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Cyclocross: Der unbekannte Volkssport
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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Der Winter ist die Zeit der Cyclocrosser. Die aufregenden Rennen fordern von Profis und Amateuren Spitzenleistungen. Doch der Sport fristet in Deutschland ein Schattendasein. Zu Unrecht, findet der pressedienst‐fahrrad.

[pd‐f/tg] Ja, es gibt sie wirklich: die Radsportler, die auf den Winter warten. Dann nehmen sie ihr Stollenreifenrennrad und ab geht’s ins Gelände. Cyclocross nennt sich der faszinierende Sport. In Deutschland ist diese Spielart des Fahrradfahrens auch als Querfeldein bekannt, in der Schweiz als Radquer. Die Rennen verbinden technisch anspruchsvolle Passagen mit konditionellen Elementen – und gewinnen derzeit wieder an Popularität, selbst unter Rennradprofis. Der deutsche Sprintveteran André Greipel holte beispielsweise Anfang November seinen Crosser aus dem Keller und nahm an einem Rennen in Hürth‐Kendenich teil. Die zuschauerfreundlichen Wettbewerbe finden auf ca. zwei bis drei Kilometer langen Rundkursen statt, die mit Hindernissen wie Hürden, Sandgruben und Treppen sowie kurzen Anstiegen und kniffligen Abfahrten gespickt sind. Auch Tragepassagen werden gern eingebaut. Waldboden, Sand, Schotter und Wiese sind die bevorzugten Untergründe.

Die Fahrzeit beträgt rund eine halbe Stunde bei den Hobby‐ und Nachwuchsklassen und eine Stunde bei der Herren‐Elite. „Für Rennradfahrer hat der Sport zwei große Vorteile: Sie verbessern ihre Fahrtechnik, die sie bei schwierigen Straßenrennen mit viel Schotter‐ und Kopfsteinpflasterpassagen ausspielen können. Zweitens sind die kurzen, schnellen Anstiege tolle Fitmacher, gerade wenn man Attacken aus dem Feld heraus fahren möchte“, beschreibt Volker Dohrmann von Stevens Bikes. Der Hamburger Hersteller gilt als eine der Top‐Adressen im Cross‐Sport. Mit dem dreimaligen Weltmeister Wout van Aert und der zweimaligen Weltmeisterin Sanne Cant werden zwei der aktuellen Aushängeschilder des Sports von Stevens unterstützt. Der 24‐jährige Belgier van Aert mischt mittlerweile auch bei Straßenradrennen vorne mit. Bei seiner ersten Teilnahme am 2018er Frühjahrsklassiker Paris‐Roubaix landete er auf dem 13. Platz, bei der Flandernrundfahrt schaffte er es in die Top Ten und bei den Strade Bianche schließlich auf Platz drei. „Alles sind technisch anspruchsvolle Rennen mit schwierigen Passagen. Van Aert konnte seine Erfahrungen aus dem Cyclocross dort super einbringen“, erklärt Dohrmann.

Helden der Schotterpiste

In seiner Heimat ist van Aert ein wahrer Superstar. Kein Wunder: Cyclocross ist in Belgien sowie in den Niederlanden Nationalsport. Vier der neun Weltcuprennen finden dort statt, die 14 (!) bestplatzierten Fahrer der Europameisterschaft 2018 kamen aus den beiden Ländern. An Rennwochenenden strömen Tausende an die Strecken, die Veranstaltungen werden live im Fernsehen übertragen. „Ich gucke die Rennen, seit ich vielleicht fünf Jahre alt war – genau weiß ich das gar nicht mehr“, verriet van Aert in einem Interview mit dem Rennradmagazin Tour. Bei Rennen von Hunderten von Fans gefeiert und angetrieben zu werden, ist für den Weltmeister ein immer wieder tolles Gefühl: „Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich spüre, dass die Cross‐Saison näher kommt.“ Die Fans können sich auf den Rundkursen gut positionieren und so an wichtigen Stellen ihre Lieblinge mehrmals anfeuern. Harald Troost vom niederländischen Radhersteller Koga kann die Euphorie um die Spitzensportler deshalb nachvollziehen: „In Belgien sind Crosser die Helden der normalen Leute. Sie genießen eine viel höhere Popularität als Straßenfahrer.“

Deutsche Vereine brauchen Unterstützung

In Deutschland stellt sich die Situation anders dar. Hier ist der Sport ganz klar in der Rubrik Randsport anzusiedeln, obwohl es mit Mike Kluge, Hanka Kupfernagel, Klaus‐Peter Thaler und Rolf Wolfshohl auch deutsche Weltmeister gab. Als Grund wird von Verantwortlichen oft genannt, dass Cyclocross – anders als z. B. der Bahnradsport – keine olympische Sportart ist und entsprechend weniger gefördert wird. Die Hoffnung auf Popularitätssteigerung steckt deshalb in den Beinen der jungen Talente wie Tom Lindner. Der 17‐Jährige ist amtierender Deutscher Meister der U19‐Junioren und mischt auch den U19‐Weltcup mit regelmäßigen Podestplatzierungen auf. „Damit solche Talente frühzeitig erkannt und gefördert werden, ist eine gute Vereinsarbeit wichtig“, betont Volker Dohrmann.

Der Radclub RSC Buchholz ist zum Beispiel für sein großes Engagement bekannt. Jährlich wird vor den Toren Hamburgs ein Rennen im Rahmen des Stevens‐Cyclcross‐Cups, einer Cross‐Rennserie in Norddeutschland, ausgerichtet. „Wir haben gerade im Jugendbereich Fahrer am Start, die mit zur Elite zählen“, berichtet der erste Vorsitzende Michael Boving. Doch unter König Fußball leide nicht nur das Zuschauerinteresse an der Strecke, sondern selbst die regionale Berichterstattung über das Event und die Fahrer, stellt Boving immer wieder fest. Ohne das starke Engagement regionaler Sponsoren könnten die Rennen nicht stattfinden. Wichtig sind für die Organisatoren neben den Top‐Fahrern als Zugpferde auch die Jedermann‐Starter. Durch ihre Startgebühren finanzieren sie mit die Kosten, die für ein derartiges Rennwochenende entstehen, und unterstützen die Vereinsarbeit. In den letzten Jahren zeichnet sich in diesem Bereich ein erfreulicherweise Wachstum ab, was in Zukunft der Jugendförderung der Vereine zu Gute kommt. „Gerade im Jugendbereich müssen die Radsportvereine eigentlich zweigleisig fahren: Top‐Talente fördern und neue Jugendliche animieren. Das birgt Herausforderungen für die Trainer. Es ist deshalb für uns besonders wichtig, die Vereine zu unterstützen, damit der Sport auch in Deutschland eine breitere Basis bekommt“, erklärt Dohrmann.

Spitzensport mit Turnhallen‐Flair

In Buchholz trifft dabei heimeliges Turnhallen‐Flair auf Spitzensport – und genau das ist das Schöne am Cyclocross. Selbst bei den Profirennen sind die Fans hautnah an den Sportlern dran. Keine Star‐Allüren, kein Glamour. Mit großem Bedauern wurde deshalb in der deutschen Cyclocross‐Gemeinschaft aufgenommen, dass das Weltcup‐Rennen im niedersächsischen Zeven in diesem Jahr aus dem Rennkalender des Internationalen Radsportverbands UCI gestrichen wurde. „Es ist äußerst schade, dass es in Deutschland aktuell kein Profirennen mehr gibt. Um die Bekanntheit hierzulande und auch international für die Sportart zu steigern, sind solche Events die Zugpferde“, bedauert Philipp Martin von Cannondale und ergänzt: „Das geländegängige Rennrad erweitert die Erfahrungsräume der Radsportler. Die Technik zieht dabei mit. Scheibenbremsen, Einfachschaltungen, Steckachsen oder breite Reifen sind in der Cross‐Szene etabliert und mittlerweile auch am Straßenrennrad verbreitet. Für die Produktentwicklung hat der Cross‐Bereich eine enorme Bedeutung.“

Ein Rad für jeden Zweck

Wer jetzt denkt, er brauche zum Einstieg in den Cyclocross ein zusätzliches Rad im Keller, der irrt. Die Räder zeichnen sich gerade durch ihre Vielseitigkeit aus. „Je nach Reifenwahl lassen sie sich als Straßenrennräder, als Gelände‐Bikes oder als robuste sportliche Alltagsräder nutzen“, erklärt Martin. Stevens bietet in seiner Produktpalette vom Carbonrenner wie dem „Super Prestige“ (ab 2.999 Euro) bis zum Alltagsflitzer „Supreme“ (1.499 Euro) mit festinstalliertem Licht und Schutzblechen für so gut wie jeden Einsatzzweck ein passendes Bike. Cannondale unterscheidet zwischen den sportlichen Modellen der „SuperX“-Serie (ab 2.999 Euro) und den Allround‐Rädern der „CaadX“-Serie (ab 1.299 Euro). Bei Koga vertritt das „Colmaro Allroad“ (1.899 Euro) das moderne Allwege‐Rennrad und man hat sogar zwei Räder für einen nur in den Niederlanden bekannten Sport im Katalog: Beach‐Racer, Crossbikes mit superbreiten Reifen für den Strand. „Egal in welchem Terrain der Crosser eingesetzt wird, eines steht fest: Die Leichtigkeit der Straßenrennmaschine im Gelände oder Alltag zu spüren, ist etwas Besonderes. Es lohnt sich sehr, das mal auszuprobieren – und das nicht nur im Winter“, wirbt Troost für den Geländesport.

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