderen, bereits etablierten Hilfsorganisationen, die die bestehenden Gegebenheiten kennen. Damit die belieferten Regionen eine Eigendynamik entwickeln können, werden Räder nicht einzeln verteilt, sondern stets in größerer Zahl. Durch die kontinuierliche Evaluation der Programme garantiert WBR die lokale Entwicklung und Anpassung der Leistungen auf die Bedürfnisse der Menschen.

Die große Nachfrage nach den Rädern hat dazu geführt, dass mit Buffalo Bicycles, Ltd. eine eigene Social Business-Tochter gegründet wurde, um die Räder auch zum Kauf anzubieten. Die Kombination von humanitären Hilfsprogrammen und einem sozialunternehmerischen Ansatz erhöht die Flexibilität und die Wirkung der Programme. Die Verkäufe finanzieren die Hilfsprogramme mit und helfen, eine nachhaltige Infrastruktur für Fahrräder in Entwicklungsländern aufzubauen.

Das Preisgericht begründete seine Entscheidung damit, World Bicycle Relief führe mit seinem Engagement auf beispielhafte Weise die unterschiedlichen Dimensionen des Bertha- und-Carl-Benz-Preises zusammen, indem es durch die Entwicklung von räumlicher Mobilität – die zudem umweltgerecht und einfach ist – eine Chance auf soziale Mobilität schaffe.

„Mit World Bicycle Relief zeichnen wir in diesem Jahr ein beispielhaftes Engagement aus. Dieses Projekt schafft Chancen in mehrfacher Hinsicht, nämlich die Chance auf Mobilität und damit verbunden die Chance auf Bildung, soziale Teilhabe und letztlich die Chance auf Unabhängigkeit. Ein derart wirkungsvolles und nachhaltiges Projekt wird verdient mit dem Bertha-und-Carl-Benz-Preis ausgezeichnet“, so Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz.

Hintergrundinformation:

Die Stadt Mannheim stiftete 2011 den Bertha-und-Carl-Benz-Preis anlässlich des 125-jährigen Automobiljubiläums. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen. Als Preisträger kommen Personen, Gruppen und Organisationen in Betracht, die sich um eine bedeutende Verbesserung der „Mobilität“ – insbesondere um eine umweltgerechtere, sozialere oder einfachere Mobilität – verdient gemacht haben.

Die Satzung des Preises sieht vor, dass er nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern auf Vorschlag des Preisgerichts durch den Gemeinderat zuerkannt wird. 2011 ging der Preis an Shai Agassi für seine Arbeit im Bereich der Elektromobilität, 2013 erhielt Prof. José del. R. Millán für seine Forschung an Brain-Computer-Interfaces zur Steuerung von Mobilitätshilfen für bewegungseingeschränkte Menschen den Preis und 2015 war der dänische Stadtplaner Prof. Dr. Jan Gehl Preisträger .

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