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Das Gravelbike boomt: Acht Räder, so flexibel wie das Leben
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Montag, 28. März 2022

Gravelbikes sind pistenfeste Rennräder mit breiten Reifen und langstreckentauglicher Sitzposition. Und sie erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Das geht so weit, dass sie sowohl dem klassischen Rennrad wie dem Mountainbike und dem Trekkingrad Marktanteile und Kund:innen streitig machen. Fahrradexperte Arne Bischoff vom pressedienst-fahrrad zeigt acht Gravel-Fahrräder, die so vielfältig sind wie ihre Fahrer:innen. Bei aller Verschiedenheit einen drei Merkmale aber alle modernen Gravelbikes: Rennradlenker, Scheibenbremsen, Reifenfreiheit.

1) Salsa Cutthroat: für Self-Support-Rennen

Salsa gilt als ein Pionier im Gravelbike-Segment. Im umfangreichen Sortiment der Marke aus Kalifornien ist das „Cutthroat“ (Komplettrad ab 2.999 Euro, Rahmenset: 2.299 Euro) das Schweizer Tassenmesser. Entwickelt wurde das Carbon-Bike für Self-Support-Rennen im Stile der legendären Tour Divide oder der deutschen Grenzsteintrophy. Das Cutthroat soll deshalb Fahrstabilität, Langstrecken- und Schlechtwegetauglichkeit mit hohem Tempo und vielen Befestigungsmöglichkeiten für Bikepacking-Taschen (z. B. von Marktführer Ortlieb oder Kultmarke Revelate Designs) verbinden. Mit einer Reifenfreiheit bis zu 2,4 Zoll Breite bei 29 Zoll Durchmesser können am Halsabschneider (dt. für „Cutthroat“) neben schnellen Gravel- auch robuste MTB-Reifen verwendet werden.

Experten-Einschätzung: „Ambitionierte Gravelbiker:innen und Langstreckenfans aufgepasst! Der kalifornische Halsabschneider ist ein Rad zum Kilometerfressen. Kein absoluter Spezialist, sondern ein Alleskönner mit dem besonderen Flair der Kultmarke Salsa.“

2) Cannondale SuperSix EVO: für Gravel-Racer:innen

Für kürzere, schnellere Rennen wie die neue UCI-Gravelserie oder die dynamische Rennradausfahrt fernab hupender Autos hat US-Hersteller Cannondale seinem sportlichsten Gravelbike „SuperSix EVO“ (4.999 Euro) etliche Merkmale seiner im Cyclocross- und Straßen-Weltcup erprobten Rennräder verpasst. Das Carbon-Gravelbike ist aerodynamisch für hohe Geschwindigkeiten optimiert und mit einem leichten Carbon-Laufradsatz sowie einer Funkschaltung für schnelle Gangwechsel ausgestattet. Mit der Rennrad-ähnlich gestreckten Sitzposition sind auch Cyclocross-Rennen möglich.

Experten-Einschätzung: „Wer vom Rennrad oder aus dem Cyclocross-Sport kommt, wird sich auf dem SuperSix EVO auf Anhieb wohl fühlen. Die Sitzposition ist wettkampftauglich, das Rad schreit nach Vortrieb. Anfänger:innen oder Alltagsradelnde sollten sich bewusst sein, dass es sich hier um ein reines Sportgerät handelt.“

3) Stevens Gavere: für Komfortable

Mit einer komfortablen Sitzposition und langem Radstand für viel Laufruhe soll das „Gavere“ (1.599 Euro) des Hamburger Herstellers Stevens möglichst viele Menschen ansprechen. Der robuste Aluminiumrahmen hält Anbaupunkte und ‑ösen nicht nur für Bikepackingtaschen, sondern auch für Schutzbleche und Gepäckträger bereit. Für Grip auf vielen Untergrundarten ist der Gravelreifen „G‑One Bite“von Schwalbe verbaut. Damit ist das Gavere ein komfortorientierter Allrounder, der bei der sportlichen Alltagsfahrt und der schnellen Feierabendrunde funktionieren soll. Besonderheit: Mit Rahmengrößen zwischen 48 und 61 Zentimetern spricht der Hersteller auch Menschen abseits der Durchschnittsgröße an.

Experten-Einschätzung: „Viele Fahrradhersteller bieten ihre Räder nur in drei bis vier Standardgrößen an. Nicht so Stevens. Das Gavere gibt es in nicht weniger als sechs Rahmengrößen. Das ist gut so, denn bei Größe und Passform sollten Käufer:innen auch beim Gravelbike keine Kompromisse machen müssen.“

4) Tout Terrain Scrambler Xplore GT II: für Ingenieur:innen auf Weltreise

Auf Langstrecke zählen vor allem Wartungsarmut und Langlebigkeit. Egal, ob diese Langstrecke der tägliche Arbeitsweg oder die Reise in eine entlegene Weltregion ist. Tout Terrain (dt. für „jedes Gelände“) aus dem Breisgau verpasst seinem Crossover-Gravelbike „Scrambler Explore GT II“ (ab. 3.879 Euro) deshalb einen Carbon-Riemenantrieb von Gates in Kombination mit einem Pinion-Zentralgetriebe. Der Riemen hält ca. dreimal länger als eine durchschnittliche Metallkette und benötigt wie die Schaltung kaum Pflege. Die Verbindung von Rennlenker, Zentralgetriebe und Riemen ist ein technisches Schmankerl, das nicht nur im „Ländle“ die ein oder andere Ingenieur:in begeistern dürfte. Das Scrambler Xplore ist in verschiedenen Konfigurationen mit 650B- (entspricht 27,5 Zoll) oder 700C- (entspricht 28 Zoll) Laufrädern erhältlich.

Experten-Einschätzung: „Für mich persönlich gilt: Nur ein leises Rad ist ein gutes Rad. Mit Gates-Carbonriemen und Zentralgetriebe hat das Scrambler deshalb bei mir einen Stein im Brett – und ist dabei äußerst wartungsarm.“

5) Velotraum SP: für Monster-Gravel und Alltagsfahrt

Noch einen Schritt weiter als ein typischer Konfigurator geht die Fahrradmanufaktur Velotraum aus Weil der Stadt. Velotraums Baukastenprinzip und individuelle Vermessung erlauben die Anpassung an nahezu jeden Radfahrtyp. Deshalb sind Modelle wie der „Speedster“ oder kurz „SP“ (ab 3.840 Euro) auch eher als Aufbauvorschläge zu verstehen, auf deren Basis sich radaffine Individualist:innen ihr persönliches Traumbike zusammenstellen können. Im Falle des Speedster heißt das zum Beispiel: 26- oder 27,5‑Zoll-Laufräder; Rohloff-Nabe oder Kettenschaltung; Stahl- oder Alu-Rahmen; Schutzblech, Gepäckträger und Licht oder „naked“. Allen Speedster-Varianten gemein ist die Kombination aus Rennlenker und sehr großer Reifenfreiheit bis 60 Millimeter. So kann das Speedster an den traditionsreichen Randonneur der 1940er-Jahre genauso anknüpfen wie an moderne Monster-Gravelbikes.

Experten-Einschätzung: „So konsequent funktional wie Velotraum-Mastermind Stefan Stiener denkt kaum jemand in der Fahrradbranche. Ein Velotraum ist vielleicht nicht das erste Rad, das man sich kauft, hat aber gute Chancen, das letzte zu sein, das man je benötigt.“

6) Surly Ghost Grappler: für Trailspaß

Hersteller Surly beschreibt seinen „Ghost Grappler“ (1.999 Euro) als „Dropbar-Mountainbike“ und liefert mit dem Rahmen aus robustem Chrom-Molybdän-Stahl eine der extremeren Interpretation des Gravelbikes. Das Rad rollt auf 2,5 Zoll breiten MTB-Reifen in 27,5 Zoll Durchmesser. Der Salsa-Lenker „Cowchipper“ ist unten weit ausgestellt (engl. „Flare“) und bietet damit viel Kontrolle im Gelände. Passend zum Einsatz dort stattet Surly seinen „Geisterringer“ serienmäßig mit einer Teleskopsattelstütze aus, die sich für viel Bewegungsfreiheit in technischem Gelände auf Knopfdruck vom Lenker aus absenken lässt.

Experten-Einschätzung: „Als passionierter Mountainbiker mag ich das Surly. Das Grappler ist mit seiner unverwüstlichen und günstigen Technik und hohen Geländetauglichkeit ein optimales Expeditionsfahrzeug. Ein echter Unimog unter den Fahrrädern.“

7) Ghost Road Rage Essential EQ: für Style-Verliebte

Das „Road Rage Essential EQ“ des nordbayerischen Herstellers Ghost soll die immer größere werdende Zahl sportlicher Pendler:innen glücklich machen. Weil das Auge gerade in der urbanen Anwendung mitentscheidet, setzt der Hersteller auf einen minimalistischen Gepäckträger, um etwa wasserdichte Fahrradtaschen aufzunehmen, eine dezent integrierte Lichtanlage und ein klassisches Schutzblechdesign. Die tendenziell sportliche Sitzposition soll auf der sportiven Ausfahrt am Wochenende punkten, während 37 Millimeter breite Reifen Kopfsteinpflaster den Schrecken nehmen.

Experten-Einschätzung: „Was für ein City-Flitzer! Mit dem Road Rage unterm Hintern würde ich meinen Arbeitsweg glatt verlängern. Mit diesem Rad verspricht auch die schnöde Pflichtfahrt, zur Lustfahrt zu werden.“

8) Cannondale Topstone Neo: für E‑Fans

Auch Gravelbiker:innen profitieren von kräftigen E‑Antrieben. Für die E‑Bike-affine Zielgruppe hält Hersteller Cannondale das „Topstone Neo“ (ab 4.799 Euro) bereit. Den Antrieb besorgt hier ein kraftvoller Bosch-CX-Motor, der in Kombination mit dem serienmäßigen 500-Wattstunden-Akku laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 176 Kilometern erzielen soll. Alle Topstone-Neo-Modelle verwenden die Kingpin-Hinterbaufederung des Herstellers, die kleinere Schläge wie Schlaglöcher oder Bordsteinkanten herausfiltern soll, während die vier höherpreisigen Varianten auf eine Vollfederung mit Kingpin am Hinterbau und Lefty-Oliver-Einarmgabel an der Front setzen, die 30 Millimeter Federweg zur Verfügung stellt.

Experten-Einschätzung: „Ich kann es nicht mehr hören. ‚Ich brauch doch kein E‑Bike, solange ich selbst noch treten kann.‘ Was die Menschen aber vergessen: Wie viel Freude der kleine E‑Antrieb bei jeder Fahrt macht. Auch im Sportgerät!“

Arne Bischoff | pressedienst-fahrrad

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