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Saubere Sache: Fahrradfahren ohne schmutzige Hosenbeine
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Dienstag, 7. Juli 2015

Fahrradfahrer erkennt man oft an einem wahlweise hochgekrempelten oder schmutzigen rechten Hosenbein. Das Beinkleid geht mit der öligen Fahrradkette nämlich gerne eine engere Verbindung ein, als es den meisten Radlern lieb sein dürfte. Was bestenfalls nur ärgerlich sein mag, stellt gleichzeitig ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko dar, denn an ihrem übergroßen Hunger nach Textilien hat sich schon manche Kette verschluckt – mit einem schlimmen Sturz als Folge. Der pressedienst-fahrrad hat sich nach Abhilfe umgeschaut.

[pd-f/ht] Wer früher als stilbewusster Radfahrer etwas auf sich hielt, bändigte ein allzu flatterhaftes Hosenbein mit einer Klammer aus Metall. Der zweifelhafte Beinschmuck ist aber genauso wenig zeitgemäß, wie es schön ist, die Hose kurzerhand in den Strumpf zu stecken. Heute übernehmen die Aufgabe seine gleichermaßen leichten wie leichter zu verstauenden Nachfahren aus Kunststoff oder textilen Geweben. Das Hosenband „Chain Protection“ von Vaude (6 Euro) etwa umschließt im Gegensatz zu Opas unbequemen schmalen Stahlbändern die Fesseln mitsamt Hose auf großer Fläche, macht sich aber ganz klein, wenn es nicht gebraucht wird. Reflexstreifen sorgen zudem für optische, passive Sicherheit. Ganz praktisch wiederum dient sich der „Wrap Strap“ von Cycloc an (12,90 Euro): Das in verschiedenen knalligen Farben erhältliche Spannband lässt sich mittels dreier Druckknöpfe in der Länge verstellen und eignet sich nicht nur als Hosenschutz, sondern auch zur Befestigung von Gegenständen an Rahmen, Lenker oder Gepäckträger.

Freiheit für Radlerbeine

Eine waschechte Radhose hat solche Hilfsmittel erst gar nicht nötig. Und nein: Wir reden hier nicht von hautengen Lycra-Leggins, sondern von alltagstauglicher Radbekleidung mit Beinfreiheit und Schick. Die Vaude „Homy Rainpants“ (100 Euro) z. B. bringen einen in der Weite regulierbaren Beinabschluss mit und ersetzen bei Schmuddelwetter die verbreitete, aber nur bedingt praktische Kombination aus Poncho und Gamaschen. Im Gegensatz zu ihren langweilig-schwarzen Artgenossen kommt die Regenhose dabei im Stil einer leger geschnittenen Jeans daher.

Doch nicht nur Hosenbeine verirren sich gerne in die Kette, auch vorwitzige Schnürsenkel leben beim Radfahren gefährlich. Rennradfahrer haben das Problem eher selten, da sie meist auf Schuhe mit Klettverschluss setzen. Einen solchen finden urbane Radler und Radlerinnen an den Modellen „Grynd“ und „Whynd“ von Giro (je 99,95 Euro) zusätzlich zur Schnürung. Die sportiv-lässigen Schuhe sollen mit gedämpfter Laufsohle nicht nur auf dem Rad angenehm zu tragen sein, sondern auch Strecken zu Fuß komfortabel meistern.

Wer lieber ohne Regenhose und mit ganz normalen Schuhen unterwegs ist, greift dann doch besser auf Gamaschen zurück. Ein durchgehender Klettverschluss wie bei den „Bike Gaiter long“ von Vaude (25 Euro) ermöglicht das An- und Ausziehen im Handumdrehen, während Schuh und Hosenbein bis hoch über die Wade rundum geschützt sind.

Kettenschutz mit System

Der aufmerksame Leser hat sicher längst bemerkt, dass bei den vorgestellten Lösungen dem vermeintlichen Opfer die Schutzvorkehrung obliegt. Dabei verrichtet doch der als Übeltäter gebrandmarkte Antrieb – seinem zugegeben etwas schmierigen Eindruck zum Trotz – stoisch an Ort und Stelle sein Werk und will das eigentlich nur ungestört tun. Entsprechend spricht man bei denjenigen Teilen am Rad, die das gewährleisten sollen, nicht vom Hosen-, sondern vom „Kettenschutz“. Der ist laut StVZO nicht vorgeschrieben und findet sich denn auch, so sinnvoll er sein mag, außer an Hollandrädern oder Citybikes wie beispielsweise dem Winora „Louvre“ (499 Euro) eher selten. Allerdings gibt es ein paar ausgetüftelte Lösungen, die Kette und Hose effizient voneinander trennen können.

So kapselt beispielsweise Riese & Müller beim „Avenue“ (ab 3.999 Euro) die Kette in der Hinterradschwinge und erhöht mit dem geschlossenen Antriebssystem signifikant den Schutz.
Eine Alternative zur Kette stellt, sofern das Rad dafür geeignet ist, der Carbonriemen von Gates dar. Zumindest unter dem Aspekt schmutziger Hosenbeine kann der Riemenantrieb offenliegen, da er im Gegensatz zur Kette ohne Schmiermittel auskommt. Schalten muss man dann allerdings per Getriebe an der Tretkurbel oder per Nabenschaltung. Jedoch können auch diese Schaltungsarten das Radfahren mit herkömmlicher Kette zu einer etwas saubereren Sache machen: Die Kette läuft permanent in einer Flucht auf zwei Zahnrädern, wodurch man sie in einem gegebenenfalls nachrüstbaren Kettenschutz „verstecken“ kann – das schützt sie ebenso wie das Hosenbein. „Weil die Kette hier beim Schalten nicht über die Ritzel und Kettenblätter wandern muss, kann sie außerdem kaum abfallen, und man muss sich beim Wiedereinfädeln nicht die Finger schmutzig machen“, merkt Tobias Erhard von Sram an.

Fett gegen Fett im Falle eines Falles

Doch was tun, wenn es trotz aller vorbeugender Maßnahmen schiefgegangen und das Hosenbein farblich kaum mehr von der Kette zu unterscheiden ist? Die chemische Industrie bietet ja Spezialreiniger für alles Mögliche an. Bevor man es aber mit aggressiven Chemikalien versucht und dabei riskiert, die Hose unwiederbringlich zu ruinieren, lohnt der Rückgriff auf zwei altbewährte Hausmittel. Zum einen hat sich Gallseife bewährt, zum anderen – Butter: Einwirken lassen, vorsichtig abtupfen oder mit warmem Wasser ausspülen und dann ab in die Waschmaschine.


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