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Filmtipp: Brevet-Der Film
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Dienstag, 19. Januar 2016

Der Faszination des Themas „Brevet“, einer Disziplin im Radsport, in der man nicht gegen die Anderen kämpft, sondern seine eigenen körperlichen Grenzen buchstäblich erfährt, nimmt sich der gleichnamige Film von Michael Reis-Müller an. Gunnar Fehlau, selbst begeisterter Randonneur und Finisher des prestigeträchtigen Klassikers Paris-Brest-Paris, hat ihn angeschaut.

[pd-f/GuF] Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Brevet-Szene über zehn Jahre meine Velo-Heimat war. Zwischen 1995 und 2007 bin ich eine Vielzahl von Brevets im In- und Ausland gefahren. So habe ich diesem Brevet-Film mit viel Spannung entgegengefiebert. Die Premiere fand am vergangenen Wochenende in Hamburg statt. Ich hatte die Gelegenheit, den Film bereits vorher zu sehen, und kann sagen: Es gibt reichlich Grund, sich auf den Film zu freuen. Wer die Szene kennt, wird viel(e/s) wiedererkennen. Für wen Paris-Brest-Paris und die Randonneur-Szene neu sind, dem gewährt der Film einen gleichsam informativen, wie unterhaltsamen und facettenreichen Einblick. Der Film hat das Zeug, zum „Hub“ fürs Brevet-Thema zu werden, ähnlich wie  „Ride the Divide“ von Mike Dion ein Magnet für Interessierte und Neulinge rund ums Selfsupportracing/Bikepacking wurde.

Auch beim Storyboard haben die beiden Filme Parallelen: Es werden Routiniers, Rookies und Ambitionierte bei ihrer Vorbereitung und bei der Fahrt selbst begleitet. Es wechseln sich Sachpassagen mit Action-Sequenzen in lässiger Folge ab. Einen klaren Minuspunkt erhält jedoch der Soundtrack. Die Musik ist gut und funktioniert, aber bei einem Film, der vom ältesten noch ausgetragenen Radrennen der Welt durch Frankreich berichtet, hätten auch französische Sprache und Klänge ertönen sollen. Doch keine Sorge, das schmälert den Genuss kaum. Ich bin als PBP-Finisher, Radfreak und Sportsfreund knapp 80 Minuten bestens unterhalten worden. Köstlich, wie der Rookie sich über das Geballer zum Auftakt bei der Ausfahrt aus Paris (also auf den ersten 150 Kilometern) wundert. Oder wie der Routinier nach einer schlafknappen Nacht sein Rad in der Verpflegungsstation nicht mehr finden kann. Dass auf den Langdistanzen Zeit und Raum verschwimmen, ist bekannt und wird bei Filmminute 72 schlagartig klar, Zitat Claus Czycholl: „Heute müsste ungefähr Donnerstag sein.“ Und dann war da noch der Brite, der sich darüber aufregt, dass ihm im Vorfeld niemand sagte, wie hügelig die Strecke ist: „Ich dachte, Frankreich sei flach!“ Herrlich! Es sind diese punktierten Überraschungsmomente, die den Film auch für Insider von seiner dramaturgischen und inhaltlichen Erwartbarkeit befreien. Das tut ihm gut und wird auch dem Inhalt gerecht. Denn jeder Brevet-Fahrer weiß, dass keine Langdistanzfahrt ohne Überraschungen zu Ende geht. Oder, wie es Tour-Divide-Ikone Jay Petervary einmal sagte: „Be prepared for the unprepared!“ Ganze Arbeit, die TV-Journalist und Filmemacher Michael Reis-Müller da geleistet hat!

Man sollte Menschen niemals unterschätzen oder vorschnell in eine Schublade stecken: Eine Dame im besten Alter ist freiwillige Helferin in einer Verpflegungsstation und schaufelt Salat für die hungrigen Fahrer in Schalen. Auf die Frage nach ihrer Motivation antwortet sie lapidar: „Ich bin sechs Mal mitgefahren, jetzt helfe ich auch mal.“ Bis dahin ist es für die meisten Radfahrer noch ein weiter Weg, der für hoffentlich viele über diesen Film führt. Anschauen!

Der Film kann seit dem 16.01.2016 gestreamt werden (www.brevet-der-film.de) und ist als DVD auf Amazon erhältlich.

Hier der Trailer:

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