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Kleine Räder auf großer Bühne
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Donnerstag, 21. Juni 2018

[pd‐f/tg] BMX ist wieder im Kommen. Seit Jahren stellt die Industrie eine steigende Nachfrage speziell bei jungen Leuten fest. Die Konsequenz: Ab 2020 wird der Sport mit einer zweiten Teildisziplin olympisch. Der pressedienst‐fahrrad informiert über Neuheiten und aktuelle Entwicklungen.

Die Olympischen Sommerspiele sollen jugendlicher werden. Deshalb hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) beschlossen, dass ab 2020 die BMX‐Disziplin „Freestyle Park“ Teil der Spiele wird. Das ist verständlich, denn unter Kindern und Jugendlichen genießt das BMX auch in Deutschland nach einer kurzen Durststrecke wieder eine wachsende Popularität. Neben BMX Race, das seit 2008 olympisch ist, wird Freestyle in Tokio bereits die zweite Teildisziplin aus diesem Radsportsegment. Diese Entwicklung beeinflusst den Markt auf unterschiedliche Art und Weise.

Social Media animiert Einsteiger

„Eine kommende wichtige Säule sind die jungen Stars, die aktuell die Szene aufmischen“, sagt Bodo Hellwig. Er ist Produktmanager BMX beim Großhändler Sport Import, mit 14 BMX‐Marken einer der größten Vertreiber für BMX‐Artikel in Deutschland. Als Beispiel nennt er Lennox Zimmermann. Der erst Zehnjährige beeindruckte mit seinen Tricks und Stunts bereits in diversen TV‐Shows und ist, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Niklas, in vielen Youtube‐Clips und auf Instagram zu sehen. „Durch die Social‐Media‐Kanäle gewinnen die Jungs mehr Fans und machen sich schnell einen Namen. Vor allem aber erreichen sie so mehr Gleichaltrige und animieren sie, sich mit dem Sport stärker zu beschäftigen“, begrüßt Hellwig die Möglichkeiten.

(Ex-)Profis beeinflussen die Entwicklungen

Er selbst ist ehemaliger Profi‐BMXer und bereits seit 20 Jahren bei Sport Import für die Betreuung der Sparte verantwortlich. Selbst eingefleischte Sportler holen sich bei Hellwig und seinen mittlerweile zwei Kollegen gerne einmal Rat über die aktuellen Trends in der Szene. Ihr jährliches Highlight ist die European BMX Trade Show (EBTS), die in diesem Jahr am 23. und 24. Juni in Köln stattfindet. „Hier trifft sich die europäische BMX‐Szene. Es ist wie ein großes Familientreffen. Deshalb ist es schade, dass wir in diesem Jahr ein paar Ausstellern absagen mussten, weil die Nachfrage zu groß ist“, erklärt Mitveranstalter Hellwig. Nicht alle BMX‐Marken kommen nämlich aus den USA, auch die europäischen Hersteller etablieren sich immer stärker und gewinnen internationales Ansehen, erfolgreichen Ex‐Profis sei Dank. Wie in kaum einer anderen Branche bleiben die Fahrer dem Sport erhalten und kümmern sich um folgende Generationen und erfolgreiche Weiterentwicklungen.

Ein Paradebeispiel ist die Kölner Marke Wethepeople um Harry Schmid und Bahar Bayrak. 1996 gegründet, haben sich die Jungs international einen Namen gemacht. Topstars arbeiten mit den Kölnern zusammen und bringen ihre Erfahrungen in die Entwicklung der Marke mit ein. Oder Alireza „Ali“ Barjesteh, der Erfinder der Moto-Pedale. Der Berliner begann vor zehn Jahren mit der Entwicklung des neuen Plattformpedals. Anstatt Pins oder Klicks nahm er für die Oberfläche Griptape, wie es vom Skateboard bekannt ist. Das erhöhte den Halt und verhinderte ein Abrutschen vom Pedal selbst bei Nässe. Die Idee ist mittlerweile weit über die BMX‐Grenzen hinaus bekannt: Alltagsfahrer, Mountainbiker und E‐Biker wissen die Vorteile zu schätzen.

Dabei sind BMX‐Räder technisch extrem reduziert ausgestattet. „BMXer setzen aber viel auf Individualität. Der Austausch von Teilen gehört dazu. Bunte Farben bei Griffen, Reifen oder Pedalen sind gefragt“, kann Tobias Spindler vom Markenimporteur Messingschlager feststellen. Profimodelle können dabei schnell vierstellige Beträge kosten. Für ambitionierte Einsteiger hat Sport Import deshalb im letzten Jahr seine BMX‐Eigenmarke SIBMX gegründet. „Wir bieten bislang zwei 20‐Zoll‐Modelle ab 299 Euro mit einer speziellen Geometrie für Einsteiger an. Der Hinterbau ist dabei etwas verkürzt, sodass das Vorderrad leichter vom Boden zu heben ist. Für die nächste Saison werden wir das Angebot sogar noch erweitern“, verrät Hellwig.

Unterschiedliche Rennen, unterschiedliche Bikes

Die Anforderungen an BMX‐Räder in den einzelnen Disziplinen unterscheiden sich deutlich, was alleine die beiden Olympia‐Wettbewerbe zeigen. Beim BMX Race treten acht Fahrer in einem schnellen Rennen über ca. 300 bis 400 Meter Länge mit unterschiedlichen Sprüngen und Hindernissen an. „Da es bei diesen Rennen häufig zu Stürzen kommt, tragen die Fahrer Protektoren und einen Integralhelm“, weiß Daniel Gareus vom Großhändler Cosmic Sports. Die Räder müssen äußerst robust gebaut sein, haben nur eine Hinterradbremse und werden meist im Stehen mit hoher Trittfrequenz gefahren. Das stellt hohe Anforderungen an die Komponenten. Kein Wunder also, dass z. B. Kettenspezialist KMC eine extra BMX‐Kette im Angebot hat. Diese verfügt über verstärkte Bolzen, so dass hohe Belastungen ohne eine Längung der Kette möglich sind. Neuerdings erlaubt der Weltradsportverband bei offiziellen Wettbewerben auch Carbonriemen anstelle der herkömmlichen Kettenantriebe. „Gerade bei Sportarten mit hoher Kraftübertragung wie im BMX Race hat der Riemen echte Vorteile. Er behält kontinuierlich seine Spannung, wenn Ketten durch Längung oder Abnutzung zu schwächeln beginnen“, erklärt Frank Schneider vom Riemenproduzenten Gates, der sich bei der UCI für die Freigabe stark gemacht hat.

Olympia hat nicht nur Freunde

Die zweite olympische Disziplin, BMX Freestyle Park, unterscheidet sich dergestalt, dass die Sportler in einem Parcour mit Rampen und Hindernissen innerhalb von zwei Minuten ihre Stunts, Sprünge und Tricks zeigen dürfen. Diese werden von einer Jury bewertet, die u. a. auch Risiko, Style und Kreativität des Laufs beurteilt. Um dabei möglichst mobil zu sein, verzichten die Profis gerne auf Bremsen. „Beim Helm nutzen sie eine sogenannte Halbschale. Dadurch werden Kopf und Nacken gut umschlossen und besser geschützt, das Sichtfeld bleibt aber frei“, erklärt Torsten Mendel vom Helmhersteller Abus, der mit dem „Scraper“-Serie BMX‐Helme im Angebot hat, der sich auch unter Stadtradlern einer hohen Beliebtheit erfreut. An die Radachsen der Räder können ein‐ oder beidseitig sogenannte Pegs geschraubt werden. Mit diesen Fußrasten wird das Rutschen an Hindernissen ermöglicht – man spricht vom „Grinden“ (engl. „mahlen“). Die speziellen Park‐Räder sind in diesem Jahr wieder im Kommen.

Ein Grund dafür liegt sicherlich auch in der Zulassung der Sportart für Olympia und damit in der erhofften weiter wachsenden Popularität. Doch das stößt nicht überall auf Gegenliebe. So sehen sich die Fahrer eher als Individualisten und, wie der Name bereits sagt, Freestyler. Der Bund Deutscher Radfahrer möchte allerdings einen Olympia‐Kader in seine Strukturen integrieren. Dazu gehören auch feste Trainingsabläufe bzw. -pläne oder regelmäßige Dopingproben. „Es geht ein wenig die Angst um, dass es beim BMX in Zukunft nicht mehr um die Liebe zum Sport, sondern mehr ums Geld geht“, befürchtet Hellwig.

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